Anzeige

Anzeige

Lungenentzündung (Pneumonie)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (11. November 2016)

© Jupiterimages/iStockphoto

Keine andere Infektionskrankheit kommt so häufig vor wie die Lungenentzündung (Pneumonie): Unter den Infektionskrankheiten ist sie in den Industrieländern sogar die häufigste Todesursache. Vor allem in der kalten Jahreszeit häufen sich Pneumonie-Fälle.

Prinzipiell kann jeder Mensch an einer Lungenentzündung erkranken. Besonders hoch ist das Pneumonie-Risiko allerdings bei

  • Menschen mit einem geschwächten Immunsystem,
  • Säuglingen und Kleinkindern sowie
  • älteren Menschen.

Bei jungen und gesunden Menschen ist das Immunsystem in der Regel stark genug, um sich gegen die Erreger zu wehren.

Was ist eine Lungenentzündung?

Eine Lungenentzündung ist eine Entzündung des Lungengewebes. Meist entsteht eine Lungenentzündung durch eine Infektion mit Bakterien.

Vor allem die sogenannten Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) sind häufig Ursache einer Lungenentzündung: Sie sind für rund die Hälfte aller Pneumonie-Fälle verantwortlich. Doch auch andere Krankheitserreger können eine Lungenentzündung verursachen, wie zum Beispiel Viren oder Pilze. Außerdem können chemische und physikalische Einflüsse, wie zum Beispiel giftige Gase, Medikamente oder verschluckte Gegenstände, das Lungengewebe angreifen und zu einer Lungenentzündung führen. In diesen Fällen sprechen Mediziner von einer Pneumonitis.

In der Lunge findet der lebenswichtige Gasaustausch statt: Der Sauerstoff gelangt aus der Atemluft ins Blut, während das Abfallprodukt Kohlendioxid aus dem Blut in die Atemluft übergeht. Ist die Atmung durch eine Erkrankung wie die Lungenentzündung beeinträchtigt, kann dies zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. In besonders schweren Fällen kann der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und gleichzeitig nicht mehr genügend Kohlendioxid abatmen.

Einteilung der Pneumonie

Lungenentzündung ist nicht gleich Lungenentzündung – wie die Erkrankung verläuft beziehungsweise ihre Behandlung aussieht, hängt unter anderem vom Auslöser oder vom Ansteckungsort ab. Entsprechend lässt sich eine Lungenentzündung nach den unterschiedlichsten Faktoren verschiedenen Gruppen zuordnen:

Ort der Entzündung (Lokalisation)

In Abhängigkeit davon, welche Teile des Lungengewebes betroffen sind, unterscheiden Mediziner zwischen zwei Formen der Lungenentzündung:

  • interstitielle Pneumonie: Bei dieser Form der Lungenentzündung ist vor allem das Gewebe entzündet, das die Lungenbläschen (Alveolen) umgibt.
  • alveoläre Pneumonie: Hierbei sind überwiegend die Lungenbläschen (Alveolen) selbst von der Entzündung betroffen.

Lungenentzündung: Anatomie der Lungenbläschen © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Die Lungenbläschen (Alveolen) und die Bronchioli

Ausdehnung

Eine Lungenentzündung lässt sich auch entsprechend ihrer Ausdehnung einteilen. Je nachdem, auf welche Teile der Lunge sich die Pneumonie ausbreitet, unterscheidet man:

  • lobäre Pneumonie: Ein ganzer Lungenlappen ist betroffen.
  • lobuläre Pneumonie: Die Lungenentzündung breitet sich innerhalb eines Lungenläppchens aus. In diesem Fall gibt es einen oder mehrere Entzündungsherde, weshalb man diese Form auch als Herdpneumonie bezeichnet.

Video: Lungenentzündung – was passiert dabei?

