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Mukoviszidose (zystische Fibrose)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (04. August 2017)

© iStock

Mukoviszidose (zystische Fibrose) tritt bei etwa einem von 2.000 Neugeborenen auf. Dank verbesserter Diagnose-Methoden lässt sich die Erkrankung inzwischen oft schon feststellen, noch ehe Symptome auftreten. Das ermöglicht es, frühzeitig mit einer passenden Behandlung zu beginnen.

Was ist Mukoviszidose?
Mukoviszidose ist eine angeborene Stoffwechsel­erkrankung, bei der die schleimbildenden Drüsen im Körper nicht richtig funktionieren.

Als Folge bilden diese einen sehr zähen Schleim, der verschiedene Organe in ihrer Funktion beeinträchtigt. Das betrifft insbesondere die Lunge, aber auch andere Organe, wie Bauchspeicheldrüse, Verdauungs- oder Fortpflanzungsorgane. Bei Neugeborenen kann es dadurch zu Entwicklungsstörungen kommen. Babys mit Mukoviszidose nehmen zum Beispiel oft zu wenig an Gewicht zu und haben deshalb häufiger Untergewicht.

Video: Mukoviszidose

Mukoviszidose (zystische Fibrose): Typische Symptome

Die für Mukoviszidose (zystische Fibrose) typischen Symptome entstehen, weil bei den Betroffenen die Zusammensetzung von Schleim und dessen Absonderung verändert ist. Das führt insbesondere in Lunge und Bauchspeicheldrüse zu Problemen.

Lunge

Betrifft die Mukoviszidose die Lunge, treten häufig folgende Symptome auf:

Bei Mukoviszidose entsteht in der Lunge ein zähflüssiger Schleim, der die feinen Verästelungen der Bronchien verstopft. Die mit Flimmerhärchen ausgekleidete Wand der Bronchien ist normalerweise mit einer dünnen und nicht sehr zähen Schleimschicht überzogen. Auf ihr bleiben eingeatmete Partikel haften und werden wie auf einem Förderband bis zum Rachen hochtransportiert. So lassen sie sich abhusten und / oder verschlucken.

Bei Mukoviszidose können die Flimmerhärchen den zähen, dicken Schleim jedoch nur schlecht oder gar nicht abtransportieren. Dadurch verengen sich auf Dauer die Luftwege und das Atmen fällt schwer. Außerdem entwickeln sich häufiger Atemwegsinfekte, da auch Bakterien nicht wie normalerweise mit dem Schleim abtransportiert werden, sondern in den Atemwegen verbleiben. Insbesondere Bakterien der Art

rufen bei Menschen mit Mukoviszidose häufig Atemwegsinfekte hervor. Solche wiederkehrenden Infektionen können das Lungengewebe auf Dauer schädigen. Denn das Immunsystem ruft zur Abwehr der Krankheitserreger entzündliche Reaktionen hervor, die auch das gesunde Gewebe angreifen. Dadurch schreitet im Verlauf der Erkrankung die Zerstörung des Lungengewebes und die Verengung der Bronchien immer weiter fort.

Bauchspeicheldrüse

Bei Mukoviszidose entsteht in etwa 85 Prozent der Fälle auch in der Bauchspeicheldrüse ein zäher Schleim, der die Sekretgänge im Organ verstopft. Als Folge kann die Bauchspeicheldrüse nicht ausreichend Verdauungsenzyme bilden. Mediziner bezeichnen diese Funktionsstörung als exokrine Pankreasinsuffizienz.

Für Mukoviszidose typische Symptome der Bauchspeicheldrüse sind:

Wenn die Bauchspeicheldrüse nicht mehr richtig funktioniert und durch die Mukoviszidose geschädigt ist, kann langfristig auch ein Diabetes mellitus entstehen. Denn die Bauchspeicheldrüse bildet neben den Verdauungssäften auch das Hormon Insulin, das für den Zuckerstoffwechsel sehr wichtig ist. Kann die Bauchspeicheldrüse dieses Hormon nicht mehr bilden, tritt ein Diabetes mellitus Typ 1 auf.

