Morbus Hodgkin (Hodgkin-Lymphom): Diagnose

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (29. Februar 2016)

Symptome wie zum Beispiel geschwollene Lymphknoten können auf Morbus Hodgkin (Hodgkin-Lymphom) hinweisen; sie reichen jedoch allein nicht aus, um eine Diagnose zu stellen.

Der Arzt wird seinem Patienten zunächst einige Fragen stellen. So wird er beispielsweise wissen wollen,

  • welche Beschwerden der Patient hat,
  • seit wann diese Beschwerden bestehen und
  • welche Vorerkrankungen vorliegen.

Anschließend führt der Arzt eine gründliche körperliche Untersuchung durch. Dabei achtet er unter anderem darauf, ob Lymphknoten oder Organe wie Leber und Milz geschwollen sind.

Gewebeprobe und Blutuntersuchung

Für eine endgültige Diagnose ist es nötig, dass der Arzt eine Gewebeprobe aus einem vergrößerten Lymphknoten nimmt und untersucht (sog. Biopsie). Meist wird dafür ein größerer Lymphknoten in einem operativen Eingriff entfernt. In der Regel ist nur eine örtliche Betäubung notwendig.

Anhand der Gewebeprobe kann man ermitteln, ob überhaupt Krebs vorliegt und wenn ja, ob es sich dabei tatsächlich um Morbus Hodgkin handelt. Zudem kann der Arzt bei einem Morbus Hodgkin mithilfe der Gewebeprobe genauer herausfinden, um welchen Krebstyp es sich handelt (sog. feingewebliche Untersuchung).

Gelingt es, in der Gewebeprobe die für Morbus Hodgkin typischen Hodgkin-Zellen und Reed-Sternberg-Riesenzellen nachzuweisen, gilt die Krebserkrankung als diagnostiziert.

Eine Blutuntersuchung gibt dem Arzt Auskunft über die körperliche Verfassung des Patienten; zudem können mithilfe der Laborwerte andere Erkrankungen, die vergrößerte Lymphknoten hervorrufen, ausgeschlossen werden.

Stadieneinteilung

Wenn feststeht, dass tatsächlich Morbus Hodgkin vorliegt, ist es wichtig, dass der Arzt ermittelt, in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet. Je weiter sich das Hodgkin-Lymphom im Körper ausgebreitet hat, desto höher auch das Stadium.

Stadieneinteilung bei Morbus Hodgkin

Stadium Beschreibung
I Eine einzelne Lymphknotenregion oder eine einzelne nicht-lymphatische Region ist befallen.
II Mindestens zwei Lymphknotenregionen auf der gleichen Zwerchfellseite oder nicht-lymphatische-Regionen und Lymphknotenregionen auf der gleichen Zwerchfellseite sind befallen.
III Mindestens zwei Lymphknotenregionen oder Organe außerhalb des lymphatischen Systems sind auf beiden Zwerchfellseiten befallen.
IV Organe außerhalb des lymphatischen Systems sind ausgedehnt befallen (mit oder ohne Lymphknoten).

Zudem erhält jedes Stadium den Zusatz "A" oder "B". Der Zusatz "B" weist darauf hin, dass der Erkrankte unter allgemeinen Beschwerden wie Fieber, Gewichtsverlust oder Nachtschweiß leidet. "A" hingegen bedeutet, dass diese Symptome fehlen.

Ist ein Hodgkin-Lymphom in ein anderes Gewebe hineingewachsen – zum Beispiel in die Lunge – vergibt der Arzt außerdem den Zusatz "E": "E" steht dabei für extranodal und bedeutet, dass sich die Erkrankung außerhalb der Lymphknoten ausbreitet (lat. extra = außerhalb, nodus = Knoten).

Um festzustellen, welches Stadium vorliegt, kommen verschiedene Diagnosemethoden zum Einsatz, so etwa:

  • Eine gründliche körperliche Untersuchung: Um bei der Diagnose die Größe von Lymphknoten, Leber und Milz zu bestimmen, tastet der Arzt diese ab. Da sich auch im Rachen lymphatisches Gewebe befindet, ist es beim Hodgkin-Lymphom wichtig, diesen ebenfalls zu untersuchen.
  • Ein Blutbild: Im Blut kann man die Standardparameter bestimmen sowie Leberwerte und Nierenwerte überprüfen. Außerdem ist es möglich, nach eventuell vorhandenen Viren oder anderen Erregern zu suchen.
  • Bildgebende Verfahren: In erster Linie besteht die bildgebende Diagnostik beim Hodgkin-Lymphom darin, alle Lymphknotenregionen vom Hals über den Brustkorb bis zum Becken mit Ultraschall darzustellen. Zusätzlich kommen eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs und eine Computertomographie (CT) zum Einsatz. Um Hals, Bauch, Becken und Brustbereich zu untersuchen, kann statt der CT auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) erfolgen. Wenn der Arzt vermutet, dass Knochen von dem Krebs befallen sein könnten, wird er eine Knochenszintigrafie veranlassen.
  • Knochenmarkpunktion: Vor allen in fortgeschrittenen Stadien ist es zusätzlich ratsam, das Knochenmark zu untersuchen (mithilfe einer Stanzbiopsie).
  • Bauchspiegelung (Laparoskopie): Seltener kann es nötig sein, dass der Bauch mithilfe eines Endoskops untersucht wird.

Bemessung des Therapierisikos

Zur Behandlung von Morbus Hodgkin kommen meist eine Strahlentherapie (Radiotherapie) und eine Chemotherapie zum Einsatz.

Beide Therapiemethoden sind Risiken für bestimmte Organe verbunden. So können beispielsweise Schäden an Herz, Lunge, Knochenmark und Hoden beziehungsweise Eierstöcken die Folge sein. Um das Risiko späterer Komplikationen abschätzen zu können, ist es daher ratsam, wenn der Arzt die Funktionen dieser Organe vor Therapiebeginn untersucht und dokumentiert.


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