Auslöser

Die Symptome einer Lungenentzündung können sich je nach Auslöser stark unterscheiden. Daher lässt sich die Lungenentzündung entsprechend ihrer Auslöser in eine typische und eine atypische Pneumonie einteilen:

  • typische Pneumonie: Bei einer typischen Pneumonie sind in der Regel Bakterien (meist Pneumokokken) die Auslöser. Erstes Anzeichen für eine typische Lungenentzündung ist häufig Schüttelfrost, der bis zu einer Stunde andauern kann. Darauf folgen die Symptome Fieber und Husten – die Betroffenen husten dabei einen anfangs rostbraunen, später meist gelb-grünlichen Auswurf In vielen Fällen geht diesem Geschehen ein Infekt des oberen Hals- oder Rachenbereichs voraus. Die typische Pneumonie tritt vorwiegend in der kalten Jahreszeit auf und die Betroffenen fühlen sich häufig plötzlich sehr krank.
  • atypische Pneumonie: Die atypische Pneumonie ist seltener. Auslöser für die atypische Lungenentzündung sind überwiegend Viren und / oder seltenere Bakterienarten, wie zum Beispiel Mykoplasmen oder Chlamydia pneumoniae. Die Erkrankung beginnt meist schleichend – erst nach mehreren Tagen ist sie voll ausgeprägt. Kopfschmerzen und Gliederschmerzen sind dabei die wichtigsten Symptome, Schüttelfrost kommt selten vor. Der Husten bei der atypischen Pneumonie ist lang anhaltend und wirkt quälend (trockener Reizhusten) – die Betroffenen produzieren dabei meist keinen Auswurf.

Allgemein fühlen sich die meisten Betroffenen bei einer atypischen Pneumonie weniger krank als bei der typischen Pneumonie.

Ort der Ansteckung

Des Weiteren kann man die Lungenentzündung danach einteilen, wo man sich damit angesteckt hat. Die Einteilung der Pneumonie nach dem Ort der Ansteckung ist vor allem für die Behandlung von grundlegender Bedeutung, denn: Erreger in Krankenhäusern sind oftmals resistent gegen übliche antibakteriell wirksame Medikamente (Antibiotika), sodass diese nicht helfen.

  • Erfolgt die Ansteckung mit der Lungenentzündung in einem Krankenhaus, liegt eine sogenannte nosokomiale Pneumonie vor.
  • Die ambulant erworbene Lungenentzündung ist die Folge einer Infektion außerhalb eines Krankenhauses.

Häufigkeit

In Deutschland kommt es Schätzungen zufolge jedes Jahr zu 350.000 bis 500.000 ambulanten Fällen von Lungenentzündung – also Erkrankungen, die außerhalb von Krankenhäusern entstanden. Ungefähr 40.000 Betroffene pro Jahr erwerben ihre Lungenentzündung jedoch erst im Zusammenhang mit einem Aufenthalt im Krankenhaus (sog. nosokomiale Pneumonie).

Eine durch Bakterien oder Viren verursachte Pneumonie tritt besonders in der kalten Jahreszeit mit verstärkter Häufigkeit auf. Zu den häufigsten Auslösern der Lungenentzündung zählen vor allem bestimmte Bakterien: die Pneumokokken. Das Risiko für eine Lungenentzündung ist besonders bei einem geschwächten Immunsystem, bei alten Menschen und bei Kleinkindern hoch.

Weltweit ist die Lungenentzündung die häufigste Infektionskrankheit mit Todesfolge für Kinder: Sie soll für gut 16 Prozent aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren verantwortlich sein. Insgesamt sterben weltweit jedes Jahr etwa drei bis vier Millionen Menschen an den Folgen einer Lungenentzündung. Auch in Westeuropa gilt die Pneumonie als häufigste Todesursache unter den Infektionskrankheiten.

Video: Pneumonitis – chronisch entzündete Lungenbläschen

Lungenentzündung: Ursachen

Erreger

Eine Lungenentzündung (Pneumonie) ist meist auf eine Infektion mit Bakterien zurückzuführen – vor allem mit sogenannten Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae): Sie sind etwa für die Hälfte aller Erkrankungsfälle verantwortlich. Deutlich seltener als Bakterien sind Viren und Pilze für eine Lungenentzündung verantwortlich. Diese Erreger kommen vor allem bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr als Ursache infrage – wie es zum Beispiel nach einer Organtransplantation oder bei Erkrankungen des Immunsystems (z.B. HIV-Infektion) der Fall ist.