Darmtrakt

Mukoviszidose kann auch den Darm beeinflussen. Etwa 10 bis 20 Prozent der Neugeborenen mit zystischer Fibrose haben bereits bei der Geburt einen Darmverschluss. Manchmal erfordert dieser auch eine Operation am Verdauungstrakt. Dieser Verschluss entsteht durch einen extrem zähen ersten Stuhl des Neugeborenen, das sogenannte Mekonium oder Kindspech. Weitere mögliche Symptome sind ein vorgewölbter Mastdarm (Rektumprolaps), Darmeinstülpungen (Invagination) oder ein Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (sog. Refluxstörung) bei Babys beziehungsweise Kleinkindern.

Galle

Bei Mukoviszidose können die Gallengänge durch Gallensteine verstopft sein. Das behindert beziehungsweise verhindert die Abgabe des für die Verdauung notwendigen Gallensafts in den Zwölffingerdarm. Auch eine Leberzirrhose kann als Folge einer Mukoviszidose auftreten.

Geschlechtsorgane

Aufgrund der zähen Schleimdrüsensekrete in Samenleiter und Nebenhoden sind die meisten Männer mit Mukoviszidose zeugungsunfähig. Auch viele Frauen mit zystischer Fibrose sind unfruchtbar. Denn der zähe Schleim kann zu Pfropfen in den inneren Geschlechtsorganen (meist in den Eileitern) führen und den Spermien den Weg versperren.

Haut

Bei Mukoviszidose schmeckt der Schweiß sehr salzig. Durch den gestörten Chloridtransport enthält er erheblich mehr Natrium- und Chlorid-Ionen als der Schweiß von gesunden Personen.

Bei gesunden Menschen bilden die Schweißdrüsen ein Sekret, das hauptsächlich aus Wasser besteht und durch einen Gang zur Hautoberfläche fließt. Anfangs ist der Schweiß dabei noch reich an Natrium- und Chlorid-Ionen. Während der Passage durch die Ausführungsgänge nimmt die Schleimhaut, die die Gänge auskleidet, die Ionen wieder auf. Die ausgeschwitzte Flüssigkeit ist bei gesunden Menschen deshalb nur noch schwach salzig. Bei Mukoviszidose nimmt die Schleimhaut jedoch keine Chlorid-Ionen aus dem Ausführungsgängen auf und in der Folge auch weniger Natrium-Ionen. Der Schweiß auf der Haut ist deshalb ungewöhnlich salzig.

Mukoviszidose: Man sieht das schweißbedeckte Gesicht eines Babys in Nahaufnahme. © iStock

Bei Mukoviszidose schmeckt der Schweiß extrem salzig.

Mukoviszidose (zystische Fibrose): Ursachen

Die Ursache ist ein Gendefekt

Die Ursache für Mukoviszidose (zystische Fibrose) ist eine Veränderung im Erbgut. Genauer gesagt ist ein ganz bestimmtes Gen verändert, das CFTR-Gen. Die Abkürzung CFTR steht dabei für Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator. Das Gen liegt auf auf Chromosom 7 und trägt die Erbinformationen für die Produktion eines Eiweißes namens CFTR-Protein.

Das CFTR-Protein spielt eine wichtige Rolle für die Schleimhautzellen. Es liegt bei ihnen eingebettet in der Zellmembran und dient als eine Art Kanal zwischen Innerem und Äußerem der Zelle. Normalerweise ist das CFTR-Protein für den Transport von Chlorid-Ionen aus der Zelle heraus zuständig und sorgt so letztlich dafür, die Schleimhäute feucht bleiben. Denn die Chlorid-Ionen gehen außerhalb der Zelle eine Verbindung mit Natrium ein, sodass Kochsalz (Natriumchlorid, NaCl) entsteht. Sobald der Salzgehalt außerhalb der Zelle höher als in der Zelle ist, strömt Wasser nach und trägt mehr Feuchtigkeit heran.

