Metabolisches Syndrom: Definition

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (03. März 2015)

Für den Begriff metabolisches Syndrom gibt es nicht nur eine Definition. Vielmehr existieren unterschiedliche Ansichten, welche Kriterien eine Person erfüllen muss, um von einem metabolischen Syndrom sprechen zu können. Schon in den 1920er-Jahren beschrieben Ärzte eine Ansammlung von Risikofaktoren für das Herz-Kreislauf-System mit einem ähnlichen Begriff.

Bei einem metabolischen Syndrom liegen mehrere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes vor. Um ein metabolisches Syndrom festzustellen, zieht der jeweilige Arzt die Definition heran, die seiner Ansicht nach am besten geeignet ist. Im Kern geht es in allen Bestimmungen darum, ob und in welcher Konstellation folgende Merkmale bei einer Person vorhanden sind:

Im Einzelnen unterscheiden sich die Kriterien nur in Details, etwa im geforderten Bauchumfang oder den exakten Grenzwerten für die Fettkonzentration im Blut oder die Blutdruckwerte. Ob ein metabolisches Syndrom nach einer dieser Definitionen besteht, richtet sich danach, wie viele Kriterien erfüllt sein müssen und ob ein bestimmtes Kriterium zwingend vorhanden sein muss ("Pflichtkriterium").

Als metabolisches Syndrom bezeichnet die hierzulande bevorzugt angewendete Definition der International Diabetes Federation (IDF, 2005) folgendes Zusammentreffen von Merkmalen:

  • Pflichtkriterium: bauchbetonte Fettleibigkeit (Adipositas) mit einem Taillenumfang von > 80 cm bei Frauen und > 94 cm bei Männern
  • plus mindestens zwei der folgenden Kriterien:
    • erniedrigtes "gutes" Cholesterin (HDL): kleiner als 50 mg / dl bei Frauen, kleiner als 40 mg /dl bei Männern oder Behandlung dieser Störung des Fettstoffwechsels
    • erhöhte Triglyceride: > 150 mg / dl oder Behandlung dieser Störung des Fettstoffwechsels
    • Blutdruck  ? 130 / 85 mmHg oder ein bereits mit Medikamenten behandelter Bluthochdruck (? 140 / 90 mmHg)
    • erhöhte Nüchternblutglukose (> 100 mg / dl, 5.6 mmol/l) oder Typ-2-Diabetes oder eine vorausgegangene Behandlung einer dieser Störungen

Weitere Organisationen fordern für ein metabolisches Syndrom in ihrer jeweiligen Definition leicht abweichende Parameter oder Werte, so zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation (WHO):

  • als Pflichtkriterium Diabetes, zu hohen Nüchternblutzucker oder eine gestörte Glukosetoleranz und / oder Insulinresistenz
  • Fettleibigkeit (Adipositas, BMI ? 30 kg / m2) oder Taille-Hüft-Verhältnis (waist-to-hip-ratio, WHR) > 0,85 bei Frauen und > 0,90 bei Männern
  • Eiweißausscheidung im Urin (sog. Mikroalbuminurie) als mögliches Zusatzkriterium

Der Body-Mass-Index (BMI) ergibt sich aus dem Quotienten aus dem Körpergewicht in Kilogramm und der Körpergröße in Metern zum Quadrat (Beispiel für eine 70 kg schwere, 1,77 m große Person: 70 / (1,77 x 1,77). Ab einem BMI von 25 kg / m2 besteht definitionsgemäß Übergewicht – ab einem BMI von 30 kg / m2 eine krankhafte Fettsucht (Adipositas).

Häufigkeit

Die unterschiedlichen Definitionen des metabolischen Syndroms erschweren es, die exakte Häufigkeit zu ermitteln. Je nachdem, welche Definition angesetzt wird, erfüllt eine Person bereits die Kriterien für ein metabolisches Syndrom oder auch nicht. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter – vor allem Personen über 60 Jahre sind betroffen. Etwa jeder fünfte Erwachsene in Deutschland hat ein metabolisches Syndrom, weltweit sogar jeder Vierte.


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