Folgende Tabelle bietet eine Übersicht über die verschiedenen Formen der Lungenentzündung und die als Ursachen zugrundeliegenden Erreger:

Form der Lungenentzündung Erreger
typische Pneumonie Bakterien: Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae), Haemophilus influenzae
atypische Pneumonie Bakterien: Mykoplasmen (Mycoplasma pneumoniae), Chlamydien (Chlamydia psittaci, Chlamydia pneumoniae), Legionellen (Legionella pneumophila), Rickettsien (Coxiella burnetii)
im Krankenhaus erworbene (nosokomiale) Pneumonie Bakterien: Staphylokokken (Staphylococcus aureus), Enterobakterien (Escherichia coli, Klebsiellen), Pseudomonas aeruginosa
Pneumonie bei Abwehrgeschwächten Bakterien: Staphylokokken (Staphylococcus aureus), Mykobakterien
Viren: Zytomegalie-Virus (CMV)
Pilze: Pneumocystis carinii, Candida, Aspergillus

Im Jahr 2007 entdeckten Forscher in den USA einen weiteren, neuen Erreger der Lungenentzündung: das Adenovirus Typ 14. Bisher konnte man diesen Erreger in Deutschland nicht nachweisen. Das Robert-Koch-Institut warnt allerdings davor, dass das Virus auch hierzulande Pneumonien verursachen könnte.

Übertragung

Ist eine Lungenentzündung ansteckend?

Die Frage, ob eine Lungenentzündung ansteckend ist, lässt sich nicht generell beantworten. Prinzipiell sind die Erreger (in den meisten Fällen Bakterien) der Lungenentzündung ansteckend und können durch die Luft von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Dennoch: Wer sich mit Erregern einer Lungenentzündung infiziert, erkrankt nicht zwangsläufig an einer Pneumonie. Tatsächlich sind manche Erreger wie zum Beispiel Pneumokokken sogar bei vielen Menschen ganz normaler Bestandteil der Schleimhaut der oberen Atemwege – trotzdem bleiben sie kerngesund. Denn in der Regel kann das Immunsystem die Erreger erfolgreich in Schach halten.

Bei jungen und gesunden Menschen kommt es deshalb nur selten zu einem Ausbruch der Lungenentzündung, auch wenn sie die Erreger über die Luft eingeatmet haben. Eine Lungenentzündung ist also vor allem dann ansteckend, wenn das Immunsystem geschwächt ist – etwa durch Erkrankungen. Ebenso haben ältere Menschen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko, da der Körper im Alter weniger Abwehrzellen und Antikörper herstellt, während kleine Kinder leichter an einer Lungenentzündung erkranken, weil sich bei ihnen das Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet hat.

In den meisten Fällen steckt man sich bei einer Lungenentzündung über die Atemwege an: Das heißt, die Erreger gelangen aus dem Nasen-Rachen-Raum anderer Menschen über die sogenannte Tröpfcheninfektion durch Sprechen, Husten oder Niesen in die Lunge des Betroffenen. Nur in seltenen Fällen entsteht eine Lungenentzündung dadurch, dass die Erreger von anderen Organen über den Blutstrom zur Lunge verschleppt werden.

Aber nicht jede Übertragung von Erregern in die Atemwege löst unbedingt eine Pneumonie aus – Ursache hierfür sind Abwehrmechanismen der Lunge, die in der Regel das Eindringen von Fremdstoffen oder Erregern verhindern: In der Luftröhre (Trachea) und den großen Bronchien befinden sich auf der Zelloberfläche kleine Härchen (sog. Zilien). Diese Zilien bewegen sich kontinuierlich und befördern Schleim aus der Lunge in Richtung Mundraum. Dadurch verhindern sie, dass größere Staubteilchen in die Lungenbläschen (Alveolen) vordringen und sich dort ablagern. Beim Einatmen gelangen daher nur kleinste Teilchen mit einer Größe von 0,3 bis 5 Mikrometern in die Lungenbläschen, wo ein weiterer Teil der körpereigenen Abwehr seine Arbeit verrichtet: Fresszellen (Makrophagen) des Immunsystems beseitigen die Eindringlinge im Normalfall. Eine Störung dieses Abwehrsystems kann bei der Entstehung einer Lungenentzündung eine wichtige Rolle spielen.

