Milcheiweiß­allergie (Kuhmilchallergie) bei Babys und Kindern: Definition

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (12. Januar 2016)

Eine Milcheiweißallergie oder Kuhmilchallergie ist per Definition eine Allergie gegen bestimmte Eiweiße (Proteine) in Kuhmilch. Es gibt auch andere Milchallergien, jedoch ist die Kuhmilchallergie die häufigste.

In Kuhmilch kommen verschiedene Eiweiße vor, die allergische Reaktionen hervorrufen können:

  • Kasein
  • β-Laktoglobulin
  • α-Laktoglobulin
  • Rinder-Serumalbumine
  • Laktoferrin
  • Immunglobuline

Die meisten Kuhmilchallergien beruhen auf einer Allergie gegen Kasein und β-Laktoglobulin, seltener auf die restlichen Proteine. Häufig reagiert der Betroffene allergisch auf mehrere Milchallergene, meistens in der Kombination Kasein, β-Laktoglobulin und α-Laktoglobulin.

Video: Allergie – wenn die Abwehr überreagiert

Die Milcheiweißallergie kann zum einen eine Allergie vom Typ I sein. Das heißt, das Baby oder Kind zeigt gewöhnlich nach Kontakt zum Allergen innerhalb von Minuten erste Symptome (Sofortreaktion). Bei Kindern mit Milcheiweißallergie ist diese jedoch zu etwa 50 Prozent eine Allergie vom Typ IV: Hier zeigt sich erst nach wenigen Stunden bis Tagen eine Reaktion (Spätreaktion).

Typ-I-Allergien sind durch sogenannte IgE-Antikörper (Immunglobulin E) vermittelte allergische Reaktionen. Bei Kontakt mit dem Allergen bildet der Körper spezifische IgE-Antikörper, die sich an bestimmte Zellen des Immunsystems binden. Daraufhin werden Entzündungsbotenstoffe freigesetzt. Es entstehen akute Entzündungsreaktionen, die sich in den typischen Symptomen der Allergie äußern.

Allergien vom Typ IV (T-Zell-vermittelter, verzögerter Typ; Spättyp) nehmen unter den allergischen Reaktionen eine Sonderstellung ein. Anders als bei anderen Allergieformen wird dieser Typ nicht durch Antikörper vermittelt und ist daher nicht im Blut nachweisbar.

Häufigkeit

Von 50 Säuglingen entwickelt etwa einer im ersten Lebensjahr eine allergische Reaktion auf Kuhmilch, wenn er frühen Kontakt dazu hatte.

Bei acht von zehn betroffenen Kindern verschwindet die Kuhmilchallergie spontan bis spätestens zum Schulalter..

Sieben bis neun von zehn Kindern reagieren außerdem allergisch auf Ziegenmilch, daher stellt diese keine Alternative in der Ernährung eines Kuhmilchallergikers dar.

Besonders junge Kuhmilchallergiker, die auf β-Laktoglobulin reagieren, entwickeln häufiger eine Persistenz, das heißt die Kuhmilchallergie bleibt bestehen und klingt nicht ab.

  • Erwachsene haben häufiger eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) als eine Kuhmlichallergie (Milcheiweißallergie).
  • Babys und Kinder hingegen haben häufiger eine Kuhmilchallergie als eine Laktoseintolleranz.

Allerdings lassen sich die beiden Erkrankungen oft nur schwer voneinander abgrenzen.

Ursachen

Es gibt viele mögliche Auslöser für eine Milcheiweißallergie (Kuhmilchallergie) – einige davon sind bisher noch unbekannt. Sicher ist jedoch, dass zu früher Kontakt zu Milch und zu frühe Beikost bei allergiegefährdeten Kindern eine Milcheiweißallergie auslösen kann.

Sowohl das Immunsystem als auch der Magen-Darm-Trakt von Säuglingen sind noch nicht vollständig ausgereift. Daher besteht kein 100-prozentiger Schutz vor Allergenen, also den Stoffen, die Allergien auslösen können. Säuglinge sind also besonders gefährdet, je jünger sie sind – das gilt besonders für Kinder, die ein erhöhtes Allergierisiko haben, etwa weil ein Elternteil an Allergien leidet.

Seltener kann die Allergie durch die Ernährung der Mutter beim Stillen über die Muttermilch ausgelöst werden. In der Regel gilt Stillen im Säuglingsalter als die beste Vorsorge gegen Allergien.

Milch ist versteckt in vielen Produkten enthalten, beispielsweise als Bindemittel für Soßen. Schon kleinste Mengen an Milchbestandteilen können bei Kuhmilchallergikern eine allergische Reaktion hervorrufen.


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