Multiple Sklerose (MS): Diagnose

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. November 2016)

Bei Verdacht auf eine multiple Sklerose (MS) besteht der erste Schritt zur Diagnose darin, die Krankenvorgeschichte zu erfassen (Anamnese) und das Nervensystem zu untersuchen (neurologische Untersuchung). Dabei ist es wichtig, zu prüfen, ob die vorliegenden Anzeichen die Kriterien erfüllen, die einen MS-Schub definieren.

Ein Multiple-Sklerose-Schub liegt vor, wenn die Symptome:

  • mindestens 24 Stunden lang anhalten,
  • mindestens 30 Tage nach Beginn des letzten Schubs aufgetreten sind,
  • nicht durch eine veränderte Körpertemperatur oder durch Infektionen erklärbar sind.

Bei Verdacht auf multiple Sklerose ist die neurologische Untersuchung unentbehrlich, um zum Beispiel Hirnnerven auf ihre Funktion zu prüfen sowie Empfindungen, Reflexe und Muskelkraft zu testen. Mithilfe einer Skala kann der Arzt den Grad der vorliegenden Einschränkungen einschätzen.

Um eine multiple Sklerose zu diagnostizieren, sind jedoch weitere Untersuchungen nötig. Unter anderem kann eine Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (sog. Liquorpunktion) die Verdachtsdiagnose bekräftigen: Bei multipler Sklerose bestehen entzündliche Veränderungen im zentralen Nervensystem (ZNS: Gehirn und Rückenmark), die dazu führen, dass die in der gewonnenen Probe gemessenen Werte für bestimmte Abwehrzellen und Antikörper krankhaft erhöht sind. Andere entzündliche Erkrankungen des Nervensystems (z.B. die Hirnhautentzündung) haben jedoch dieselbe Auswirkung. Zur Sicherung der MS-Diagnose kommen daher zusätzlich andere Verfahren zum Einsatz:

So bietet sich für die Multiple-Sklerose-Diagnose ein Elektroenzephalographie (EEG) an, um die Nervenimpulse zu messen, die als Reaktion auf einen bestimmten vorgegebenen Seh- oder Hörreiz entstehen. Anhand dieser sogenannten evozierten Potenziale (evozieren = hervorrufen) kann der Arzt erkennen, ob die Leitfähigkeit in einem Seh- oder Hörnerv gestört ist. Bei bestehender MS können diese Potenziale charakteristische Veränderungen zeigen (typisch ist z.B. eine verzögerte Reaktion auf Lichtblitze oder Klicklaute).

Einen hohen Stellenwert für die MS-Diagnose hat die Magnetresonanztomographie (MRT). Hier sind bereits frühzeitig die krankhaft veränderten Entzündungsherde zu erkennen, die für multiple Sklerose charakteristisch sind – schon bevor die ersten MS-Symptome auftreten. Im Vergleich zur MRT ist die Computertomographie (CT) wesentlich weniger aussagekräftig.