Ein gestörtes Abwehrsystem der Lunge kann durch eine Erkrankung der Lunge hervorgerufen werden, wie zum Beispiel Asthma bronchiale oder eine chronische Bronchitis. Solche Erkrankungen können die Abwehr der Lunge schwächen, indem sie zum Beispiel den Abtransport von Staubteilchen über die Schleimhäute zum Mund einschränken. Die Folge: Größere Fremdkörper haben die Möglichkeit, bis in die Lungenbläschen zu gelangen, sich dort einzulagern und das Gewebe anzugreifen – dies sind mögliche Pneumonie-Ursachen. Ist zudem noch das Immunsystem geschwächt, wie es beispielsweise bei einer Grippe der Fall ist, kann sich die Entzündung in der Lunge weiter ausbreiten.

Risikofaktoren

Neben Krankheitserregern spielen bestimmte Risikofaktoren bei der Entstehung einer Lungenentzündung (Pneumonie) eine wichtige Rolle. Folgende Personengruppen haben ein höheres Risiko, an einer Pneumonie zu erkranken, da ihr Immunsystem entweder noch nicht ausgereift oder geschwächt ist und deshalb Krankheitserreger wie Bakterien und Viren weniger gut abwehren kann:

Außerdem können chronische und schwere Erkrankungen mit einem geschwächten Immunsystem einhergehen, darunter zum Beispiel:

Bei Menschen mit einem oder mehreren dieser Risikofaktoren können ungewöhnliche Erreger eine Lungenentzündung auslösen. Solch atypische Pneumonie-Ursachen sind:

Außerdem können andere Grunderkrankungen beziehungsweise Risikofaktoren eine Lungenentzündung wahrscheinlicher machen. Zu den Ursachen für ein erhöhtes Pneumonie-Risiko zählen:

  • Lungentumoren (Bronchialkarzinom)
  • Fremdkörper, die in die Atemwege gelangen: Ein Fremdkörper kann einen der zuführenden Bronchialäste verschließen. Als Folge sind die Lungenbläschen nicht mehr belüftet und bieten Bakterien ideale Bedingungen, um sich dort anzusiedeln.
  • Sekretstau: Bei bettlägerigen Menschen kommt es oft zu einem Sekretstau in den unteren Abschnitten der Lunge – die Bereiche sind dadurch schlecht belüftet und durchblutet, Keime können sich leicht ansiedeln.
  • Pumpschwäche des linken Herzens (sog. Linksherzinsuffizienz): Dies ist die Ursache für einen Rückstau des Bluts in der Lunge – der Blutdruck in den kleinen Gefäßen der Lunge steigt an und schädigt sie. In der Folge entsteht eine sogenannte Stauungspneumonie.
  • Lungenembolie: Ein Blutpfropf, der sich an einer Stelle der Blutbahnen (z.B. in den Beinvenen) gebildet hat, kann sich von dort lösen. Nachfolgend spült der Blutstrom ihn in die Lunge, wo er die Durchblutung stört und so das Risiko einer Lungenentzündung erhöht.
  • Atemwegsinfektionen: Während einer Atemwegsinfektion wie der Grippe beispielsweise sind die Lungenwege bereits vorgeschädigt. In diesen Fällen kann eine Lungenentzündung leicht als Zweitinfektion (Sekundärinfektion) auftreten.

Lungenentzündung: Symptome

Nicht jede Lungenentzündung (Pneumonie) ruft dieselben Symptome hervor. Welche Anzeichen bei einer Lungenentzündung auftreten, hängt vom Auslöser der Erkrankung ab.

Bakterielle Lungenentzündung

Meist sind Bakterien für eine Lungenentzündung verantwortlich, weshalb man eine bakterielle Lungenentzündung auch als typische oder klassische Lungenentzündung bezeichnet. Die bakterielle Lungenentzündung tritt meist im Winter auf. Erste Symptome der Lungenentzündung sind oft Schüttelfrost gefolgt von Fieber und Husten. Sie produzieren dabei einen Auswurf, der anfangs rostbraun, später meist gelb-grünlich gefärbt ist. Die Betroffenen fühlen sich häufig sehr krank. In vielen Fällen gehen einer bakteriellen Lungenentzündung  Anzeichen für einen Infekt des Hals- oder Rachenbereichs voraus.

Lösen Pneumokokken die bakterielle Lungenentzündung aus, ist ein häufiges Anzeichen hierfür ein steiler Fieberanstieg – nicht selten bis zu 40 Grad Celsius. Weitere häufige Symptome einer Lungenentzündung durch Pneumokokken sind eine schwere, oberflächliche und schnelle Atmung sowie Schmerzen beim Einatmen: Das Einatmen schmerzt, weil bei der Pneumokokken-Pneumonie oft gleichzeitig das Lungenfell entzündet ist (sog. Pleuritis).

