Lebensmittelallergie (Nahrungsmittel­allergie)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (27. Oktober 2017)

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Wenn nach dem Essen Symptome wie Hautreaktionen, Schnupfen, Asthma, Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen auftreten, ist manchmal eine Lebensmittelallergie (Nahrungsmittelallergie) die Ursache. In Deutschland sind knapp fünf Prozent der Bevölkerung von einer Allergie gegen Lebensmittel betroffen.

Was ist eine Lebensmittelallergie?

Eine Lebensmittelallergie ist eine Unverträglichkeitsreaktion auf bestimmte Nahrungsmittel, die vom Immunsystem ausgeht. Die Überempfindlichkeit ist die Folge einer gesteigerten Reaktion der körpereigenen Abwehr auf bestimmte Inhaltsstoffe in den Lebensmitteln.

Wichtig zu wissen: Eine Lebensmittelallergie ist nicht dasselbe wie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit (Nahrungsmittelintoleranz). Bei einer Lebensmittelallergie ist die Ursache der Beschwerden eine Fehlreaktion des Immunsystems. Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit liegt die Ursache dagegen in einer Störung des Stoffwechsels. Das heißt, die Beschwerden entstehen zum Beispiel, weil bestimmte Enzyme fehlen oder im Darm Transportsysteme zur Aufnahme von Nährstoffen nicht richtig funktionieren.

Lebensmittelallergie: Das sind die Ursachen

Eine Lebensmittelallergie (Nahrungsmittelallergie) hat dieselben Ursachen wie jede andere Allergie: eine Fehlregulation und überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte, eigentlich harmlose Eiweiße, die man dann als Allergene bezeichnet.

Typische Nahrungsmittel, die eine allergische Reaktion auslösen können, sind:

  • Milch und Milchprodukte
  • Eier
  • Fische
  • Schalentiere und Krustentiere (Garnelen, Krabben, Hummer, Langusten, Krebse)
  • Äpfel
  • Sellerie
  • Karotte
  • Nüsse
  • Erdnüsse
  • Samen
  • Roggenmehl
  • Paprika
  • Gewürze
  • Sojabohnen

Eine allergische Reaktion auf Lebensmittel kann ihre Ursachen auch in einer sogenannten Kreuzallergie haben. Für viele allergische Reaktionen auf Gemüse- und Obstsorten (z.B. Paprika, Apfel, Ananas), Gewürze oder Nüsse ist zum Beispiel eigentlich eine Pollenallergie verantwortlich. Solche Kreuzallergien entstehen dadurch, dass die für die Pollenallergie verantwortlichen Allergene eine ähnliche Struktur haben wie bestimmte Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln. Bei einer Latexallergie wiederum kann der Verzehr von Lebensmitteln (z.B. Banane, Avocado, Kiwi) eine Allergie auslösen, wenn die Lebensmittel vor dem Verkauf mit Latexhandschuhen in Berührung kamen.

Meist tritt die allergische Reaktion bei einer Nahrungsmittelallergie innerhalb von wenigen Minuten nach Kontakt mit dem Allergen auf (bei Allergie vom Soforttyp I). In seltenen Fällen zeigen sie sich erst nach Stunden (bei Allergie vom Spättyp IV).

Wie häufig kommen Lebensmittelallergien vor?

Man schätzt, dass etwa 5 Prozent der Bevölkerung eine Lebensmittelallergie haben. Die Häufigkeit, mit der bestimmte Lebensmittel eine Allergie auslösen, ist dabei je nach Altersgruppe verschieden. Bei Babys kommen vor allem Allergien gegen Grundnahrungsmittel vor – wie zum Beispiel  Milchallergie, Hühnereiweißallergie, Sojaallergie oder Weizenallergie. Jugendliche und Erwachsene haben dagegen häufiger eine Nahrungsmittelallergie gegen Obst, Gemüse, Gewürze oder Nüsse.

