Magersucht (Anorexie): Gesellschaftliche und familiäre Einflüsse

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (23. April 2015)

Magersucht (Anorexie) hat mehrere Ursachen – dazu gehören auch gesellschaftliche und familiäre Einflüsse. So ist zwar das Durchschnittsgewicht der Menschen in den westlichen Gesellschaften – bedingt durch relativen Wohlstand und ein Nahrungsüberangebot – angestiegen. Gleichzeitig hat sich das Schönheitsideal seit Anfang der 1960er Jahre aber immer weiter in Richtung eines sehr schlanken Körpers entwickelt.

Daher hat Übergewicht gesellschaftlich eine negative Bewertung zur Folge – vor allem bei Frauen, was möglicherweise die Ursache dafür ist, dass Magersucht Frauen wesentlich häufiger betrifft als Männer. Gerade junge Frauen, die sich während der Pubertät körperlich verändern und erst ein Gefühl für ihren neuen Körper entwickeln müssen, können durch dieses Schlankheitsideal stark verunsichert sein.

Dass neben den gesellschaftlichen auch familiäre Einflüsse als wichtige Magersucht-Ursachen gelten, liegt unter anderem daran, dass sich in den Familien von Magersüchtigen häufig bestimmte Verhaltensmuster finden: Die Eltern behüten die betroffenen Mädchen oft besonders stark, was bedeutet, dass auch in der Familie keine angemessen Reaktion auf die Entwicklung des Kindes zur Frau erfolgt. Außerdem scheinen die Beteiligten in vielen Fällen in der Familie bestehende Konflikte nicht anzusprechen.

Ein geringes Selbstwertgefühl oder eine zwanghafte Persönlichkeitsstruktur kann zur Entstehung von Magersucht beitragen. Ursachen hierfür können ebenfalls gesellschaftliche und familiäre Einflüsse sein.

Biologische Einflüsse

Ob jemand eine Magersucht (Anorexie) entwickelt oder nicht, kann seine Ursachen in einer erblich bedingten Empfänglichkeit (Disposition) für die Essstörung haben. Aber auch andere biologische Einflüsse können eine Magersucht begünstigen.

Dass die Veranlagung zur Entwicklung von Magersucht erbliche Ursachen haben kann, zeigt sich daran, dass die Essstörung oft in mehreren Generationen derselben Familien auftritt. Für biologische Einflüsse spricht außerdem, dass bei vielen Frauen mit Anorexie vermutlich die Hirnregion gestört ist, die das Essverhalten, die sexuelle Aktivität und auch den Menstruationszyklus steuert.

Möglicherweise entwickelt sich die Funktionsstörung dieser Hirnregion jedoch erst im Laufe der Magersucht, zum Beispiel infolge des Gewichtsverlusts. Das bedeutet: Die Störung trägt zwar dazu bei, die Anorexie aufrechtzuerhalten, stellt aber nicht deren eigentliche Ursache dar.


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