Kreisrunder Haarausfall: Ursachen & Behandlung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (21. September 2017)

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Ein kahler Fleck am Kopf, ein "Loch" in den Augenbrauen, haarlose Stellen im Bart: Kreisrunder Haarausfall kann überall dort auftreten, wo Haare wachsen. Gefährlich ist er nicht, aber er kann die Betroffenen psychisch belasten. Was ist die Ursache? Und wie lässt er sich stoppen?

Was ist kreisrunder Haarausfall?
Von kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) spricht man, wenn einem Menschen plötzlich innerhalb kurzer Zeit an vereinzelten Stellen die Haare ausfallen. Es entstehen kahle, runde bis ovale Areale, die je nach Ort rasch auch für Außenstehende sichtbar werden.

In Deutschland sind etwa 1,5 Millionen Menschen von kreisrundem Haarausfall betroffen. Er tritt familiär gehäuft auf und entwickelt sich vorwiegend bei jungen Menschen: Zwischen 70 und 80 von hundert Betroffenen sind jünger als 40 Jahre. Männern sind häufiger betroffen als Frauen.

Bei den meisten Menschen mit kreisrundem Haarausfall bilden sich die kahlen Flecken innerhalb von drei Jahren spontan zurück. Allerdings kann die Krankheit in regelmäßigen Schüben immer wieder in Erscheinung treten.

Mediziner unterscheiden verschiedene Arten des kreisrunden Haarausfalls. Die Einteilung richtet sich nach dessen Ausmaß:

  • Alopecia areata unilocularis: Nur eine Stelle ist betroffen.
  • Alopecia areata multilocularis: Mehrere Stellen sind betroffen.
  • Alopecia areata subtotalis: Nahezu das gesamte Kopfhaar fällt aus.
  • Alopecia areata totalis: Das gesamte Kopfhaar fällt aus.
  • Alopecia areata universalis: Alle Körperhaare fallen aus.
  • Ophiasis-Typ: Hierbei handelt es sich um eine besondere Verlaufsform der Alopecia areata, die vor allem die Randbereiche des behaarten Kopfes befällt: meist den Nacken, mitunter aber auch Schläfen oder Stirn.

Kreisrunder Haarausfall: Was ist die Ursache?

Die Ursache des kreisrunden Haarausfalls ist noch nicht endgültig geklärt. Mediziner vermuten, dass eine Störung des körpereigenen Abwehrsystems für die Entstehung verantwortlich ist: Immunzellen greifen Haarfollikel an und diese entzünden sich. Dadurch kommt das Haarwachstum zum Stillstand und die Haare fallen aus.

Diese Autoimmunreaktion scheint mit bestimmten erblichen Faktoren zusammenzuhängen. Wenn ein Elternteil kreisrunden Haarausfall hat, beträgt das Risiko, dass auch das Kind daran erkrankt, etwa sechs Prozent. Das Erkrankungsrisiko in der Allgemeinbevölkerung liegt hingegen nur bei etwa ein bis zwei Prozent.

Gewisse Erkrankungen treten häufig gemeinsam mit kreisrundem Haarausfall auf:

Zudem erkrankt jeder zehnte Mensch mit Down-Syndrom im Laufe seines Lebens an kreisrundem Haarausfall.

Bei manchen Betroffenen beginnt der Haarausfall in psychisch belastenden Phasen. Allerdings gibt es bislang keine Belege für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen psychischen Faktoren und Alopecia areata.

Kreisrunder Haarausfall: Symptome

Die Symptome sind sehr charakteristisch: Besonders am Kopf bilden sich an einer oder mehreren Stellen innerhalb kurzer Zeit kreisrunde bis ovale kahle Flecken unterschiedlicher Größe, die teilweise bis zur völligen Kahlheit führen können. Die Bereiche sind scharf begrenzt.

Im Randbereich der betroffenen Stelle finden sich häufig kurze, dicke Haare (sog. Kolbenhaare), die sich leicht herausziehen lassen. Typisch sind auch sogenannte "Ausrufezeichenhaare". Diese verjüngen sich nach unten hin, werden also schmaler. Das liegt daran, dass bei diesen Haaren die Verhornung (sog. Keratinisierung) gestört abläuft.

Im weiteren Verlauf fallen auch diese Haare aus. So breiten sich die kahlen Stellen immer weiter aus und können ineinander übergehen. 

Kreisrunder Haarausfall betrifft vor allem den Kopf, mitunter aber auch andere behaarte Körperstellen, zum Beispiel

  • die Schambehaarung,
  • den Bart,
  • die Augenbrauen und Wimpern.

In der stärksten Ausprägung kann kreisrunder Haarausfall zum Verlust der gesamten Körperbehaarung führen (Alopecia areata universalis).

Weitere Symptome

Bei etwa 20 von 100 Betroffenen verändern sich die Fingernägel: Es bilden sich Grübchen oder Längsrillen.

Die Haut der kahlen Flächen weist hingegen keine Auffälligkeiten auf und vernarbt nicht. Da die Haut zuvor behaart und somit vor der Sonne geschützt war, ist sie in der Regel elfenbeinfarben. (Mitunter tritt kreisrunder Haarausfall jedoch zusammen mit Vitiligo, der sogenannten Weißfleckenkrankheit, auf. Diese erkennt man an weißen, pigmentfreien Hautflecken.)

Kreisrunder Haarausfall: Diagnose

Der Arzt stellt die Diagnose vor allem anhand des typischen Aussehens der haarlosen Areale: Meist finden sich scharf begrenzte, kahle, runde bis ovale Stellen im Bereich des behaarten Kopfes. Zudem kann sich der Arzt die betroffenen Hautbereiche mit einem speziellen Vergrößerungsinstrument (sog. Dermatoskop) anschauen.