Lebensmittelallergie: Mögliche Symptome

Eine Lebensmittelallergie (Nahrungsmittelallergie) kann unterschiedliche Symptome hervorrufen. Allergische Beschwerden auf Nahrungsmittel können sowohl Haut und Schleimhäute als auch den Hals-Nasen-Ohren-Bereich, die Lunge oder den Magen-Darm-Trakt betreffen.

Am häufigsten führt eine Lebensmittelallergie zu Hautbeschwerden. Etwa jede zweite Allergie gegen Lebensmittel verursacht Hautreaktionen wie zum Beispiel Rötungen, Schwellungen, Quaddeln oder Ekzeme.

Gelegentlich sind auch die Atemwege von einer Nahrungsmittelallergie betroffen. Die möglichen Anzeichen reichen von Niesattacken und Schnupfen über Husten und Verschleimung bis hin zu Asthma.

In selteneren Fällen treten bei einer Lebensmittelallergie Symptome im Mundraum auf, zum Beispiel in Form einer Schwellung von Lippen, Gaumen oder Zunge verbunden mit Juckreiz.

Eine Nahrungsmittelallergie kann auch den Magen-Darm-Trakt beeinflussen. Mögliche Symptome sind hier Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen oder Verstopfung.

Die mit einer Lebensmittelallergie verbundenen Symptome können sich durch Alkohol, körperliche Anstrengung und Stress verstärken.

Fällt die allergische Reaktion auf ein Nahrungsmittel sehr stark aus, kann es unter Umständen zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen.

Lebensmittelallergie: So stellt der Arzt die Diagnose

Bei einer Lebensmittelallergie (Nahrungsmittelallergie) ist die Diagnose recht schwierig. Ein Grund hierfür ist die Vielzahl möglicher Auslöser. Um eine Lebensmittelallergie sicher festzustellen, ist es erforderlich, eine Sensibilisierung auf bestimmte Allergene nachzuweisen.

Bei Verdacht auf eine Lebensmittelallergie beginnt die Diagnose immer mit einem Gespräch, um zu klären, wo und wie die Symptome erstmals auftraten. Hierzu ist es hilfreich, zuvor mehrere Wochen lang ein Tagebuch zu führen, in dem man alle verzehrten Nahrungsmittel und auftretenden Symptome festhält. Auf diese Weise gelingt es oft schon, mögliche Allergie-Auslöser zu identifizieren.

Um den Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie zu erhärten, kommt anschließend ein Allergietest zum Einsatz. Als Standardtest bei der Lebensmittelallergie gilt der Prick-Test. Anders als bei Allergenen, die über die Atemwege in den Körper gelangen (wie z.B. bei eine Pollenallergie), stehen bei Nahrungsmitteln jedoch keine standardisierten Testlösungen für Allergietests zur Verfügung. Außerdem werden bei der Herstellung der Testlösungen für pflanzliche Nahrungsmittel die allergieauslösenden Bestandteile mitunter leicht zerstört.

Wer sich auf eine Lebensmittelallergie testen lässt, muss also damit rechnen, dass die Testergebnisse bei Prick-Tests nur begrenzt aussagekräftig sind. Alleine reicht ein Prick-Test deshalb im Grunde nicht aus, um eine Nahrungsmittelallergie sicher festzustellen oder auszuschließen.

Daher ist bei einer Lebensmittelallergie neben den Hauttests eine Blutuntersuchung ein wichtiges Diagnosemittel. Hierfür stehen zahlreiche Testmethoden zur Verfügung, von denen die Bestimmung der spezifischen Antikörper (RAST, Radio-Allergo-Sorbent-Test) den höchsten Stellenwert hat.

Je nachdem, wie eindeutig die Testergebnisse den Verdacht auf die Lebensmittelallergie bestätigen, ist zur weiteren Diagnose eine sogenannte Karenzdiät sinnvoll. Bei dieser meidet man jene Nahrungsmittel beziehungsweise Inhaltsstoffe, von denen man annimmt, dass sie die Allergie auslösen. Bessern sich die Beschwerden dadurch, kann abschließend ein Provokationstest auf einzelne Allergene zum Einsatz kommen. Ziel beider Maßnahmen ist es, zu überprüfen wie der Körper auf die Lebensmittel reagiert.

