Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur): Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (25. Februar 2016)

Bei einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) zielt die Therapie darauf ab,

  • das Gelenk zu stabilisieren,
  • Schwellungen und Schmerzen im Knie zu verringern,
  • die Berufs- und Sportfähigkeit wiederherzustellen und
  • die Lebensqualität zu steigern.

Als Erstversorgung direkt nach dem Kreuzbandriss ist es ratsam, dass Sie das Bein schonen und hoch lagern, das Knie kühlen und einen Druckverband anlegen (sog. PECH-Regel). Gegen die mit dem Kreuzbandriss verbundenen Schmerzen stehen zur Therapie verschiedene Schmerzmittel (Analgetika), kortisonfreie Entzündungshemmer (nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR), direkt per Spritze in das Gelenk verabreichte Kortisonpräparate und SYSADOA (Symptomatic Slow Acting Drugs in Osteoarthritis) zur Verfügung. Welche Behandlungsmaßnahmen anschließend zum Einsatz kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab – zum Beispiel davon, wie alt Sie sind, ob Sie sportlich aktiv sind und ob Ihr vorderes oder Ihr hinteres Kreuzband gerissen ist.

Konservative Therapie

Wenn das Ausmaß der Knieverletzung es erlaubt, kann nach einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) eine nicht-operative Therapie ausreichen: Eine rein konservative Therapie kommt zum Beispiel dann infrage, wenn Sie sportlich nicht aktiv sind oder eine Operation aus Altersgründen nicht ratsam ist. Außerdem ist allgemein bei einem hinteren Kreuzbandriss die konservative Behandlung gebräuchlicher als bei vorderen Kreuzbandrupturen. Wenn Ihr hinteres Kreuzband gerissen ist oder wenn Sie körperlich wenig aktiv sind, können Sie durch gezieltes und konsequentes Aufbautraining der Oberschenkelmuskulatur nach dem Kreuzbandriss eine so gute Führung und Stabilität des Kniegelenks erreichen, dass die Knieverletzung ohne Operation zu handhaben ist.

Die gegen einen Kreuzbandriss eingesetzte konservative Therapie beginnt sofort nach dem ursächlichen Unfall mit einer Kältetherapie und Physiotherapie. Um das Kniegelenk während der Heilung zu entlasten, können Sie bei Bedarf außerdem Unterarmgehstützen und Knieschienen verwenden, bis Sie keine Schmerzen mehr haben. Es ist jedoch wichtig, dass Sie – sobald es möglich ist – das betroffene Knie beim Gehen wieder normal belasten. Das wichtigste Mittel zur Behandlung der Kreuzbandruptur ist der Muskelaufbau, bei dem sowohl die Beuge- als auch die Streckmuskulatur zu kräftigen ist.

Operation

Bei einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) besteht die Therapie meist in einer Operation, wenn Sie körperlich aktiv sind und Ihr vorderes Kreuzband gerissen ist. Ist Ihr hinteres Kreuzband gerissen, erfolgt eine Operation meist erst dann, wenn die konservative Behandlung versagt hat und Ihr Knie fortdauernd instabil bleibt.

Wenn Ihr Kreuzbandriss eine Operation notwendig macht, kann die operative Therapie sofort (innerhalb der ersten Stunden nach dem Unfall) oder später (nach Abklingen der Entzündungsphase, wenn Sie das Knie wieder ganz strecken und einigermaßen beugen können) erfolgen. In den meisten Fällen findet die Operation vier bis sechs Wochen nach der Kreuzbandruptur statt. Nachteile bei einem operativ behandelten Kreuzbandriss sind die lange Dauer der Reha und der Arbeitsunfähigkeit (etwa 16 Wochen).

Da es nicht den nötigen Erfolg verspricht, den Kreuzbandriss zu nähen, besteht die Therapie in der Regel darin, das gerissene Kreuzband im Knie durch ein Transplantat zu ersetzen. Zur Kreuzbandriss-Operation sind nur kleine Schnitte nötig: Der Operateur bringt das Sehnentransplantat mithilfe einer Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) im Verlauf des Kreuzbands über Bohrkanäle im Oberschenkelknochen und Schienbein an und befestigt es dort (z.B. mit Schrauben).

Als Sehnentransplantat für die operative Kreuzbandriss-Therapie eignet sich besonders ein Teil der eigenen Sehne zwischen Kniescheibe und Schienbein (sog. Patellasehne). Daneben kommen auch häufig die eigene Semitendinosussehne (vom Oberschenkel) oder selten von Leichen entnommene Sehnen zum Einsatz. Der Vorteil bei der Semitendinosussehne besteht vor allem darin, dass die Entnahmestelle weniger schmerzhaft verheilt als die der Patellasehne. Bekommen Sie ein Transplantat eines Toten, entfallen diese Schmerzen aufgrund der fehlenden Entnahme ganz, allerdings können Sie dann Abstoßungsreaktionen entwickeln.

Bei einem vorderen Kreuzbandriss erzielt die operative Therapie in der Regel erfreuliche Ergebnisse: Die Chancen, dass Sie anschließend wieder uneingeschränkt Sport treiben können, stehen gut. Rund acht von zehn Patienten erreichen denselben Leistungsstand wie vor der Operation. Bei der hinteren Kreuzbandruptur sind die Erfolgsaussichten der Kreuzbandrekonstruktion zwar geringer, dennoch ist das Knie nach der Kreuzbandriss-Operation meist wieder ausreichende stabil.

Nachbehandlung

Bei einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) ist im Anschluss an die operative Therapie eine Nachbehandlung erforderlich, um den Behandlungserfolg zu gewährleisten: Da Sie nach der Operation das vom Kreuzbandriss betroffene Kniegelenk nicht sofort vollständig belasten dürfen, legt der Arzt Ihnen eine spezielle Schiene an. Diese Knieschiene müssen Sie – je nach Stabilität des Kreuzbandersatzes – sechs bis zwölf Wochen tragen. Begleitend dazu erfolgt eine Krankengymnastik nach operativ behandeltem Kreuzbandriss, bei der Sie vor allem die Oberschenkelmuskulatur trainieren und das Knie schrittweise immer häufiger und mehr belasten.


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