Bei Mukoviszidose ist diese Transportfunktion des CFTR-Proteins durch den Gendefekt jedoch gestört. Als Folge sondern die Drüsen der Schleimhaut einen sehr zähen Schleim ab, was in verschiedenen Organen zu Problemen führt. Vor allem die Bronchien sowie  Bauchspeicheldrüse und Galle werden davon häufig in ihrer Funktion beeinträchtigt. In den Bronchien blockiert der zähe Schleim die feinen Verästelungen und löst dadurch Atemwegsprobleme aus. In Bauchspeicheldrüse und Galle verstopft der Schleim die Gänge, wodurch Verdauungsstörungen entstehen.

Wie stark eine Mukoviszidose ausgeprägt ist und welchen Verlauf die Erkrankung nimmt, hängt dabei von weiteren Faktoren ab. Denn neben dem Defekt im CFTR-Gen spielen sogenannte Modifier-Gene eine Rolle. Der Begriff Modifier-Gene stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie "Modifizierende-Gene". Diese Gene haben Einfluss darauf, wie genau sich der Gendefekt beim Betroffenen auswirkt. Sogar bei Menschen mit exakt demselben Gendefekt können Modifier-Gene dazu führen, dass die Erkrankung unterschiedlich schwer ausfällt.

Mukoviszidose: Eine Hand deutet auf eine Stelle in einer Gensequenz. © iStock

Ein Defekt im CFTR-Gen ist die Ursache für Mukoviszidose.

Der Gendefekt bei Mukoviszidose ist vererbbar

Mukoviszidose ist eine Erbkrankheit, genauer gesagt eine autosomal-rezessive Erbkrankheit. "Autosomal-rezessiv" bedeutet, ein Kind erkrankt nur dann an Mukoviszidose, wenn es den Gendefekt von beiden Elternteilen erbt. Damit die Krankheit zum Ausbruch kommt, muss der Gendefekt beim Betroffenen also doppelt vorkommen.

Besitzt der Betroffene den Gendefekt dagegen nur einmal, wird er nicht an Mukoviszidose erkranken. Er ist dann jedoch Merkmalsträger und kann den Gendefekt auch an seine Kinder weitervererben. Das ist in Deutschland statistisch gesehen bei etwa vier Prozent der Bevölkerung der Fall. Die meisten Betroffenen wissen dabei nicht von ihrem genetischen Erbe. Man geht davon aus, dass einer von 25 Menschen das Merkmal für Mukoviszidose besitzt und es an seiner Kinder weitergeben könnte.

Unterschiedliche Ausgangssituationen = unterschiedliches Vererbungsrisiko

Beide Eltern sind im Grunde gesund, tragen jedoch das Merkmal für Mukoviszidose:
Bei jeder Schwangerschaft besteht eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent, dass die Krankheit beim Kind zur Ausprägung kommt.

Ein Elternteil ist an Mukoviszidose erkrankt; der andere ist Merkmalsträger:
Bei jeder Schwangerschaft besteht eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass die Krankheit beim Kind zur Ausprägung kommt. Diese Ausgangssituation kommt jedoch sehr selten vor.

Ein Elternteil ist an Mukoviszidose erkrankt; der andere ist kein Merkmalsträger:
Alle Kinder erben das Merkmal, erkranken jedoch nicht an Mukoviszidose.

Häufigkeit von Mukoviszidose

Pro Jahr kommen in Deutschland etwa 200 Kinder mit Mukoviszidose auf die Welt. Statistisch gesehen tritt die Erkrankung bei einer von 2.000 Geburten auf. Damit ist die zystische Fibrose zwar eine seltene Erkrankung, trotzdem aber eine der häufigsten Erbkrankheiten.

Mukoviszidose (zystische Fibrose): So stellt der Arzt die Diagnose

Ein möglicher erster Hinweis auf eine Mukoviszidose (zystische Fibrose) sind, neben einem Darmverschluss bei Neugeborenen,

im Kindesalter. Zur sicheren Diagnose sind jedoch verschiedene Tests notwendig, die in der Regel stufenweise erfolgen. Diese veranlasst der Arzt, wenn er den Verdacht hat, dass eine Mukoviszidose Auslöser der Beschwerden sein könnte.

