Anzeige

Anzeige

Mandelentzündung (Tonsillitis)

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (03. August 2017)

© iStock

Der Hals und das Schlucken schmerzen, die Lymphknoten am Hals sind geschwollen, die Mandeln mit weiß-gelben Pünktchen bedeckt und eventuell steigt die Körpertemperatur: Das sind typische Symptome einer akuten Mandelentzündung (Tonsillitis acuta oder Angina tonsillaris).

Eine Mandelentzündung kann in jedem Alter auftreten, Kinder und junge Erwachsene sind aber am häufigsten betroffen.

Was ist eine Mandelentzündung?

Die akute Mandelentzündung (Tonsillitis acuta, Angina tonsillaris) ist eine meist eitrige Infektion der Gaumenmandeln.  Von der akuten lässt sich die chronische Mandelentzündung abgrenzen, die oft kaum Beschwerden verursacht.

Mandelentzündung (Tonsillitis): Symptome

Je nachdem, ob die Mandelentzündung akut oder chronisch verläuft, unterscheiden sich auch die Symptome.

Die akute Mandelentzündung (Tonsillitis acuta) äußert sich meist durch zunehmende Schmerzen im oberen Halsbereich. Sowohl beim Schlucken als auch beim Öffnen des Mundes, zum Beispiel beim Gähnen, können die Schmerzen bis zu den Ohren hin ausstrahlen. Hinzu kommen oft allgemeine Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und plötzliches hohes Fieber.

In vielen Fällen ist der Speichelfluss vermehrt und die Stimme klingt belegt. Die Mandeln sind gerötet, geschwollen und häufig eitrig belegt.

Die chronische Mandelentzündung (Tonsillitis chronica) verursacht selten akute Symptome. Manchmal treten leichte Schluckbeschwerden oder ein unangenehmer Geschmack und Mundgeruch auf. Zusätzlich kann sich eine chronische Mandelentzündung durch Symptome wie etwa eine verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit äußern. Die Halslymphknoten können dauerhaft geschwollen sein, ohne jedoch Schmerzen zu verursachen.

Häufig wird eine chronische Mandelentzündung von wiederholten akuten Mandelentzündungen begleitet.

Ein menschlicher Gaumen, der eitrig und gerötet ist. © Okapia

Typisch: Gerötete, geschwollene Gaumenmandeln sowie Eiterbeläge (© Dr. med. J. P. Müller/OKAPIA)

Eine Mandelentzündung kann Folgekrankheiten auslösen. So können Bakterien von den Mandeln ausgehend andere Organe besiedeln oder alarmierte Abwehrzellen beginnen, fälschlicherweise körpereigenes Gewebe anzugreifen, was wiederum zu Entzündungen in anderen Organen führt. (Seltene) Folgekrankheiten können beispielsweise sein:

Mandelentzündung (Tonsillitis): Behandlung

Wie eine Mandelentzündung behandelt wird, hängt davon ab,

  • um welche Form der Tonsillitis es sich handelt,
  • wie schwer die Beschwerden sind und
  • wie die Entzündung verläuft.

Hausmittel bei akuter Mandelentzündung

  • Entzündungshemmende und desinfizierende Gurgellösungen mit Salbei oder Kamille können die Beschwerden lindern und den Heilungsprozess unterstützen.
  • Wadenwickel haben bewährt, um Fieber zu senken.
  • Schmerzstillende Lutschtabletten können kurzzeitig Schluckbeschwerden lindern.
  • Warme Halswickel können Ihnen darüber hinaus gut tun.

Achten Sie außerdem auf Folgendes:

  • Essen Sie nur weiche und wenig gewürzte Nahrung.
  • Kalte Getränke oder Eis lindern die Schluckbeschwerden.
  • Trinken Sie möglichst viel und verzichten Sie dabei auf Fruchtsäfte, da ihre Säuren die entzündeten Mandeln zusätzlich reizen.

Da Rauchen die Symptome einer Mandelentzündung verschlechtert, sollten Sie hierauf verzichten. Es dauert etwa ein bis zwei Wochen, bis eine akute Mandelentzündung vollständig ausgeheilt ist.

Medikamente bei aktuer Mandelentzündung

Im Falle einer akuten Mandelentzündung werden zur Behandlung zunächst schmerz- und fiebersenkende Medikamente eingesetzt, die als Wirkstoff zum Beispiel Paracetamol oder Ibuprofen enthalten.