Die für eine bakterielle Lungenentzündung typische Atemnot führt häufig zu einem Beben der Nasenflügel während der Atmung (sog. atemsynchrones Nasenflügeln) – dies ist vor allem bei kleinen Kindern ein wichtiges Anzeichen für die Lungenentzündung. Gelegentlich kann die bakterielle Pneumonie dazu führen, dass die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) weniger Sauerstoff transportieren als normalerweise – die Symptome hierfür zeigen sich vor allem an Lippen, Zunge oder Gliedmaßen (v.a. Finger, Zehen, Nase): Die Haut der betroffenen Stellen verfärbt sich bläulich-violett (sog. Zyanose).

Virale Lungenentzündung

Seltener lösen Viren eine Lungenentzündung aus. Da sie mit anderen Symptomen einhergeht, gilt die virale Lungenentzündung als sogenannte atypische Pneumonie. Da sie häufig ohne nennenswertes Fieber auftritt, nennt man sie umgangssprachlich auch kalte Lungenentzündung.

Kennzeichnend für die virale Lungenentzündung ist, dass die Symptome schleichender einsetzen als bei einer bakteriellen Pneumonie: Eine virale Lungenentzündung zeigt sich mit der Gesamtheit ihrer Symptome meist erst nach mehreren Tagen. Dabei stehen Kopfschmerzen und Gliederschmerzen im Vordergrund; Schüttelfrost ist nur selten ein Anzeichen der viralen Lungenentzündung. Der Husten hält lange an ist und für die Betroffenen quälend. Meist bildet sich kein Auswurf – falls doch, ist er eher klar und geruchlos.

Auch andere Symptome können bei einer atypischen Lungenentzündung fehlen: So verursacht eine virale Lungenentzündung wesentlich seltener akute Atemnot, außerdem kommt es nur in wenigen Fällen zu Schmerzen beim Einatmen. Die virale Lungenentzündung beginnt meist ohne Fieber: Die Körpertemperatur steigt oft nur langsam und dabei selten über 38,5 Grad Celsius. Allgemein fühlen sich Menschen mit einer viralen Lungenentzündung weniger krank als bei einer durch Bakterien ausgelösten Pneumonie.

Lungenentzündung: Diagnose

Bei einer Lungenentzündung (Pneumonie) ergeben sich die ersten Hinweise für die Diagnose aus den vorliegenden Beschwerden. Bei der körperlichen Untersuchung hört der Arzt vor allem die Lunge ab, denn bestimmte Geräusche können auf eine Lungenentzündung hinweisen.

Bei Verdacht auf eine Lungenentzündung kommen zur weiteren Diagnose folgende Untersuchungsmethoden zum Einsatz:

  • Röntgenuntersuchung: Liegen Hinweise auf eine Lungenentzündung vor, lässt der Arzt die Lunge röntgen. Auf dem Röntgenbild sind mögliche Entzündungszeichen als "Verschattungen" – Weißfärbungen auf dem Röntgenbild – zu sehen, die auf den Entstehungsort und mögliche Ursachen der Pneumonie hindeuten können. Das Röntgen der Lunge (Röntgen-Thorax) ist die aussagekräftigste aller Untersuchungen, wenn der Verdacht auf eine Lungenentzündung vorliegt.
  • Laboruntersuchungen: Sie dienen beim Verdacht auf eine Lungenentzündung dazu, im Blut und Speichel Krankheitserreger wie zum Beispiel Bakterien, Viren oder Pilze nachzuweisen.
  • Blutbild: Ein Blutbild kann bei einer Lungenentzündung zur Diagnose beitragen, indem es darauf hinweist, ob eine Entzündung im Körper vorliegt. Außerdem kann der Arzt anhand bestimmter Blutwerte Rückschlüsse auf die Art der Erreger ziehen: Lösen beispielsweise Bakterien eine Lungenentzündung aus, ist in der Regel die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) auffällig erhöht. Bei einer Infektion mit Viren hingegen steigt die Konzentration der Leukozyten meist nicht an, sondern fällt eventuell sogar etwas ab.