Neugeborenen-Screening

Im September 2016 wurde das Neugeborenen-Screening um Mukoviszidose erweitert. Das Screening ist eine freiwillige Reihenuntersuchung auf verschiedene Stoffwechselkrankheiten, die erst nach Einverständniserklärung der Eltern durchgeführt wird. Für das Screening entnimmt der Arzt dem Neugeborenen (meist innerhalb der ersten vier Lebenswochen) einige Tropfen Blut aus der Ferse und schickt sie in ein spezielles Labor ein. Hier wird der sogenannte IRT-Test (Trypsinogen-Test) durchgeführt.

Falls das Testergebnis auf eine Mukoviszidose hinweisen sollte, gilt das jedoch noch nicht als eindeutige Diagnose. Im Durchschnitt liegt bei solch einem Ergebnis nur bei einem von fünf Kindern tatsächlich eine Mukoviszidose vor. Um die Diagnose zu sichern, erfolgt in solch einem Fall zusätzlich entweder erst der PAP-Test und dann der Schweißtest oder nur der Schweißtest.

IRT-Test (Trypsinogen-Test)

Beim IRT-Test bestimmt der Arzt einen speziellen Blutwert: das sogenannte immunreaktive Trypsinogen (IRT). Bei Mukoviszidose ist der IRT-Wert erhöht.

PAP-Test

Der PAP-Test wird bei Neugeborenen manchmal im Anschluss an einen IRT-Test durchgeführt, wenn das Ergebnis auf Mukoviszidose hindeutet. Denn bei bestehender Mukoviszidose produziert die Bauchspeicheldrüse das sogenannte Pankreas-assoziierte Protein (PAP) verstärkt, was sich durch erhöhte Werte bemerkbar macht.

Schweißtest

Eine zystische Fibrose lässt sich auch durch den sogenannten Schweißtest feststellen. Der Schweiß von Menschen mit Mukoviszidose enthält deutlich mehr Natrium und / oder Chlorid als der Schweiß von Gesunden. Er ist also ungewöhnlich salzig. Enthält der Schweiß mehr als 60 mmol/l (Millimol pro Liter) beziehungsweise bei Neugeborenen über 90 mmol/l Chlorid, liegt eine Mukoviszidose vor.

DNA-Analyse

Eine sichere Diagnose findet per DNA-Analyse (sog. Gentest) statt. Sie weist die den ursächlichen Gendefekt, also die Veränderung im CFTR-Gen nach.

Mekonium-Test

Ein weitere Test zur Diagnose bei Neugeborenen war der sogenannte Mekonium-Test. Als Mekonium bezeichnen Ärzte den ersten Stuhl eines Neugeborenen (auch Kindspech genannt). Liegt eine zystische Fibrose vor, sind bestimmte Eiweiße im Mekonium erhöht. Allerdings ist die Fehlerquote beim Mekonium-Test mit 15 bis 30 Prozent relativ hoch. Heutzutage ist der Mekonium-Test nicht mehr gebräuchlich.

Pränataldiagnostik

Auch eine vorgeburtliche Diagnose (Pränataldiagnostik) mittels einer Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) ist möglich. Dabei entnimmt der Frauenarzt bei der Schwangeren unter Ultraschallkontrolle Fruchtwasser aus der Fruchtblase und lässt anschließend die dabei gewonnenen kindlichen Zellen untersuchen. Im Labor prüfen Spezialisten dann mittels DNA-Analyse, ob im Erbgut der Zellen bestimmte Veränderungen vorliegen, die für eine Mukoviszidose typisch sind.