Sind Antibiotika nötig?

Bei akuter oder gehäuft auftretender bakterieller Mandelentzündung verschreibt der Arzt ein Antibiotikum, in der Regel Penicillin. Das Antibiotikum beschleunigt den Heilungsverlauf, kann aber nicht immer verhindern, dass sich die Beschwerden verschlimmern und sich eine eitrige Mandelentzündung zu einer Eiteransammlung (Abszess) weiterentwickelt. Dieser Fall kann auftreten, wenn die eitrige Mandelentzündung zu spät mit einer geeigneten Therapie behandelt wird oder das Antibiotikum gegen diese Art der Bakterien nicht wirkt. Eine rechtzeitige Antibiotika-Einnahme führt jedoch dazu, dass sich seltener Folgeerkrankungen etwa an Herz oder Nieren ausbilden.

Mandelentfernung (Tonsillektomie)

Im Falle einer chronischen Mandelentzündung (Tonsillitis chronica) besteht die erfolgversprechendste Therapie darin, die Mandeln operativ zu entfernen (sog. Tonsillektomie). So haben Betroffene nicht mehr mit andauernder Krankheit und weiteren Mandelentzündungen zu kämpfen. Wird die Ausgangsstelle der Infektion (sog. Infektionsherd) entfernt, kann dies das Risiko für Streptokokken-Folgeerkrankungen anderer Organe nach der Tonsillektomie stark senken.

Video Tonsillektomie: Wenn die Mandeln raus müssen

Mandelentzündung (Tonsillitis): Ursachen

Eine akute Mandelentzündung entsteht meist durch Infektionen mit bestimmten Bakterien oder Viren:

  • Unter den Bakterien sind es meist Streptokokken der Gruppe A (kurz: A-Streptokokken), die eine Angina tonsillaris auslösen (Streptokokken-Angina).
  • Seltener sind Pneumokokken, Staphylokokken oder Haemophilus influenzae bakterielle Ursache.

Ein geschwächter Allgemeinzustand oder eine Abwehrschwäche begünstigen eine Mandelentzündung.

Die Ursachen der chronischen Mandelentzündung liegen in einer dauerhaften Entzündung des Mandelgewebes, etwa weil sich immer wieder eine akute Mandelentzündung entwickelt. Bakterienprodukte und abgestorbene Zellen lagern sich in Schleimhautvertiefungen (Krypten) des Mandelgewebes ab und halten dieses so dauerhaft entzündet. Das Gewebe vernarbt und zerklüftet, wodurch die Mandelentzündung weiter voranschreitet.

Eine Mandelentzündung ist ansteckend, das heißt sie kann per Tröpfcheninfektion übertragen werden, wenn eine infizierte Person hustet oder niest oder auf andere Art Speichel ausgetauscht wird, etwa beim Küssen. Von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen (Inkubationszeit) dauert es meistens ein bis drei Tage.

Anatomie der Mandeln

Die Gaumenmandeln liegen am Übergang von der Mundhöhle zum Rachen zwischen dem vorderen und hinteren Gaumenbogen. Sie sind, neben anderen Organen und Geweben des Körpers, dafür zuständig, das Immunsystem in den ersten Lebensjahren auszubilden. Der Körper lernt dabei, körperfremde und schädliche Stoffe (wie Viren und Bakterien) abzuwehren.

Die Mandeln (Tonsillen) werden vom ersten bis zum dritten Lebensjahr immer größer. Mit Beginn der Pubertät bilden sie sich allmählich wieder zurück. Danach üben die Mandeln keine entscheidende Funktion mehr aus.

Sind die Mandeln chronisch entzündet, bewirken sie bereits im Vorschulalter wenig für den Immunschutz. Im Gegenteil: Sie stellen dann einen idealen Nährboden für die Keimbesiedlung und chronische Infektion dar. Es ist dann sinnvoll, die Mandeln entfernen zu lassen.

Illustration: Anatomie der Mundhöhle.

Anatomie der Mundhöhle

Mandelentzündung (Tonsillitis): Diagnose

Aufgrund der typischen Symptome wird eine Mandelentzündung meist schnell erkannt. Gerötete und geschwollene Gaumenmandeln sowie Eiterbeläge auf deren Oberfläche (sog. Eiterstippchen) gelten als Kennzeichen für eine akute, eitrige Angina tonsillaris.