Um abschätzen zu können, ab wann eine Lungenentzündung einer intensiveren Behandlung im Krankenhaus bedarf, nutzen Ärzte den sogenannten CRB-65-Score. Dabei handelt es sich um ein Punktesystem, mit dem der Arzt das Risiko für einen lebensbedrohlichen Verlauf der Erkrankung einschätzen kann. Berücksichtigt werden dabei, ob beim Betroffenen durch die Erkrankung eine Verwirrtheit (Confusion) neu aufgetreten ist, sowie die Atemfrequenz (Respiratory Rate), der Blutdruck (Blood Pressure) und das Alter (≥ 65 Jahre).

Lungenentzündung: Das Bild zeigt eine Ärztin, die ein Röntgenbild betrachtet. © Jupiterimages/iStockphoto

Auf dem Röntgenbild sieht die Ärztin mögliche Entzündungszeichen.

Lungenentzündung: Behandlung

Was Sie selbst tun können

Wenn Sie eine Lungenentzündung (Pneumonie) haben, gibt es neben der ärztlichen Behandlung einiges, was Sie selbst tun können: So ist es empfehlenswert, sich möglichst zu schonen und im Bett auszuruhen. Außerdem ist es bei einer Lungenentzündung wichtig, ausreichend zu trinken – am besten Wasser, Fruchtschorle oder Kräutertee.

Zudem können Ihnen bei einer Lungenentzündung spezielle Atemübungen helfen, das Ein- und Ausatmen zu erleichtern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Er kann Ihnen Atemübungen zeigen, die sie unterstützend zur Behandlung regelmäßig selbst durchführen können.

Was der Arzt tun kann

Neben den selbst ergriffenen Maßnahmen ist bei einer Lungenentzündung für eine erfolgreiche Therapie einiges nötig, was nur der Arzt tun kann. Manchmal muss der Betroffene auch im Krankenhaus behandelt werden. In der Regel kommen verschreibungspflichtige Medikamente zum Einsatz. Je nachdem, welcher Krankheitserreger für die Lungenentzündung verantwortlich ist, setzt der Arzt folgende Arzneimittel ein:

  • Antibiotika bei einer bakteriellen Pneumonie
  • Antipilzmittel bei einer durch Pilze ausgelösten Lungenentzündung
  • Medikamente gegen Parasiten bei einer durch Parasiten ausgelösten Pneumonie

Sind Viren für die Lungenentzündung verantwortlich, können Medikamente den Verlauf der Erkrankung in der Regel nicht beeinflussen. Die Behandlung zielt in dem Fall darauf ab, mögliche Komplikationen zu vermeiden und konzentriert sich darauf, die Symptome zu lindern.

Lungenentzündung: Man sieht eine Hand mit Tabletten und ein Glas Wasser. © Jupiterimages/Polka Dot Images

Bei einer bakteriellen Pneumonie helfen Antibiotika.

Die meisten Lungenentzündungen entstehen durch Bakterien. Wenn Sie zum Beispiel eine typische Pneumokokken-Pneumonie haben, verspricht eine Antibiotika-Behandlung mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Penicilline gute Ergebnisse (z.B. mit Amoxicillin). Ist eine Lungenentzündung auf andere bakterielle Erreger – wie Mykoplasmen, Legionellen oder Chlamydien – zurückzuführen, kommen zur Behandlung meist Makrolid-Antibiotika, Fluorchinolone oder Cephalosporine zum Einsatz. Wenn sich die Lungenentzündung während eines Krankenhausaufenthalts entwickelt (sog. nosokomiale Pneumonie), werden meist zwei bis drei unterschiedliche Wirkstoffe zur Behandlung kombiniert, da die Erreger in stationären Einrichtungen häufiger resistent sind.

Oft ist es bei einer Pneumonie allerdings notwendig, eine Therapie zu beginnen, bevor der Erreger bekannt ist – das soll mögliche Komplikationen vermeiden. In diesem Fall erhalten Sie zunächst ein sogenanntes Breitband-Antibiotikum, das gegen viele verschiedene Keime wirkt. Sobald der Erreger der Lungenentzündung feststeht, stellt der Arzt die Behandlung in der Regel auf ein gezielter wirkendes Medikament um.

