Lungenödem (Wasser in der Lunge): Ursachen, Symptome & Behandlung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (11. Oktober 2017)

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Mit "Wasser in der Lunge" ist in der Regel ein Lungenödem gemeint. Wer typische Symptome verspürt  – etwa schnelle, flache und rasselnde Atmung sowie Husten – sollte schnellstmöglich zum Arzt zu gehen. Denn unbehandelt kann ein Lungenödem lebensbedrohliche Folgen haben.

Was ist ein Lungenödem?
Ein Lungenödem ist eine krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit in der Lunge. Umgangssprachlich ist oft auch von "Wasser in der Lunge" die Rede. Bei der Flüssigkeit handelt es sich um Blutflüssigkeit, die aus den Blutgefäßen der Lunge (Lungenkapillaren) ins Lungengewebe fließt.

Mediziner teilen das Lungenödem je nach Schweregrad in vier Stadien ein:

  • Stadium I: Interstitielles Lungenödem: Die Flüssigkeit fließt ins Lungengewebe, genauer gesagt in die Räume zwischen den Zellen des Lungengewebes.
  • Stadium II: Alveoläres Lungenödem: Die Flüssigkeit gelangt in die Lungenbläschen (sog. Aveolen) und – im fortgeschrittenen Stadium – auch in die Bronchien.
  • Stadium III: Schaumbildung: Bei großen Flüssigkeitsmengen staut sich die Flüssigkeit bis weit in die Bronchien hinein und ein weißlicher Schaum bildet sich. Betroffene mit Lungenödem husten diesen Schaum ab.
  • Stadium IV: Asphyxie (Atemstillstand): Durch unzureichende Sauerstoffversorgung des Körpers kommt es zum Atem- und Kreislaufstillstand.

Aufbau und Funktion der Lungen und Lungenbläschen:

Eingeatmete Luft strömt in die Luftröhre. Die Luftröhre reicht vom Kehlkopf bis in den Brustraum und verzweigt sich ins Bronchialsystem, von dem das Lungengewebe durchzogen ist. Das Bronchialsystem besteht aus großen und kleinen Röhren (Bronchien, Bronchiolen), durch die die Atemluft in die ca. 300 Millionen Lungenbläschen gelangt. Die Lungenbläschen sind von feinen Blutgefäßen umgeben, den Lungenkapillaren. © iStock

Eingeatmete Luft strömt in die Luftröhre. Die Luftröhre reicht vom Kehlkopf bis in den Brustraum und verzweigt sich ins Bronchialsystem, von dem das Lungengewebe durchzogen ist. Das Bronchialsystem besteht aus großen und kleinen Röhren (Bronchien, Bronchiolen), durch die die Atemluft in die ca. 300 Millionen Lungenbläschen gelangt. Die Lungenbläschen sind von feinen Blutgefäßen umgeben, den Lungenkapillaren.

Zwischen Lungenbläschen und Blutgefäßen findet der sogenannte Gasaustausch statt: Die mit Luft gefüllten Lungenbläschen versorgen das Blut in den Kapillaren mit Sauerstoff. Zugleich gibt das Blut Kohlendioxid an die Lungenbläschen ab, die es über die Atemluft aus dem Körper befördern.

Zwischen Lungenbläschen und Blutgefäßen findet der sogenannte Gasaustausch statt: Die mit Luft gefüllten Lungenbläschen versorgen das Blut in den Kapillaren mit Sauerstoff. Zugleich gibt das Blut Kohlendioxid an die Lungenbläschen ab, die es über die Atemluft aus dem Körper befördern.

Lungenödem (Wasser in der Lunge): Ursachen

Verschiedene Erkrankungen können ein Lungenödem hervorrufen. Die häufigste Ursache ist eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Weitere Krankheiten und Störungen, die zu Wasser in der Lunge führen können, sind etwa:

Wie entsteht ein Lungenödem?

Ein Lungenödem bildet sich, wenn die Druckverhältnisse in der Lunge aus dem Gleichgewicht geraten. Der Druck, mit dem Blut durch die Kapillaren der Lunge fließt, wird als hydrostatischer Druck bezeichnet. Er ist so stark, dass er die flüssigen Bestandteile des Blutes durch die Gefäßwände ins Lungengewebe pressen könnte – wenn das Blut keine Eiweiße enthielte.

