Milcheiweiß­allergie (Kuhmilchallergie) bei Babys und Kindern: Therapie

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (12. Januar 2016)

Eine Milcheiweißallergie (Kuhmilchallergie) lässt sich nicht heilen, man kann lediglich die Beschwerden lindern beziehungsweise Symptome vermeiden, indem man die auslösenden Stoffe (Allergene) meidet. Das geschieht in der Regel über eine gezielte Diät, die besonders bei Kindern von einem speziell ausgebildeten Diätassistenten begleitet werden sollte.

Außerdem ist eine solche Ernährungsumstellung bei Kindern immer auf 6-18 Monate begrenzt. Nach dieser Zeit müssen die Beschwerden erneut überprüft werden, da Kinder häufig mit der Zeit eine Toleranz gegen die Allergene entwickeln und eine Diät dann überflüssig ist – oft klingt eine Kuhmilchallergie bis zum Schulalter ganz ab.

Im Rahmen der Ernährungsumstellung muss auf Milcheiweiße verzichtet werden. Das ist insofern problematisch, als dass der Calcium- und Eiweißbedarf bei Kindern vorwiegend über Milch und Milchprodukte gedeckt wird und bei einer Allergie eine Alternative gefunden werden muss. Solange der Säugling lediglich Milchnahrung bekommt, wird der Calciumbedarf über das Stillenoder die Flaschennahrung gedeckt. Später muss das Kind lernen, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten und andere gezielt zu sich zu nehmen, um eine ausgeglichene Ernährung zu gewährleisten. Die Nahrung muss außerdem häufig um Vitamine und Nährstoffe angereichert werden.

Spezielle Ersatznahrung für Babys und Kinder mit Kuhmilchallergie versorgt diese mit allen Nährstoffen, die das Kind ansonsten über die Milch aufnehmen würde.

Stillen

Säuglinge sollten mindestens in den ersten vier Monaten ausschließlich Milchnahrung bekommen. Die ideale Ernährung für Säuglinge ist Muttermilch: Neben der nötigen Flüssigkeit und der optimalen Nährstoffzusammensetzung enthält sie auch Antikörper, die als Schutz vor Infektionen dienen. Gestillte Kinder entwickeln außerdem seltener eine Allergie als ungestillte. In seltenen Fällen kann sich das Kind aber auch über in der Muttermilch enthaltene Allergene aus der mütterlichen Ernährung sensibilisieren und allergische Symptome, zum Beispiel gegen Kuhmilch, entwickeln.

Flaschennahrung

In seltenen Fällen kann eine Allergie über die Muttermilch auf das Kind übertragen werden. Wenn Sie aus diesem oder einem anderen Grund nicht stillen möchten oder können, steht Ihnen sogenannte hydrolysierte Säuglingsnahrung zur Verfügung. Die Milcheiweiße werden hier in einem speziellen Verfahren teilweise aufgespalten, um so ihre allergene Wirkung zu verringern:

  • partiell hydrolysierte Säuglingsersatznahrung (HA-Nahrung): Hier sind die Milchproteine nur teilweise aufgespalten. Diese Nahrung ist immer mit dem Zusatz "HA" versehen und ausreichend, wenn man einer Allergie vorbeugen möchte, auch bei allergiegefährdeten Kindern. Diese Nahrung ist aber ungeeignet, wenn schon eine Allergie besteht.
  • extensiv hydrolysierte Ersatznahrung (Hydrolysatnahrung = ehF): Die Milchproteine sind hier stärker aufgespalten als bei HA-Nahrung. Hydrolysatnahrung ist sinnvoll für Säuglinge, die bereits Symptome einer Milcheiweißallergie zeigen und nicht gestillt werden. Auf die Restallergene kann das Kind in seltenen Fällen aber auch allergisch regieren.

Aminosäurenformula: Diese Nahrung ist für Kinder mit Milcheiweißallergie oder multiplen Nahrunsmittelallergien geeignet. Hier werden als Eiweißquelle die non-allergenen Aminosäuren verwendet, also die kleinsten Eiweißbausteine. Aminosäurenformula sind völlig frei von Kuhmilch und daher bei Allergien besonders sicher.

Nicht-gestillte Kinder, die keine allergischen Symptome zeigen und nicht allergiegefährdet sind, erhalten in der Regel sogenannte Formula-Nahrung. Hierbei handelt es sich um künstlich hergestellte Säuglingsnahrung auf Kuhmilchbasis, deren Milcheiweiße nicht aufgespalten wurden.

Sojaersatznahrung ist nicht geeignet, da es hier sowohl gesundheitliche Bedenken gibt und ein vorbeugender Effekt nicht nachgewiesen werden konnte.

Ernährung von Kleinkindern

Kuhmilch enthält neben den Milcheiweißen wichtige Nährstoffe wie Calcium, Vitamin B2 und Jod. Der tägliche Bedarf an Vitamin B2 und Jod kann über andere Nahrungsmittel problemlos gedeckt werden, bei Calcium ist das hingegen kaum möglich. Milch ist außerdem ein wichtiger Eiweißlieferant für Kinder.

Wichtig in der Ernährung von Kleinkindern mit Milcheiweißallergie ist es außerdem, allergene Produkte zu erkennen. Auf Lebensmittelverpackungen weisen folgende Begriffe auf Milcheiweiße hin:

  • Milch
  • Rahm
  • Joghurt
  • Dickmilch
  • Kefir
  • Quark
  • Käse
  • Kondensmilch
  • Buttermilch
  • saure Sahne
  • Sahne
  • Butter
  • (Lakt-) Albumin
  • Kasein
  • Kaseinat
  • Laktoglobulin
  • Laktose

Calcium

Es ist besonders wichtig, dass Kinder mit Kuhmilchallergie ausreichend Calcium zu sich nehmen. Anders als Säuglinge und Kleinkinder können Kinder und Erwachsene mit Calcium angereicherte Sojaprodukte zu sich nehmen. Hilfreich ist auch calciumhaltiges Mineralwasser. Milch anderer Tiere, wie Ziegen- oder Schafsmilch, ist nur in wenigen Fällen geeignet, da sie ebenfalls allergische Reaktionen hervorrufen kann. Auch nach dem ersten Lebensjahr sollten Kinder mit Milcheiweißallergie Milchersatznahrung, die es entsprechend für verschiedene Altersstufen gibt, erhalten, um den Calciumbedarf zu decken.

Da der Körper unter Anwesenheit von Vitamin D besser Calcium verwerten kann, sind auch ausreichende Sonneneinstrahlung (viel Bewegung an der frischen Luft) und häufig Fisch auf dem Speiseplan wichtig.

Besonders viel Calcium ist außerdem in Brokkoli, Grünkohl, Fenchel, Hülsenfrüchten und Gartenkräutern enthalten. Leider reichen diese Quellen jedoch nicht aus, um das Calcium aus Milchprodukten zu ersetzen.

Kokosmilch, Sojamilch, Reismilch und andere können als Flüssigkeitsersatz beim Kochen und Backen dienen, decken aber nicht den Nährstoffbedarf ab und sind daher keine Alternative für Kuhmilch.


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