Wenn der Arzt den Hals abtastet, führt das oft zu Schmerzen im Bereich der geschwollenen Lymphknoten, die einen zusätzlichen Hinweis auf eine mögliche Mandelentzündung liefern. Gleichzeitig können die Gaumenbögen gerötet und die Zunge belegt sein.

Das Bild zeigt ein Mädchen, das untersucht wird. © Jupiterimages/Stockbyte

Ein Blick in den Mund kann den Verdacht auf eine Mandelentzündung bestätigen.

Die chronische Mandelentzündung zeichnet sich meist durch narbig veränderte Mandeln aus. Die Gaumenmandeln können dabei sowohl vergrößert als auch verkleinert sein. Bei Druck kann sich aus ihnen Eiter oder eine krümelige Masse (Zerfallsprodukte der Zellen, sog. Detritus) entleeren.

Erhärten lässt sich die Diagnose durch einen Rachenabstrich, über den der verantwortliche Erreger festgestellt werden kann.

Anzeige

Mandelentzündung (Tonsillitis): Verlauf

Unbehandelt können sich die Mandeln bei einer akuten Angina tonsillaris im Verlauf stark vergrößern und zu Atemnot führen. Besonders bei Kindern sollte man daher vorsichtig sein, denn deren Mandeln sind bereits im gesunden Zustand vergrößert und können angeschwollen den Hals blockieren.

Bei entsprechender Therapie heilt eine akute Mandelentzündung nach einer Dauer von etwa ein bis zwei Wochen folgenlos aus.

DIe chronische Mandelentzündung bleibt dagegen dauerhaft bestehen, wenn die Mandeln nicht operativ entfernt werden. Sie kann außerdem Folgeerkrankungen mit sich bringen, da der Körper permanent einer Infektion ausgesetzt ist. So kann eine durch Streptokokken bedingte Tonsillitis im Verlauf folgende Erkrankungen hervorrufen:

Abszess durch Mandelentzündung

Sowohl infolge einer akuten Mandelentzündung als auch infolge einer chronischen Mandelentzündung können sich im Verlauf Abszesse bilden. Dabei sammelt sich Eiter im umgebenen Gewebe an (Peritonsillar-Abszess). Anzeichen hierfür sind starke Schluckschmerzen bis zur Schluckunfähigkeit, der Mund lässt sich nur schwer und unter Schmerzen öffnen (sog. Kieferklemme) und der Gaumen ist  ungleichmäßig vorgewölbt. Die Mandeln sind so stark geschwollen, dass sie das Gaumenzäpfchen zur Gegenseite verdrängen.

Eine Gefahr besteht darin, dass die Keime in die Blutbahn gelangen und sich im ganzen Körper ausbreiten (Sepsis). Dies kann zu schweren Erkrankungen führen. Daher muss in den meisten Fällen kurzfristig operiert werden, wenn sich ein Abzess bildet.

Mandelentzündung (Tonsillitis): Vorbeugen

Einer Angina tonsillaris können Sie nur indirekt vorbeugen, indem Sie Ihr Immunsystem durch regelmäßigen Bewegung und eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung stärken.

Darüber hinaus sollten Sie Stoffe vermeiden, die die Schleimhäute reizen. Hierzu gehören unter anderem Zigarettenrauch, Staub und Alkohol. Dadurch können Sie auch bei einer bestehenden Mandelentzündung verhindern, dass sich die Beschwerden verschlimmern.

Mandelentzündung (Tonsillitis): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Mandelentzündung (Tonsillitis, Angina tonsillaris)":

Onmeda-Lesetipps:

Arzneimittelinformationen zu Mandelentzündung

Linktipps:

www.faktencheck-antibiotika.de
Der Faktencheck Gesundheit informiert Sie, wann und wie Sie Antibiotika bei Kindern sinnvoll einsetzen.

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 18.4.2017)

Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals- Nasen- Ohren- Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie: Antibiotikatherapie der Infektionen am Kopf und Hals. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/066 (Stand: 1.11.2008)

Boenninghaus, H.-G., Lenarz, T.: HNO. Springer Medizin, Heidelberg 2007

Stand: 3. August 2017

Anzeige

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst

Anzeige