Eiweiße im Blut halten die Flüssigkeit in den Gefäßen fest. Sie erzeugen in den Gefäßen sogenannten onkotischen Druck, der dem hydrostatischen Druck entgegenwirkt. Durch das Gleichgewicht zwischen hydrostatischem und onkotischem Druck tritt bei gesunden Menschen nur wenig Flüssigkeit aus den Blutgefäßen ins Lungengewebe aus.

Wenn aber der hydrostatische Druck ansteigt oder der onkotische nachlässt, kann Flüssigkeit ungehindert aus den Kapillaren austreten und sich im Lungengewebe oder sogar in den Lungenbläschen sammeln. Staut sich Flüssigkeit in der Lunge, kann das Organ irgendwann nicht mehr zuverlässig arbeiten, die Lungenfunktion ist eingeschränkt.

Für die gestörten Druckverhältnisse – und somit die Bildung von Lungenödemen – kann es verschiedene Ursachen geben. Ärzte unterscheiden zwischen kardialen (vom Herzen ausgehenden) und nicht-kardialen Ursachen:

Kardiales (= vom Herzen ausgehendes) Lungenödem

Ein kardiales Lungenödem entsteht, wenn die Funktion des Herzens beeinträchtigt ist. Das Blut staut sich dann von der linken Herzkammer in die Lunge zurück, weil das Herz es nicht schafft, das Blut komplett in den Körper weiterzupumpen (sog. Linksherzinsuffizienz).

Dadurch erhöht sich der hydrostatische Druck der Lungenvenen und / oder der Kapillaren. Er presst die Flüssigkeit aus den Gefäßen in Lungengewebe und Lungenbläschen.

Das kann etwa im Rahmen einer akuten Linksherzinsuffizienz durch einen Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder eine Herzmuskelentzündung geschehen. Auch eine gestörte Herzklappenfunktion oder lang andauernde Belastung des Herzens durch Bluthochdruck können ein Lungenödem verursachen, da sie mitunter eine chronische Linksherzinsuffizienz auslösen.

Nicht-kardiales Lungenödem

Beim nicht-kardialen Lungenödem kommen unter anderem folgende Ursachen in Betracht:

  • Einatmen giftiger Substanzen: Reizgase wie Stickoxide oder Chlorgase können die Wände der Lungenkapillaren schädigen. Diese werden dann durchlässiger.
  • Ab einer Höhe von 4.000 Metern bekommen 7 von 100 Bergsteigern ein sog. Höhenlungenödem.
  • Abnahme des onkotischen Drucks, da bestimmte Eiweiße im Blutplasma in zu geringer Zahl vorhanden sind. Ursachen dafür sind beispielsweise Mangelernährung oder Nierenerkrankungen (renales Lungenödem).

Lungenödem (Wasser in der Lunge): Symptome

Je nach Stadium treten bei einem Lungenödem unterschiedliche Symptome auf:

  • Ein Lungenödem im Stützgewebe der Lunge (interstitielles Lungenödem) macht sich durch Atembeschwerden bemerkbar. Die Betroffenen atmen schnell, flach und rasselnd. Sie sind meist unruhig und bemühen sich, den Oberkörper erhöht zu lagern, um besser atmen zu können. Häufig müssen sie husten.
  • Hat sich die Flüssigkeit bereits in die Lungenbläschen ausgebreitet (alveoläres Lungenödem), verstärken sich die Symptome. Die Betroffenen husten mitunter ein weißliches, schaumiges Sekret ab. Der Puls ist stark beschleunigt. Die Haut und die Lippen sind infolge des Sauerstoffmangels bläulich verfärbt (Zyanose). Zudem kann es zu Angstzuständen kommen.
  • Im dritten Stadium bildet sich vermehrt weißlicher Schaum, den die Betroffenen abhusten

Lungenödem (Wasser in der Lunge): Diagnose

Bei Verdacht auf Lungenödem wird der Arzt eine körperliche Untersuchung in Verbindung mit einer Röntgenaufnahme der Lunge durchführen.

Bei der körperlichen Untersuchung achtet der Arzt insbesondere auf die Atmung und den Husten des Patienten. Zudem prüft er, ob Haut und Lippen des Patienten eine Blaufärbung aufweisen.

