Lipödem: Diagnose

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (06. April 2017)

Häufig kann der Arzt bereits anhand des typischen Aussehens der Beine (oder Arme) im Verhältnis zum (meist) schlanken Oberkörper die Diagnose Lipödem stellen. Ein deutlicher Hinweis auf die Erkrankung ist zudem, wenn die betroffenen Bereiche schmerzhaft auf Druck reagieren und der Patient berichtet, dass er sehr schnell blaue Flecken (Blutergüsse) bekommt.

Beim Abtasten der Haut fühlt der Arzt im Falle eines Lipödems eine Struktur, die kleinen Styroporkügelchen oder in späteren Stadien auch walnussgroßen Kugeln ähnelt. Die Haut fühlt sich außerdem eher weich an. Drückt man in das Gewebe, bleibt keine Delle zurück.

Beim sogenannten paradoxen Kneiftest kneift der Arzt in die Haut des Oberschenkels – einmal an der Beininnenseite und einmal an der Beinaußenseite. Bei einem Lipödem empfindet der Betroffene den Schmerz nun außen am Bein stärker als innen (normalerweise wird dies genau umgekehrt empfunden).

Eine Frau quetscht ihr linkes Bein mit beiden Händen zusammen: Bei einem Lipödem sieht die Haut anfangs Cellulite-ähnlich aus. © iStock

Bei einem Lipödem sieht die Haut anfangs Cellulite-ähnlich aus.

Der sogenannte Stemmer-Test kann dabei helfen, zu unterscheiden, ob es sich um ein Lipödem oder ein Lymphödem handelt. Hierfür greift der Arzt die Haut am zweiten Zeh und versucht, diese anzuheben. Bei einem Lipödem sollte das möglich sein ("negativer Stemmer-Test"), bei einem Lymphödem funktioniert dies dagegen meist nicht ("positiver Stemmer-Test"). Sofern die Erkrankung weiter fortgeschritten ist und zusätzlich ein Lymphödem besteht, kann der Stemmer-Test aber auch positiv ausfallen.

Theoretisch sind keine apparativen Methoden notwendig, um die Diagnose Lipödem zu stellen. Dennoch können weitere Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren zum Einsatz kommen. Eine Ultraschalluntersuchung der Beine (oder Arme) etwa kann weitere typische Anzeichen eines Lipödems zeigen: Hier erkennt der Arzt in der Regel, dass das Unterhautfettgewebe zugenommen hat und diffus eingelagertes Wasser aufweist. Mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) lässt sich eine verdickte Unterhaut nachweisen. Weitere mögliche Diagnose-Verfahren für ein Lipödem sind die indirekte Lymphangiographie und die Lymphszintigraphie, mit denen der Arzt Aufschluss darüber erhält, wie gut das Lymphsystem und der Lymphabfluss funktionieren.

Als Hinweis auf ein Lipödem gilt auch, wenn das Fettgewebe an den Beinen (oder Armen) nicht auf Diäten reagiert, der Körperrumpf aber schon.

Um sicherzugehen, dass es sich um ein Lipödem handelt, muss der Arzt außerdem bestimmte Erkrankungen ausschließen, die zu einem ähnlichen Beschwerdebild führen können. Zu diesen Erkrankungen zählen zum Beispiel:

  • die Lipohypertrophie: Hierbei vermehrt sich ebenfalls das Fettgewebe der Unterhaut, lagert jedoch kein Wasser ein und führt auch nicht zu Schmerzen durch Druck. (Möglicherweise kann sich im späteren Verlauf aus einer Lipohypertrophie auch ein Lipödem entwickeln – hierzu sind jedoch weitere Studien notwendig.)
  • das primäre Lymphödem: Das primäre Lymphödem ist erblich bedingt. Das angeschwollene Gewebe reagiert nicht schmerzhaft auf Druck und im Unterschied zum Lipödem schwillt meist die Oberseite der Füße mit an.
  • das Phlebödem: Im Rahmen einer chronischen Venenschwäche kann es zu Ödemen im Bereich der Beine kommen.
  • der Morbus Dercum (Adipositas dolorosa): Bei dieser Erkrankung sammelt sich ebenfalls Fett im Bereich der Beine an (Füße ausgenommen) und führt zu Schmerzen. Die Erkrankung tritt jedoch in der Regel erst in den Wechseljahren auf.
  • der Morbus Madelung: Diese Erkrankung betrifft vorwiegend Männer. Hier vermehrt sich das Fettgewebe je nach Erkrankungstyp
    • entweder im Hals-Nacken-Bereich
    • oder an den Schultern, zwischen den Schulterblättern und an den Oberarmen
    • oder im Bereich des Beckens.
  • Adipositas: Bei starkem Übergewicht (Adipositas) kommt es zwar auch zu einer Fettvermehrung, jedoch nimmt das Fett hier am ganzen Körper zu und nicht nur an den Beinen (oder Armen).


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