Kretinismus: Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (15. April 2015)

Für einen Kretinismus kommen verschiedene Ursachen infrage, die aber eines gemeinsam haben: Sie verursachen einen Mangel an Schilddrüsenhormonen beim ungeborenen Kind und somit eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion (bzw. kongenitale Hypothyreose).

Ein Schilddrüsenhormonmangel beim Ungeborenen, der unbehandelt zum Kretinismus mit Wachstumsverzögerung und geistiger Minderentwicklung führt, kann durch einen Jodmangel der werdenden Mutter entstehen: Jod ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone – fehlt es, kann der Körper auch die Schilddrüsenhormone nicht mehr ausreichend bilden. Doch gerade in der frühen Entwicklungsphase sind die Schilddrüsenhormone wichtig für das körperliche Wachstum und die geistige Entwicklung des Kindes. Ein Mangel kann daher eine Unterentwicklung bis hin zum Kretinismus verursachen.

Weltweit ist der Jodmangel die häufigste Ursache für die Schilddrüsenunterfunktion. Ein Jodmangel während der Schwangerschaft kann zum Beispiel in sogenannten Jodmangelgebieten auftreten, wo Böden und Wasser kaum Jod enthalten. In Deutschland besteht dieses Problem jedoch – dank der mit Jod angereicherten Nahrungsmittel – kaum noch. Dennoch können bestimmte Essgewohnheiten (z.B. Verzicht auf jodiertes Speisesalz) in Einzelfällen immer noch einen Jodmangel verursachen.

Auch wenn eine Schwangere übermäßig viel Jod aufnimmt (sog. Jodexzess), kann dies einen Kretinismus beim Kind hervorrufen. Seltenere Ursachen für einen Schilddrüsenhormonmangel während der Schwangerschaft und somit für einen möglichen Kretinismus beim Kind sind zu hoch dosierte Medikamente gegen eine Schilddrüsenüberfunktion (sog. Thyreostatika).

Kretinismus kann außerdem auftreten, wenn die Schilddrüse nicht oder nicht richtig angelegt ist beziehungsweise nicht ausreichend funktioniert. Fehlt die Schilddrüse, sprechen Mediziner von einer Athyreose, ist sie unterentwickelt von einer Schilddrüsenhypoplasie. Diese Fehlbildungen treten meistens zufällig auf. Nur selten hat eine solche gestörte Schilddrüsenentwicklung erbliche Ursachen.

Ein Kretinismus kann auch dadurch entstehen, dass die gesamte Schilddrüse verlagert ist: Dies bedeutet, dass sich die Schilddrüse an einer anderen Stelle im Körper befindet und somit ihre Aufgaben nicht erfüllen kann. Ein typischer Platz für verlagertes Schilddrüsengewebe ist zum Beispiel der Zungengrund. Ein solches sogenanntes Zungengrundstruma oder eine anderweitig verlagerte Schilddrüse nennen Mediziner eine ektopische Schilddrüse.

Die für Kretinismus verantwortliche Störung der Schilddrüsenfunktion kann in seltenen Fällen auch durch Enzymdefekte entstehen. Enzyme steuern unter anderem den Stoffwechsel: Sie fördern oder hemmen biochemische Prozesse. Wenn Enzyme, die für die Herstellung der Schilddrüsenhormone wichtig sind, fehlen, verursacht dies einen Hormonmangel – und ohne entsprechende Behandlung einen Kretinismus.

Kretinismus ist aber trotz Schilddrüsenfunktionsstörung vermeidbar: Rechtzeitig behandelt kann sich das betroffene Kind völlig normal entwickeln!


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