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Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Laktase (Milchzucker spaltendes Enzym)

Stand: 29. Oktober 2010Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

Das Enzym Laktase wird in den Schleimzellen des Dünndarms gebildet und spaltet Laktose in Glukose und Galaktose. Um den Milchzucker in der Muttermilch verdauen zu können, benötigen Säuglinge sehr große Mengen an Laktase. Sobald die Muttermilch nicht mehr das zentrale Nahrungsmittel ist, nimmt die Laktaseproduktion ab. Ein "Rest" an Laktase bleibt vielen Menschen allerdings erhalten, um auch im Erwachsenenalter Milch verdauen zu können.

Eine Verbindung zwischen der Aufnahme von laktosehaltigen Lebensmitteln und Durchfällen bei Kindern wurde zum ersten Mal 1901 beobachtet. Doch erst in den letzten Jahren erkennt man hierzulande mehr und mehr die Bedeutung der Laktoseintoleranz beziehungsweise Milchzuckerunverträglichkeit als Ursache von Magen-Darm-Beschwerden.

Häufigkeit

Eine Laktoseintoleranz oder Milchzuckerunverträglichkeit kommt weltweit häufig vor. Genau genommen handelt es sich dabei weniger um eine Krankheit, sondern um eine bestimmte Eigenschaft vieler Menschen. Viele Menschen vertragen weder Milch noch Milchprodukte. Insgesamt schätzt man, dass über die Hälfte der Gesamtbevölkerung eine mehr oder weniger ausgeprägte Milchzuckerunverträglichkeit hat.

Dabei tritt die Laktoseintoleranz regional unterschiedlich häufig auf. In Deutschland sind schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen. Auch in anderen europäischen Ländern und in Amerika ist diese Unverträglichkeit weit verbreitet. Am häufigsten jedoch scheint sie, mit jeweils über 90 Prozent Bevölkerungsanteil, in Schwarzafrika und China vorzukommen. Forscher nehmen an, dass die Laktoseintoleranz beim Erwachsenen der "Normalzustand" des Menschen war und in vielen Völkergruppen auch weiterhin ist. Babys sind zwar in den ersten Lebensmonaten auf Muttermilch angewiesen und benötigen Laktase zur Verdauung der Milch. Erwachsene können ihren Nährstoffbedarf im Gegensatz zu Säuglingen jedoch aus verschiedenen Quellen decken und sind dabei nicht auf Milch angewiesen. Im Laufe der Menschheitsgeschichte spielte Milchviehhaltung eine immer größere Rolle; Menschen tranken Milch und stellten Milchprodukte her. In diesem Zusammenhang könnten sich dann im Laufe der Menschheitsgeschichte in bestimmten Bevölkerungsgruppen solche Genvarianten durchgesetzt haben, welche auch Erwachsenen den Genuss von Milchprodukten ermöglichen. Eine Laktoseintoleranz ist also weniger eine Krankheit, sondern vielmehr "Normalzustand". Dagegen ist die "Milchzuckerverträglichkeit" eine genetische Spielart im Erbgut einiger Menschen.

Die Zahl der "neu entdeckten" Fälle von Laktoseintoleranz hat hierzulande in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Ein Grund mag sein, dass durch bessere Aufklärung und Gesundheitsinformationen sowohl Ärzte als auch Betroffene immer stärker auf das Thema Laktoseintoleranz aufmerksam geworden sind. So wird eine hohe Dunkelziffer an laktoseintoleranten Menschen aufgedeckt, welche möglicherweise seit Jahren an unklaren Magen-Darm-Beschwerden leiden.

Weiterlesen: Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit): Ursachen

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