Lymphödem: Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (18. Januar 2016)

Ein Lymphödem kann viele verschiedene Ursachen haben. Meistens führen Verschlüsse der Lymphbahnen dazu, dass der Lymphdruck zunimmt (sog. obliterierte Lymphgefäßveränderungen). Durch den erhöhten Druck in den Gefäßen tritt Lymphflüssigkeit (Lymphe) aus den Lymphbahnen in das umliegende Gewebe ein – es kommt zu einer sichtbaren Schwellung der betroffenen Regionen.

Seltener steckt eine veränderte Zusammensetzung der Lymphe hinter einem Lymphödem. Als weitere Ursachen kommen Schäden an der Erbanlage oder Allgemeinerkrankungen mit einer Stauung von venösem Blut infrage.

Beim Lymphödem unterscheidet man je nach Ursachen für den Lymphstau primäre und sekundäre Formen.

Primäres Lymphödem

Hat ein Lymphödem erbliche Ursachen (d.h. eine erblich bedingte Erkrankung oder Fehlbildung des Lymphsystems), bezeichnet man es als primäres Lymphödem. Meistens zeigt es sich durch oft beidseitig geschwollene Beine beziehungsweise Unterschenkel. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Typischerweise hat ein primäres Lymphödem seine Ursachen in einer erblichen Entwicklungsstörung, die dazu führt, dass die Lymphgefäße:

  • in zu geringer Menge vorhanden sind (dies betrifft meist auch die Lymphknoten),
  • zu schmal sind oder
  • zu weit sind.

In seltenen Fällen kann auch eine veränderte Zusammensetzung der Lymphflüssigkeit ein primäres Lymphödem verursachen. Im Durchschnitt treten primäre Lymphödeme im Alter von 17 Jahren das erste Mal auf. Der Lymphstau und die dadurch bedingte Schwellung können sich aber auch früher oder später entwickeln:

  • In manchen Fällen besteht ein primäres Lymphödem von Geburt an – wie das sogenannte hereditäre Lymphödem Typ I (Nonne-Milroy-Syndrom), bei dem keine weiteren Beschwerden auftreten.
  • Ein hereditäres Lymphödem Typ II (Meige-Syndrom) beispielsweise macht sich meist erst in der Pubertät bemerkbar: Hier treten weitere Symptome wie Minderwuchs, Übergewicht und geistige Behinderung auf.
  • Meist entwickelt sich ein primäres Lymphödem bei jungen Menschen nach der Pubertät zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr (sog. Lymphoedema praecox).
  • Seltener entsteht ein primäres Lymphödem nach dem 35. Lebensjahr (sog. Lymphoedema tardum).

Sekundäres Lymphödem

Ein Lymphödem mit erworbenen Ursachen (z.B. Krankheiten, Verletzungen) bezeichnet man als sekundäres Lymphödem. Die möglichen Auslöser für sekundäre Lymphödeme sind vielfältig.

Grundsätzlich können jegliche Verletzungen oder Verstauchungen sowie Narben unterschiedlicher Herkunft ein Lymphödem auslösen. Am häufigsten hat ein sekundäres Lymphödem seine Ursachen in einer Operation:

  • So bildet sich etwa nach einer Brustkrebsoperation oft ein sekundäres Lymphödem am Arm, wenn der Operateur Lymphknoten in der Achselhöhle entfernen musste. Lymphödeme können auch noch Jahre nach einer solchen Operation (als sog. postoperative Komplikation) auftreten.
  • Nach einer Operation zur Behandlung von Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs beispielsweise können geschwollene Beine infolge sekundärer Lymphödeme entstehen, wenn der Operateur viele Lymphknoten entfernen musste.

Übergewicht kann sich dabei möglicherweise negativ auswirken: Beispielsweise steigt durch Übergewicht das nach einer Brustkrebstherapie zeitlebens erhöhte Risiko für ein sekundäres Lymphödem um weitere 40 bis 60 Prozent.

Auch Strahlenbehandlungen kommen für ein sekundäres Lymphödem als Ursachen infrage – zum Beispiel:

  • Wenn man bei einer Strahlentherapie gegen Brustkrebs die Abflusswege der Lymphe mitbestrahlt, weil sich in den Lymphknoten der Achselhöhle Tochtergeschwulste (Metastasen) finden, erhöht sich das Risiko für einen Lymphstau mit Lymphödem in der Brust oder im Arm.
  • Bei Gebärmutterkrebs kann eine ausgedehnte Bestrahlung der Eierstöcke ein chronisches Lymphödem im Bein zur Folge haben.

Doch nicht nur Krebsbehandlungen können ein sekundäres Lymphödem verursachen – auch verschiedene Formen von Krebs selbst können zu einer Lymphstauung führen. So können hinter einer Schwellung zum Beispiel bösartige Lymphknotenerkrankungen wie Morbus Hodgkin oder manche Leukämien stecken.

Darüber hinaus kann ein sekundäres Lymphödem folgende weitere Ursachen haben:

  • aufgestautes venöses Blut – dieses kann ein sog. Phlebolymphödem verursachen
  • Entzündung der Lymphbahnen (sog. Lymphangitis) – diese kann ein entzündliches Lymphödem verursachen
  • Parasiten


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