Magenübersäuerung (Hyperazidität)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (23. November 2017)

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Völlegefühl, Sodbrennen, Übelkeit bis hin zum Erbrechen – all das sind typische Symptome einer Magenübersäuerung. Die Ursachen für die Hyperazidität sind vielfältig. Darum muss auch die Therapie individuell ausgerichtet werden.

Was ist eine Magenübersäuerung (Hyperazidität)?

Eine Magenübersäuerung (Hyperazidität) ist keine eigenständige Krankheit, sondern bezeichnet eine Überproduktion von Magensäure.

Physiologische Grundlagen

Täglich werden im Magen etwa zwei Liter Magensaft gebildet. Hauptbestandteil ist die Magensäure, die von speziellen Zellen in der Magenschleimhaut, den Belegzellen, gebildet wird.

Chemisch handelt es sich bei der Magensäure um Salzsäure (HCl). Je nachdem, ob man etwas gegessen hat oder nicht, läuft die Säureproduktion unterschiedlich schnell ab: Zwischen den Mahlzeiten produzieren die Belegzellen der Magenschleimhaut kontinuierlich eine geringe Menge Salzsäure zur Grundversorgung. Kurz vor beziehungsweise während der Nahrungsaufnahme wird aufgrund verschiedener Faktoren vermehrt Säurge gebildet. Zu diesen Faktoren gehören:

  • psychisch bzw. nervlich gesteuerte Einflüsse: z.B. der Anblick oder der Geruch von Speisen – auch bereits der Gedanke ans Essen kann die Säurebildung steigern.
  • lokale Einflüsse: z.B. die Dehnung der Magenwände durch den Speisebrei
  • einzelne Nahrungsbestandteile wie:
  • hormoneller Einfluss: vor allem das Hormon Gastrin spielt bei der Stimulation der Belegzellen eine wichtige Rolle. Auch der Botenstoff Histamin regt die Produktion von Magensäure an.

Die Magensäure hat zwei wichtige Funktionen: Zum einen zerstört sie den überwiegenden Teil der mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien. Es gibt aber wenige Ausnahmen unter den Krankheitserregern, die den Kontakt mit der Magensäure überleben: Dazu gehören die Tuberkelbakterien (Erreger der Tuberkulose) und Helicobacter pylori. Zum anderen wandelt die Magensäure Enzym-Vorstufen, die für die Verdauung wichtig sind, in ihre aktiven Formen um (z.B. Pepsinogen in Pepsin).

Magenübersäuerung (Hyperazidität): Symptome

Eine kurzzeitige Magenübersäuerung verursacht gewöhnlich keine Beschwerden und hat keine nennenswerten Folgen. Ist die Produktion von Magensäure dauerhaft erhöht, kann das jedoch die Schleimhaut des Magens und des Zwölffingerdarms schädigen.

Diese Schleimhautschäden können unter anderem folgende Symptome hervorrufen:

Solche Symptome treten im Wesentlichen bei akuter Magenschleimhautentzündung (Gastritis) auf, während eine chronische Magenschleimhautentzündung oft auch ohne Beschwerden abläuft. Ebenso können diese Symptome ein Hinweis auf ein Zwölffingerdarmgeschwür sein.

Magenübersäuerung (Hyperazidität): Ursachen

Für eine Magenübersäuerung kommen unterschiedliche Ursachen iinfrage, da die produzierte Menge und Zusammensetzung des Magensafts mehreren Mechanismen unterliegt:

  • Sie wird zum einen durch die Nahrung und das Essverhalten bestimmt. Zum Beispiel können große und schnell verspeiste Mengen an sehr fettreichem Essen den Magen vorübergehend überlasten.
  • Zum anderen steigern Alkohol-, Nikotin- und Kaffeekonsum die Bildung von Magensäure und begünstigen eine Magenübersäuerung.
  • Auch emotionale Einflüsse wie Stress oder Ärger wirken sich auf die Magensäureproduktion aus.

Auch manche Medikamente zur Hyperazidität führen. Sogenannte nicht-steroidale Antiphlogistika wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac gehören dazu. Lässt sich eine lang andauernde Einnahme dieser Substanzen nicht vermeiden, kann der Arzt zusätzlich Säureblocker (z.B. Protonenpumpenhemmer) verschreiben, die einer Magenübersäuerung entgegenwirken.

Ebenso zählt eine krankhafte Überproduktion des Hormons Gastrin (Zollinger-Ellison-Syndrom) zu den Ursachen einer Magenübersäuerung. Beim Zollinger-Ellison-Syndrom handelt es sich um einen seltenen hormonproduzierenden Tumor, der meist in der Bauchspeicheldrüse auftritt.