In einigen Fällen kann es bei einer Lungenentzündung zu schwerer Atemnot kommen, die zur Behandlung eine Sauerstoffgabe erforderlich macht. Führt die Pneumonie zu akutem Lungenversagen, kann eine künstliche Beatmung notwendig sein.

Lungenentzündung: Verlauf

Eine Lungenentzündung (Pneumonie) kann nach einer akuten Phase abklingen oder im weiteren Verlauf in eine langwierige (chronische) Lungenentzündung übergehen.

Prognose

Bei einer Lungenentzündung hängt der Verlauf von verschiedenen Faktoren ab: Mit welcher Prognose bei einer Lungenentzündung zu rechnen ist, bestimmen der verantwortliche Erreger, die Abwehrkräfte der Betroffenen und die eingesetzte Therapie. Bei jungen und gesunden Menschen heilt eine Lungenentzündung in der Regel ohne Komplikationen nach etwa sechs Wochen aus. Ein höheres Lebensalter sowie gesundheitliche Einschränkungen, beispielsweise an Herz oder Lungen, können den Verlauf der Infektion erschweren und die Dauer der Erkrankung verlängern.

Bei einer Lungenentzündung, die während eines Krankenhausaufenthalts entsteht (sog. nosokomiale Pneumonie), ist grundsätzlich mit einer schlechteren Prognose zu rechnen. Denn zum einen ist der Patient zu diesem Zeitpunkt durch den eigentlichen Grund seines Krankenhausaufenthalts in der Regel ohnehin geschwächt und zum anderen sind die Krankenhauskeime möglicherweise resistent gegen die verfügbaren Medikamente.

Komplikationen innerhalb der Lunge

Eine Lungenentzündung kann in ihrem Verlauf zu verschiedenen Komplikationen, die mit der Lunge zusammenhängen, wie zum Beispiel:

  • Sauerstoffmangel: Die Lungenentzündung kann das Atmen derart behindern, dass die Betroffenen nicht mehr genügend Sauerstoff aufnehmen und Kohlendioxid abatmen können – ein schwerer Sauerstoffmangel ist möglich (sog. respiratorische Insuffizienz).
  • Blutvergiftung: Die für die Lungenentzündung verantwortlichen Bakterien können sich über das Blut im ganzen Körper verteilen und zu einem Versagen verschiedener Organe (z.B. Herz, Nieren) führen. Eine solche Blutvergiftung (Sepsis) ist ein lebensbedrohlicher Zustand.
  • Pleuraerguss: Eine schwere Lungenentzündung kann dazu führen, dass sich Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustkorb ansammelt (sog. Pleuraerguss). Wenn der Pleuraerguss die Atmung des Betroffenen sehr stark behindert, kann ein Arzt die Flüssigkeit mithilfe einer Nadel entfernen (sog. Pleurapunktion).
  • Pleuraempyem: Eine mögliche Komplikation der Lungenentzündung ist auch, dass sich im Pleuraspalt Eiter ansammelt (sog. Pleuraempyem). Der Pleuraspalt ist der Raum zwischen dem Lungenfell, das die Lungen überzieht, und dem Rippenfell. Verklebungen zwischen Lungenfell und Rippenfell können die Folge sein. In der Lunge kann sich außerdem eine abgegrenzte Eiterhöhle bilden (sog. Lungenabszess).
  • Bronchiektasen: Verläuft eine Lungenentzündung langwierig (chronisch), können sich die Bronchien mit der Zeit erweitern (sog. Bronchiektasen) – unter Umständen treten dann weitere Komplikationen auf: So kann es beispielsweise zu Blutungen in der Lunge oder zu wiederholt auftretenden Entzündungen kommen. Das Problem häufiger Entzündungen besteht darin, dass sie zu einer Vernarbung des Lungengewebes führen (sog. Lungenfibrose). Ist das Lungengewebe vernarbt, kann es sich schlechter ausdehnen und das Atmen ist eingeschränkt. Die Vernarbung der Lunge bleibt ein Leben lang bestehen.