Mukoviszidose (zystische Fibrose): Therapie

Die Ursache für Mukoviszidose (zystische Fibrose) ist ein angeborener Gendefekt. Dieser lässt sich bislang nicht heilen. Die Therapie zielt daher vor allem darauf ab, die Symptome soweit wie möglich zu lindern. Auch das Fortschreiten der Krankheit kann mithilfe einer passenden Behandlung verlangsamt werden. Je früher die Therapie beginnt, desto günstiger wirkt sich das auf den Verlauf der Erkrankung aus.

Vor allem die Verdauungsprobleme, die bei Mukoviszidose auftreten, sind mittlerweile gut behandelbar. Die eingeschränkte Funktion der Bauchspeicheldrüse lässt sich durch Kapseln mit Verdauungsenzymen (Pankreatin) ausgleichen. Diese nimmt man zu den Mahlzeiten ein. Daneben sollten Betroffene auf eine Ernährung achten, die reich an Kalorien, Mineralstoffen und Vitaminen ist, und zusätzlich fettlösliche Vitamine einnehmen.

In Deutschland wird ab Januar 2018 die Möglichkeit bestehen, sich vom Arzt eine Ernährungstherapie verordnen zu lassen. Die Kosten hierfür werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Komplikationen entstehen bei Mukoviszidose vor allem durch die Auswirkungen der Erkrankung auf die Lunge. Ein wichtiger Teil der Therapie besteht daher darin, die Funktion der Lunge weitestgehend zu erhalten. Dazu zählt auch, Atemwegsinfektionen möglichst zu vermeiden beziehungsweise diese zügig mit Antibiotika zu behandeln.

Daneben kommen weitere Therapie-Maßnahmen zur Erhaltung der Lungenfunktion zum Einsatz:

  • Inhalation: Das Inhalieren von schleimlösenden oder brochienerweiternden Mitteln kann das Lösen des Schleims fördern. Teilweise nutzt man das Inhalieren auch dazu, weitere Medikamente in die Lunge einzubringen, wie etwa entzündungshemmende Mittel oder Antibiotika.
  • Schleimlösende Medikamente (sog. Mukolytika): Mit solchen Mitteln wird der Schleim in der Lunge flüssiger und fließt leichter ab.
  • Atemphysiotherapeutische Übungen:  Übungen wie die sogenannte autogene Drainage oder eine Klopfmassage helfen der Lunge dabei, den zähen Schleim aus dem Gewebe zu entfernen. Dazu erzeugt der Therapeut mit den Händen eine Vibration auf dem Brustkorb, die den Abtransport des Schleims vereinfacht.
  • Körperliches Training: Körperliche Aktivität verbessert den Allgemeinzustand des Betroffenen und erleichtert das Abhusten des Schleims.

Schleimlösende Medikamente machen die Atemwege frei. Wie das funktioniert, veranschaulicht Ihnen unser Video.

Medikamentöse Therapie

Ivacaftor und Lumacaftor 

Seit 2012 ist außerdem der Wirkstoff Ivacaftor zur Behandlung bei Mukoviszidose zugelassen. Dieser Wirkstoff eignet sich allerdings nicht für alle Betroffenen. Ivacaftor kann nur dann effektiv wirken, wenn die Veränderung einer bestimmten Stelle im CFTR-Protein für die Mukoviszidose verantwortlich ist und eine sogenannte Gating-Mutation vorliegt, zum Beispiel an Position 551 (auch G551D-Mutation genannt). Ist diese jedoch vorhanden, wirkt Ivacaftor direkt auf die Ursache der Symptome ein. Solch eine Veränderung liegt Schätzungen zufolge nur bei rund fünf Prozent der Betroffenen vor. Bei ihnen verbessert der Wirkstoff die Transportfunktion des CFTR-Proteins oder stellt diese sogar ganz wieder her. Dadurch wird der zähe Schleim dünner und kann besser abfließen. Die Beschwerden bessern sich dadurch deutlich.

Bei den meisten Mukoviszidose-Patienten ist das CFTR-Protein jedoch an einer anderen Position verändert, nämlich an Position 508 (sogenannte Phe508del-Mutation). Sie können dennoch von Ivacaftor profitieren, wenn sie den Wirkstoff in Kombination mit Lumacaftor erhalten. Diese Kombination kann die Atemwegsbeschwerden bessern, wenn auch weniger stark.