Lebensmittelallergie: Therapie

Bei einer Lebensmittelallergie (Nahrungsmittelallergie) besteht die Therapie in erster Linie darin, die allergieauslösenden Nahrungsmittel zu meiden. Mediziner nennen das Karenzkost. Dabei ist es wichtig, Lebensmittel nicht einfach komplett wegzulassen, denn so kann es rasch zu einer einseitigen Ernährung kommen. Stattdessen ist das Ziel, trotz der Allergie für eine ausgewogene Ernährung zu sorgen. Hierbei kann eine auf Allergien spezialisierte Ernährungsberatung helfen.

Damit Nahrungsmittelallergiker die jeweiligen Allergene meiden können, müssen Hersteller die zwölf häufigsten Allergieauslöser auf verpackter Ware kennzeichnen. So sieht es die geltende Verordnung zur Allergenkennzeichnung vor. Zu diesen Allergieauslösern zählen Nüsse, Milch, Eier, Erdnüsse, Fisch, Sesam, Krebstiere, Gluten, Soja, Sellerie, Senf, Schwefeldioxid (über 10 Milligramm pro Kilogramm) und jeweils daraus hergestellte Produkte. Dennoch können Spuren einer Zutat auch unbeabsichtigt beim Herstellungsprozess in die Lebensmittel gelangen und bei einer bestehenden Lebensmittelallergie allergische Reaktionen auslösen.

Selbst wenn Betroffene die allergieauslösenden Lebensmittel oder Inhaltsstoffe mit größter Sorgfalt meiden, sollten sie daher immer im Hinterkopf haben, dass ein rasches Eingreifen nötig werden kann. Denn es kann schnell passieren, dass man versehentlich Allergene in versteckter Form aufnimmt und eine akute allergische Reaktion entwickelt. Ohne ausreichende Gegenmaßnahmen kann dann im schlimmsten Fall ein lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock infolge der Nahrungsmittelallergie entstehen.

Für Lebensmittelallergiker ist es daher trotz Karenzkost ratsam, jederzeit ein Notfall-Set mit sich zu führen, das Folgendes enthält:

Gegen leichtere allergische Beschwerden eignet sich ebenfalls eine Behandlung mit Wirkstoffen aus der Gruppe Antihistaminika und Glukokortikoide.

Löst die Nahrungsmittelallergie vor allem Beschwerden im Magen-Darm-Trakt aus, können Betroffene über kurze Zeit Cromoglicinsäure einnehmen.

Bei allergischen Hautreaktionen wie Ekzemen ist es empfehlenswert, die Haut zusätzlich mit Wirkstoffen wie Dexpanthenol oder Urea zu pflegen. So lässt sich die gestörte Schutzfunktion wiederherstellen.

Wer eigentlich wegen einer Pollenallergie auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagiert, für den kommt möglicherweise eine Hyposensibilisierung gegen die auslösenden Pollen als Behandlung infrage. Eine Hyposensibilisierung gegen bestimmte Nahrungsmittel beziehungsweise Inhaltsstoffe ist dagegen bislang noch nicht möglich.

Lebensmittelallergie: Verlauf

Prognose

Bei einer Lebensmittelallergie (Nahrungsmittelallergie) hängt der Verlauf auch davon ab, in welchem Alter die erste allergische Reaktion auftritt. Eine im Säuglingsalter einsetzende Lebensmittelallergie ist häufig zeitlich begrenzt und entwickelt sich oft bis zum sechsten Lebensjahr zurück. Die Prognose für Lebensmittelallergiker im Erwachsenenalter ist dagegen weniger günstig. In den meisten Fällen bleibt eine Lebensmittelallergie bei Erwachsenen ein Leben lang bestehen.