Eine Hyperazidität kann außerdem entstehen, wenn die Magenschleimhaut mit dem Erreger Helicobacter pylori besiedelt ist. Helicobacter pylori ist ein Bakterium, das häufig für Zwölffingerdarmgeschwüre und chronische Magenschleimhautentzündungen (Gastritis) verantwortlich ist.

Ist zusätzlich die Funktion des Schließmuskels am Mageneingang (Ösophagussphinkter) gestört, kann die Magensäure in die Speiseröhre aufsteigen und dort die Schleimhaut angreifen (Refluxkrankheit).

Magenübersäuerung (Hyperazidität): Diagnose

Es ist wichtig, eine Magenübersäuerung rechtzeitig zu erkennen, denn mit der Zeit können ernsthafte Schäden der Magenschleimhaut (z.B. ein Magengeschwür) die Folge sein.

Zunächst ist für die Diagnose eine genaue Anamnese, also die Erhebung der Krankengeschichte, erforderlich. Hierzu befragt der Arzt den Betroffenen nach dessen Lebensgewohnheiten und Essverhalten. Wichtig sind auch genaue Angaben zu den Symptomen, zum Beispiel wann diese auftreten, wie lange sie schon bestehen und um welche Art der Beschwerden es sich handelt.

Aueßrdem ist eine körperliche Untersuchung notwendig, etwa eine Magenspiegelung (Gastroskopie). Im Rahmen dieser Untersuchung kann der Arzt auch Gewebeteilchen der Magenschleimhaut entnehmen (Biopsie), die Aufschluss darüber geben, ob eine Gastritis oder ein Magengeschwür vorliegt. Mit dem durch die Speiseröhre in den Magen eingeführten Endoskop kann der Arzt zudem den Anfangsbereich des Zwölffingerdarms einsehen und feststellen, ob ein Zwölffingerdarmgeschwür besteht.

Im Rahmen der Diagnose können darüber hinaus spezielle Tests zum Nachweis des Bakteriums Helicobacter pylori folgen, das an der Entstehung von Magenschleimhautschäden und Geschwüren im oberen Magen-Darm-Trakt beteiligt sein kann.

Besteht der Verdacht auf eine Refluxkrankheit, kann als weitere diagnostische Maßnahme eine Langzeit-pH-Metrie (Säuremessung) des Magens durchgeführt werden, welche die Produktion der Magensäure misst.

Magenübersäuerung (Hyperazidität): Therapie

Die Therapie einer Magenübersäuerung richtet sich im Wesentlichen nach der zugrundeliegenden Erkrankung.

Zunächst sollten Sie alle magenreizenden Faktoren meiden, dazu gehören:

Wenn Sie Medikamente einnehmen, die den Magen belasten (z.B. nicht-steroidale Antiphlogistika wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac), sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob Sie die entsprechenden Präparate absetzen können oder ob es alternative Wirkstoffe gibt.

Zum Abmildern der Magensäure beziehungsweise um die Magensäure-Bildung zu hemmen, kommen verschiedene Medikamente infrage:

Die Behandlung der symptomatischen Helicobacter-pylori-Besiedelung besteht aus einer Kombination von Protonenpumpenhemmern und Antibiotika.

Magenübersäuerung (Hyperazidität): Verlauf

Eine kurzzeitige Hyperazidität verursacht im weiteren Verlauf normalerweise keine Schäden. Die dauerhafte Störung der Magensäureproduktion kann hingegen ernsthafte Schäden der Schleimhaut des Magens und des Zwölffingerdarms mit sich bringen. Somit kann die Magenübersäuerung sowohl Ausdruck als auch Auslöser für folgende Erkrankungen sein:

Magenübersäuerung (Hyperazidität): Vorbeugen

Wenn Sie einer Magenübersäuerung vorbeugen möchten, sollten Sie folgende Faktoren vermeiden:

  • Koffein
  • ungesundes Essverhalten (z.B. hastiges Essen sehr großer und/oder sehr fettreicher Portionen)
  • Alkohol
  • Rauchen
  • psychische Einflussfaktoren wie Stress und Ärger

Nicht allen Ursachen, die zu einer Magenübersäuerung führen, kann man dadurch vorbeugen. In seltenen Fällen kann zum Beispiel eine Überproduktion des Hormons Gastrin die Säurebildung im Magen steigern (Zollinger-Ellison-Syndrom).

Lassen Sie deshalb Beschwerden wie

auch durch einen Arzt abklären – besonders wenn die Symptome länger anhalten oder sich verschlimmern.

Magenübersäuerung (Hyperazidität): Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 23.11.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Heidelberg 2013

Klinke, R., Pape, H.-C., Silbernagl, S.: Physiologie. Thieme, Stuttgart 2010

Aktualisiert am: 23. November 2017

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