Mit dem Stethoskop kann der Arzt die Lunge des Patienten abhören. Beim interstitiellen Lungenödem hört er hierbei in der Regel keine Auffälligkeiten. Beim alveolären Lungenödem hört er dagegen feuchte Rasselgeräusche, wenn der Patient atmet.

Ein interstitielles Lungenödem kann der Arzt nur mithilfe einer Röntgenuntersuchung feststellen. Wenn sich im Stützgewebe der Lungen Flüssigkeit sammelt, bilden sich dort Verdickungen. Diese sind als feine horizontale Linien (sog. Kerley-Linien) auf dem Röntgenbild erkennbar. Auch schmetterlingsförmige "Schatten" deuten auf ein interstitielles Lungenödem hin.

Hat der Arzt ein Lungenödem erkannt, sucht er nach den Ursachen der Erkrankung. Dazu sind weitere Untersuchungen nötig. Wichtig ist vor allem die Echokardiographie (Ultraschall des Herzens), mithilfe derer der Arzt die Funktionstüchtigkeit des Herzens ermitteln kann. So kann er herausfinden, ob das Lungenödem kardiale Ursachen wie eine Herzinsuffizienz oder nicht-kardiale Ursachen hat.

Lungenödem (Wasser in der Lunge): Behandlung

Stellt der Arzt beim Patienten ein Lungenödem fest, wird er zunächst folgende Sofortmaßnahmen treffen:

  • Er bittet den Patienen, sich hinzusetzen. Die tiefe Lagerung der Beine und die erhöhte Lagerung des Oberkörpers bewirkt, dass der hydrostatische Druck in den Lungengefäßen sinkt. Somit wird weniger Flüssigkeit aus den Gefäßen ins Lungengewebe gepresst.
  • Er verabreicht dem Patienten ein Beruhigungsmittel (Diazepam oder Morphin), sofern dessen Blutdruck nicht zu niedrig ist und der Patient nicht zu flach atmet.
  • Der Patient erhält eine Nasensonde, die ihn mit Sauerstoff versorgt. Zudem kann der Arzt die Atmung des Patienten mit einem Beatmungsgerät unterstützen.

Die weiteren Schritte der Therapie orientieren sich an der Ursache des Lungenödems:

  • Betroffene mit einer Linksherzinsuffizienz bekommen über eine Spritze in die Vene Furosemid sowie Nitroglycerin verabreicht. Furosemid bewirkt, dass der Körper vermehrt Flüssigkeit ausschwemmt. Nitroglycerin hat eine gefäßerweiternde Wirkung und sorgt somit dafür, dass der Druck in den Lungengefäßen nachlässt.
  • Ist das Lungenödem aufgrund von Giftstoffen entstanden (sog. toxisches Ödem), sind "Kortison"-ähnliche Wirkstoffe (sog. Glukokortikoide) nötig. Der Betroffene atmet diese ein oder bekommt sie – in schwereren Fällen – als Injektion in die Vene verabreicht.

Auch die langfristige Therapie richtet sich nach der Ursache. Chronische Erkrankungen, beispielsweise eine Herz- oder Niereninsuffizienz, erfordern eine geeignete Behandlung. Bei Menschen mit Nierenerkrankungen kann es erforderlich sein, dass das Blut maschinell gereinigt wird, zum Beispiel durch Dialyse ("Blutwäsche").

Lungenödem (Wasser in der Lunge): Verlauf

Wird ein Lungenödem nicht behandelt, verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Betroffenen immer mehr. Im letzten Stadium der Erkrankung kommen die Atmung und der Kreislauf zum Stillstand.

Um lebensbedrohliche Folgen zu verhindern, ist es daher sehr wichtig, dass ein Lungenödem schnellstmöglich behandelt wird.
Ob und wie schnell sich der Zustand des Patienten durch die Therapie verbessert, ist von der Grunderkrankung abhängig, die das Lungenödem verursacht hat.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Lungenödem (Wasser in der Lunge): Ursachen, Symptome & Behandlung":

Onmeda-Lesetipps:

Herzinsuffizienz: Symptome, Ursachen & Behandlung

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Lungenödem. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 14.6.2017)

Was passiert beim Atmen? Online-Informationen des Helmholtz Zentrum München: www.lungeninformationsdienst.de (Stand: 15.12.2015)

Baenkler, H.-W., Goldschmidt, H., Hahn, J.-M., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Stand: 11. Oktober 2017

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