Komplikationen außerhalb der Lunge

Wenn die Erreger der Lungenentzündung sich im weiteren Verlauf im Körper verteilen, kann es auch zu Komplikationen außerhalb der Lunge kommen. Zu den möglichen Infektionen in anderen Organen gehören zum Beispiel:

Außerdem können sich bei einer Lungenentzündung mit langwierigem Verlauf infolge zu langer Bettruhe Blutgerinnsel bilden, die mit dem Blutstrom ins Gehirn oder in die Lunge gelangen und dort plötzlich die Blutgefäße verschließen (sog. Embolie). Dieser Komplikation beugt man bei bettlägerigen Patienten im Krankenhaus in der Regel mit blutverdünnenden Medikamenten vor. Bei sonst gesunden Menschen lässt sich solchen Vorfällen meist mit wenig belastenden Übungen oder Bewegungen entgegenwirken – Medikamente sind dazu nur selten nötig.

Lungenentzündung: Vorbeugen

Es gibt einige Maßnahmen, mit denen Sie einer Lungenentzündung (Pneumonie) vorbeugen können. So ist es beispielsweise ratsam, den Kontakt mit Menschen zu vermeiden, die akut von einer Lungenentzündung betroffen sind: Dadurch verhindern Sie, dass die Krankheitserreger über die Atemluft in Ihren Körper gelangen. Bei Rauchern lässt sich das Erkrankungsrisiko zudem mit einer Raucherentwöhnung positiv beeinflussen. Daneben kommt vorbeugend eine Impfung gegen Pneumokokken infrage, da diese häufig Ursache einer Lungenentzündung sind.

Pneumokokken-Impfung

Eine Lungenentzündung entsteht meist durch Bakterien – vor allem durch sogenannte Pneumokokken. Besonders anfällig sind Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist. Aus diesem Grund ist eine Pneumokokken-Impfung für folgende Personen empfehlenswert:

Bei Kleinkindern bis zum 24. Lebensmonat ist die Wirkung einer Pneumokokken-Impfung allgemein anerkannt und zählt zu den Standardimpfungen. Kinder bis zum Alter von 4 Jahren impft man mit einem Konjugat-Impfstoff gegen Pneumokokken. Kinder ab 5 Jahren und Erwachsene erhalten einen Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (PPV).

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt für die erwähnten Risikogruppen zudem eine jährliche Grippeimpfung, da eine Grippe die Entstehung einer Lungenentzündung begünstigen kann.

Lungenentzündung: Das Bild zeigt ein Kind, das eine Spritze bekommt. © Banana Stock Ltd.

Vor Pneumokokken-Infektionen kann eine Impfung schützen.

Gehören Sie zu einer der Personengruppen, die ein erhöhtes Risiko für eine Pneumokokken-Infektion oder Lungenentzündung haben? Dann sprechen Sie am besten Ihren Arzt darauf an, ob eine Pneumokokken-Impfung für Sie sinnvoll ist. Er kann Sie individuell beraten und Nutzen und Risiken mit Ihnen zusammen abwägen.

Lungenentzündung: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Lungenentzündung (Pneumonie)":

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Pneumococcal disease. Online-Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): www.who.int (Abrufdatum: 11.11.2016)

Pneumonia – Fact Sheet. Online-Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): www.who.int (Stand: September 2016)

Lungenentzündung. Online-Informationen des Helmholtz Zentrum München: www.lungeninformationsdienst.de (Abrufdatum: 11.11.2016)

Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2016: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 29.8.2016)

Arastéh, K., et al.: Duale Reihe Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Pneumonie ist nicht gleich Pneumonie. Pharmazeutische Zeitung online, Ausgabe 23/2013 www.pharmazeutische-zeitung.de (Juni 2013)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin: Epidemiologie, Diagnostik und Therapie erwachsener Patienten mit nosokomialer Pneumonie. AWMF-Reg.-Nr. 020/013 (Stand: 1.10.2012)

Baenkler, H.-W., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme Verlag, Stuttgart 2010

Leitlinie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie: Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen tiefen Atemwegsinfektionen (akute Bronchitis, akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis, Influenza und andere respiratorische Virusinfektionen) sowie ambulant erworbener Pneumonie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 082/001 (Stand: Juli 2009)

Epidemiologisches Bulletin Nr. 48/2007: Adenovirus-Infektionen: Zum Auftreten schwerer Pneumonien durch Serotyp 14. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: November 2007)

Bücheler, E., et al.: Einführung in die Radiologie: Diagnostik und Interventionen. Thieme, Stuttgart 2006

Stand: 11. November 2016

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst

Anzeige