Mukoviszidose (zystische Fibrose): Wie verläuft die Erkrankung?

Mukoviszidose (zystische Fibrose) kann sehr unterschiedlich verlaufen und auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manche Betroffene zeigen einige Jahre kaum Symptome, während andere von Anfang an an einer Vielzahl von Beschwerden und Beeinträchtigungen leiden.

Insgesamt hat sich die Prognose in den letzten Jahren jedoch spürbar verbessert. Dank einer früheren Diagnosestellung und besseren Behandlungsmöglichkeiten liegt die mittlere Lebenserwartung bei Mukoviszidose heute bei etwa 35 bis 40 Jahren. Manche Erkrankte werden aber auch älter. Während noch 1980 nur etwa einer von 100 Mukoviszidose-Patienten volljährig wurde, wird inzwischen gut jeder zweite Erkrankte älter als 18 Jahre. Kinder, die heutzutage mit Mukoviszidose geboren werden, erreichen wahrscheinlich mindestens das 50. Lebensjahr – möglicherweise sogar das Rentenalter.

Mukoviszidose (zystische Fibrose): Vorbeugen

Bei Mukoviszidose (zystische Fibrose) handelt es  sich um eine Erbkrankheit. Bislang gibt es keine Möglichkeit, wie man ihr gezielt vorbeugen könnte.

Familien, in denen es bereits Fälle von Mukoviszidose gab, können sich bei genetischen Beratungsstellen über das Erkrankungsrisiko ihrer Kinder informieren und beraten lassen. Mithilfe von vorgeburtlichen Diagnosemöglichkeiten (Pränataldiagnostik) sowie dem inzwischen eingeführten Neugeborenen-Screening kann der Arzt eine Mukoviszidose frühzeitig erkennen und behandeln.

Mukoviszidose (zystische Fibrose): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Mukoviszidose (cystische Fibrose)":

Onmeda-Lesetipps:

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Mukoviszidose e.V. – Bundesverband Cystische Fibrose (CF)
In den Dauen 6
53117 Bonn
0228 - 987 800
info@muko.info
http://muko.info

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen von Mukoviszidose e.V.: www.muko.info (Abrufdatum: 3.8.2017)

Online-Informationen des Lungeninformationsdienstes: www.lungeninformationsdienst.de (Abrufdatum: 3.8.2017)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 3.8.2017)

Pressemitteilung des Gemeinsamen Bundesausschusses: Ernährungstherapie für Patienten mit seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankungen und Mukoviszidose künftig verordnungsfähig (16.3.2017)

Pressemitteilung des Gemeinsamen Bundesauschusses: Neue Kinder-Richtlinie tritt am 1. September 2016 in Kraft (23.8.2016)

Pressemitteilung des Mukoviszidose e.V.: Fortschritt in der Früherkennung: Neugeborenen-Screening auf Mukoviszidose startet (18.8.2016)

Pressemitteilung des Gemeinsamen Bundesauschusses: Screening auf Mukoviszidose für Neugeborene beschlossen (20.8.2015)

Müller, M., et al.: Chirurgie für Studium und Praxis. 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste. Breisach, 2014

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ): Diagnose der Mukoviszidose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 026/023 (Stand: 30.6.2013)

Nährlich, L., Zimmer, K.-P.: Neugeborenen-Screening auf Mukoviszidose. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 110, Heft 20, S. 354 - 355 (17.5.2013)

Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE): Mukoviszidose (Cystische Fibrose): Ernährung und exokrine Pankreasinsuffizienz. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 068/020 (Stand: 19.5.2011)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik e.V. und des Berufsverbands Deutscher Humangenetiker e.V.: Molekulargenetische Diagnostik der Cystischen Fibrose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 078/005 (Stand: Februar 2009)

Niessen, K.-H.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2007

Aktualisiert am: 4. August 2017

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