Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans): Mögliche Ursachen

Veröffentlicht von: Till von Bracht (07. September 2016)

Bei Morbus Bechterew handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung – die typische chronische Entzündung (vor allem an der Wirbelsäule) entsteht, weil sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen den eigenen Organismus richtet. Verantwortlich hierfür sind Erbanlagen und Umwelteinflüsse beziehungsweise ein zwischen ihnen gestörtes Wechselspiel.

Die chronische Entzündung, die bei Morbus Bechterew aus ungeklärten Ursachen vor allem die Wirbelsäule betrifft, führt zu einer allmählichen Verknöcherung der Weichteile zwischen den Wirbelkörpern. Die Folge: Nach und nach versteift die Wirbelsäule und die Beweglichkeit nimmt ab.

Etwa 95 Prozent der Menschen mit Morbus Bechterew haben ein bestimmtes Erbmerkmal namens HLA-B27. Dieses Erbmerkmal kommt zwar auch bei etwa 7 bis 8 Prozent der gesunden Bevölkerung vor – sein gehäuftes Vorkommen bei Menschen mit Morbus Bechterew weist allerdings darauf hin, dass die Krankheit zumindest teilweise auch vererbt wird.

Das heißt: Der Erbfaktor HLA-B27 begünstigt den Morbus Bechterew – entweder direkt oder über andere (noch unbekannte) Erbfaktoren, die ebenfalls als Ursachen für die Krankheit in Betracht kommen.

Wissenswert: Was ist eigentlich HLA-B27?

HLA-B27 gehört zu einer bestimmten Gruppe von Teilchen (Molekülen), die eine wichtige Rolle bei der Infektionsabwehr und der Unterscheidung des Immunsystems zwischen "fremd" und "eigen" spielen. Ähnlich wie die Blutgruppen bleiben sie ein Leben lang gleich, sind aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Das HLA-B27-Molekül hat eine dreidimensionale Form, in der es bestimmte Bakterien, vor allem die Erreger von Durchfall und Harnröhrenentzündungen (z.B. Yersinien, Salmonellen, Chlamydien) einschließt und sie damit für bestimmte Abwehrzellen des Immunsystems (die T-Lymphozyten) erkennbar macht. Die Abwehrzellen können die eingeschlossenen Bakterienbestandteile jedoch nicht wirksam beseitigen, sodass eine chronische Entzündung entsteht. Dies kann der Auslöser für Morbus Bechterew sein:

Tatsächlich fanden sich bei Menschen mit Spondylitis ankylosans und anderen verwandten Erkrankungen solche durch HLA-B27 aktivierte Abwehrzellen (sog. zytotoxische T-Lymphozyten), die chronische Entzündungen verursachen können.

Auch die Darmflora könnte ein Rolle spielen

Da Morbus Bechterew seine Ursachen nicht allein im Erbmerkmal HLA-B27 haben kann, muss die fehlerhafte Immunreaktion weitere Ursachen haben. Eine Rolle scheinen die ganz normalen Keime der Darmflora zu spielen: So sind Mäuse, die durch gentechnische Methoden ein menschliches HLA-B27-Gen tragen (sog. transgene Mäuse) fast völlig gesund, solange sie in einer keimfreien Umgebung aufwachsen. Setzt man diese Mäuse jedoch den üblichen Umgebungskeimen aus und bilden sie somit die normale Darmflora aus, entwickeln sie Morbus Bechterew mit allen zugehörigen typischen Symptomen.

Demnach kann das Erbmerkmal HLA-B27 dazu führen, dass sich das Immunsystem mit den ganz normalen Keimen der Darmflora auf eine Weise auseinandersetzt, die zu der für Morbus Bechterew typischen chronischen Entzündung führt.


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