Mögliche Komplikationen

Bei manchen Betroffenen genügen schon kleine Mengen eines Lebensmittels, um eine starke allergische Reaktion auszulösen. Im schlimmsten Fall tritt möglicherweise einen anaphylaktischer Schock auf.

Kann man einer Lebensmittelallergie vorbeugen?

Einer Lebensmittelallergie (Nahrungsmittelallergie) lässt nicht sicher vorbeugen.

Bei einer bestehenden Lebensmittelallergie können Sie einer allergischen Reaktion weitgehend vorbeugen, indem Sie folgende Tipps beachten:

  • Verzehren Sie eher verarbeitete als rohe Lebensmittel. Denn einige Allergieauslöser (sog. Allergene) in Nahrungsmitteln (v.a. in Obst und manchen Gemüsesorten) lassen sich zerstören, indem man sie erhitzt, zerkleinert oder säuert.
  • Nüsse, Sellerie und die meisten tierischen Lebensmittel enthalten eher hitzestabile Allergieauslöser, sodass Sie auf diese Lebensmittel am besten ganz verzichten.
  • Achten Sie beim Kauf von Lebensmitteln auf die Allergenkennzeichnung auf der Verpackung.
  • Erkundigen Sie sich beim Kauf von unverpackten verarbeiteten Produkten (z.B. Brot vom Bäcker), ob diese versteckte Allergieauslöser enthalten könnten (wie Milch, Ei, Weizen, Soja oder Sellerie).
  • Seien Sie besonders vorsichtig beim Verzehr von Fertigprodukten, Soßen, Puddings und Feinkostsalaten, da diese ebenfalls versteckte Allergene enthalten können.
  • Meiden Sie Lebensmittel, die viel Histamin enthalten, also zum Beispiel Käse, Hefe, Spinat und Rotwein. Sie können eine allergische Reaktion verstärken.
  • Besteht eine Hühnereiweißallergie, ist Vorsicht bei Impfungen geboten. Denn die Züchtung mancher Impfstoffe erfolgt auf Hühnereiern.

Liegt bei Ihrem Kind eine Lebensmittelallergie vor, sollten Sie sowohl Ihr Kind als auch alle Kontaktpersonen über die Allergie in Kenntnis setzen. Klären Sie diese außerdem darüber auf, wie man eine akute allergische Reaktion richtig behandelt. Denn einige Kinder und Jugendliche entwickeln trotz bekannter Nahrungsmittelallergie teils schwere allergische Reaktionen, weil sie die allergieauslösenden Lebensmittel versehentlich oder manchmal auch wissentlich aufnehmen. In etwa jedem zweiten Fall stammen die auslösenden Lebensmittel nicht von den Eltern.

Lebensmittelallergie: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Lebensmittelallergie (Nahrungsmittel­allergie)":

Onmeda-Lesetipps:

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Infos zur Krankheit

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Quellen:

Lebensmittelallergie: Online-Informationen des Deutschen Allergie- und Asthmabunds e.V. (DAAB): www.daab.de (Abrufdatum: 25.10.2017)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Allergieprävention. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/016 (Stand: Juli 2014)

Langen, U., et al.: Häufigkeit allergischer Erkrankungen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt, Nr. 56, S. 698-706 (Mai 2013)

Fleischer, D. M., et al.: Allergic Reactions to Foods in Preschool-Aged Children in a Prospective Observational Food Allergy Study. Pediatrics Volume 130, Number 1 (Juli 2012)

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Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI) und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): (Allergen-) spezifische Immuntherapie bei IgE vermittelten allergischen Erkrankungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/004 (Stand: Oktober 2014)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI): In-vitro-Diagnostik und molekulare Grundlagen von IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/008 (Stand: Februar 2009)

Henzgen, M., et al.: Hauttestungen mit Nahrungsmittelallergenen. Allergo Journal 2008; 17: 401-6 (April 2008)

Jäger, L., Wüthrich, B., Ballmer-Weber, B., Vieths, S. (Hg.): Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen. Urban & Fischer, München 2008

Aktualisiert am: 27. Oktober 2017