Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans): Diagnose beim Arzt

Veröffentlicht von: Till von Bracht (07. September 2016)

Bei Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) ist der erste Anhaltspunkt für die Diagnose ein entzündlicher Kreuzschmerz, der typisch für die entzündlich-rheumatische Erkrankung ist. Zusätzliche Symptome, wie beispielsweise Entzündungen der vorderen Augenkammer und der Regenbogenhaut, unterstützen den Verdacht auf Morbus Bechterew.

Zur genauen Diagnostik ist es vor allem wichtig, eine Entzündung der Iliosakralgelenke zwischen Kreuzbein und Becken (eine sog. Sakroiliitis) nachzuweisen. Dazu testet der Arzt das sogenannte Mennell-Zeichen. Bei diesem Test hält er das Kreuzbein mit der Handfläche fest und bewegt das Becken durch Überstreckung gegenüber dem Kreuzbein im Iliosakralgelenk. Wenn die Bewegung im Ilioasakralgelenk schmerzhaft ist, ist das Mennell-Zeichen positiv – dies deutet auf einen Morbus Bechterew hin.

Spät auftretende Anzeichen für die Spondylitis ankylosans sind eine Einsteifung der Wirbelsäule oder sogar die Verkrümmung nach vorne. Dies muss aber nicht unbedingt auf einen Morbus Bechterew hinweisen: Eine steife oder krumme Wirbelsäule kann auch bei anderen Wirbelsäulenerkrankungen vorkommen, weshalb diese bei der Morbus-Bechterew-Diagnose auszuschließen sind.

Diagnose bei Morbus Bechterew: Der Arzt hält das Kreuzbein mit der Handfläche fest und bewegt das Becken durch Überstreckung gegenüber dem Kreuzbein im Iliosakralgelenk.

Diagnose bei Morbus Bechterew: Der Arzt hält das Kreuzbein mit der Handfläche fest und bewegt das Becken durch Überstreckung gegenüber dem Kreuzbein im Iliosakralgelenk. Hat der Patient dabei Schmerzen, deutet dies auf eine Entzündung im Iliosakralgelenk hin.



Röntgenuntersuchung

Röntgenuntersuchungen bieten sich zur Diagnose des Morbus Bechterew an, da die entzündlich-rheumatischen Erkrankung fast immer in der Verbindung zwischen Kreuzbein und Becken (d.h. im Iliosakralgelenk) beginnt: Im Röntgenbild sind die mit Morbus Bechterew einhergehenden Gelenkveränderungen zu erkennen.

Typisch ist das sogenannte "bunte Bild", das einen unscharfen Gelenkumriss, perlschnurartig angeordnete Knochenschäden und gelenknahe Knochenverdichtungen (Sklerosierung) zeigt. Im späteren Stadium von Morbus Bechterew ist eine knöcherne Überbrückung des Gelenks zu erkennen (sog. Ankylosierung). Diese Veränderungen des Iliosakralgelenks können aber auch bei anderen entzündlich-rheumatische Wirbelsäulenerkrankungen vorkommen.

Bei einem vollständig ausgeprägten Morbus Bechterew zeigt die Röntgenuntersuchung typischerweise, dass die gesamte Wirbelsäule beteiligt ist: Die Wirbelkörper verformen sich kastenartig (sog. Kastenwirbel) und es bilden sich knöcherne Spangen zwischen den Wirbelkörpern (sog. Syndesmophyten). Im fortgeschrittenen Stadium liegt dann eine sogenannte Bambusstabwirbelsäule vor. Häufig entzünden sich zusätzlich die Wirbelkörper und die Bandscheiben.

Für die Morbus-Bechterew-Diagnose ist auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) hilfreich. Ein Vorteil der MRT gegenüber der Röntgenuntersuchung besteht darin, dass sie keine Strahlenbelastung bedeutet. Vor allem aber ist die MRT dazu geeignet, eine Entzündung der Iliosakralgelenke nachzuweisen, da sie auch Weichteilveränderungen infolge einer Entzündung sichtbar machen kann. Im Röntgenbild ist dagegen erst etwas zu sehen, wenn es zu knöchernen Veränderungen am Gelenk kommt. Dies ist meist erst dann der Fall, wenn eine Entzündung über mehrere Jahre besteht.

Laboruntersuchungen

Neben der genannten körperlichen Untersuchung und der Röntgenuntersuchung (bzw. MRT) tragen auch verschiedene Laboruntersuchungen zu Diagnose des Morbus Bechterew bei. So sind bei Menschen mit Morbus Bechterew meist die Werte für die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und für C-reaktives Protein (CRP) im Blut erhöht: Beides sind typische Anzeichen einer Entzündung.

Fehlen diese Entzündungszeichen, ist das aber noch kein Beweis dafür, dass kein Morbus Bechterew vorliegt: Die Werte sind gerade bei eher milden Krankheitsformen oft nur sehr gering oder auch gar nicht erhöht.

Darüber hinaus können zur Morbus-Bechterew-Diagnose Laboruntersuchungen zum Einsatz kommen, um ein bestimmtes Erbmerkmal namens HLA-B27 nachzuweisen: Etwa 95 Prozent der Menschen mit Morbus Bechterew haben dieses Merkmal.

Ist das Erbmerkmal vorhanden, unterstützt dies die Morbus-Bechterew-Diagnose jedoch nur dann, wenn gleichzeitig andere deutliche Symptome einer Spondylitis ankylosans vorliegen, denn: HLA-B27 ist auch bei 7 bis 8 Prozent der gesunden Bevölkerung zu finden. Dieses Erbmerkmal alleine bedeutet also nicht, dass seine Träger zwingend an Morbus Bechterew erkrankt sind. 


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