Bei der Untersuchung achtet der Arzt auch auf die Haare am Rand der betroffenen Stellen. Charakteristisch sind kurze, dicke Haare, die sich leicht herausziehen lassen (Kolbenhaare) und "Ausrufezeichenhaare", die zur Wurzel hin schmaler werden. Zudem untersucht er die Fingernägel auf Grübchen und Längsrillen.

Weitere wichtige Hinweise, ob kreisrunder Haarausfall vorliegt, erhält der Arzt im Gespräch mit dem Betroffenen. Er fragt ihn zum Beispiel, wann er der Haarausfall bemerkt hat. Zudem fragt er den Patienten nach anderen Erkrankungen (z.B. Neurodermitis, Psoriasis, allergisches Asthma), die manchmal gemeinsam mit kreisrundem Haarausfall auftreten.

Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall

Wichtig ist, dass der Arzt andere Ursachen für den Haarausfall ausschließt. Etwa sollte der Arzt prüfen, ob es sich um eine sogenannte Alopecia syphilitica (tritt im Verlauf einer Syphilis-Erkrankung auf) oder eine Pilzerkrankung (Mykose) handeln kann, die zu dem Haarverlust führen.

Kahle Stellen können außerdem auf eine sogenannte Trichotillomanie hindeuten. Hierunter versteht man das zwanghafte Ausreißen von Haaren; besonders Mädchen und junge Frauen sind davon betroffen.

Kreisrunder Haarausfall: Wie lässt er sich stoppen?

Kreisrunder Haarausfall erfordert nicht unbedingt eine Therapie, da er grundsätzlich reversibel ist – das heißt, er kann auch ohne Behandlung wieder zurückgehen. Bei vielen der Betroffenen mit schwach ausgeprägter Alopecia areata wachsen die kahlen Stellen wieder zu.

Die Krankheit lässt sich nicht ursächlich heilen. Sogenannte symptomatische Therapien sollen aber zu einer vollständigen Wiederbehaarung beitragen. Dabei lassen sich zwei Behandlungsarten unterscheiden:

  • eine örtliche Behandlung mit Cremes, Lösungen, Schaum (äußerliche Therapie) sowie
  • eine Behandlung mit Tabletten (innere Therapie).

Tabletten

Ist die Alopecia areata nur schwach ausgeprägt und seit kurzer Zeit sichtbar, kann der Betroffene für mehrere Monate Tabletten mit Zink einnehmen. Zink wirkt Entzündungen entgegen. Ob diese Wirkung ausreicht, um kreisrunden Haarausfall zu lindern, ist allerdings fraglich. Bisherige Studien zu dieser Frage machen wenig Hoffnung. Immerhin haben Zinkpräparate jedoch in der Regel keine Nebenwirkungen.

In schweren Fällen kann der Arzt Kortikoide (Wirkstoff: Prednisolon) verschreiben. Diese Mittel wirken, indem sie die durch das eigene Immunsystem ausgelöste Entzündung am Haarfollikel lindern. Dabei hemmen sie allerdings zugleich das gesamte Immunsystem. Mögliche Nebenwirkungen sind daher unter anderem

  • eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen,
  • unbemerkte Infekte,
  • eine gestörte Wundheilung sowie
  • Störungen des Stoffwechsels, die zu einer Gewichtszunahme führen können.

Cremes, Lösungen, Schaum

Kortikoide gibt es auch in Form von Cremes, Lösungen und Schaum. Gängige Wirkstoffe sind:

Eine solche Behandlung ist für bis zu drei Monate möglich. Wie und ob diese Therapie wirkt, ist wiederum für den Einzelfall nicht vorherzusagen.

Wenn Kortikoide nicht helfen, kann der Arzt zu einer äußerlichen Immuntherapie mit dem Wirkstoff DCP (Diphenylcyclopropenon) raten. Ziel der Behandlung ist es, dass DCP eine sogenannte Kontaktallergie auslöst. Diese Immunreaktion kann neues Haarwachstum in Gang setzen. Die DCP-Therapie läuft wie folgt ab:

  1. Der Arzt behandelt den betroffenen Hautbereich zunächst mit einer speziellen Lösung. Diese enthält Wirkstoffe, die die Haut des Patienten empfindlich gegen DCP werden lassen.
  2. Anschließend trägt der Arzt DCP in verschiedenen Konzentrationen wöchentlich erneut auf. Die Haut rötet sich, juckt und eventuell schwellen die Lymphknoten an. Diese Reaktion spricht dafür, dass die Therapie wirkt. Dann besteht die Chance, dass die Haare nach ein bis sechs Monaten wieder nachwachsen.

Die Wirksamkeit der DCP-Therapie ist gut belegt. Allerdings ist DCP für die Therapie der Alopecia areata nicht offiziell zugelassen. Wenn der Arzt DCP einsetzt, handelt es sich daher um einen sogenannten "individuellen Heilversuch".

Patienten müssen damit rechnen, dass die örtliche Behandlung mit DCP nur so lange wirkt, wie sie eingesetzt wird. Zudem hat DCP auch Nebenwirkungen. Etwa reagieren manche Betroffene zu stark und es entsteht ein überschießendes Ekzem. Um die Therapie erfolgreich und sicher durchzuführen, sollten Betroffene sich nur an speziell geschulte, mit der DCP-Therapie vertraute Ärzte wenden.

Für Kinder eignet sich DCP nicht.

Weitere Methoden

Darüber hinaus lässt sich kreisrunder Haarausfall auch mithilfe von UV-A-Strahlen behandeln (sog. PUVA-Therapie). In manchen Fällen kann der Arzt eine örtliche Reiztherapie mit dem Wirkstoff Dithranol in Betracht ziehen. Dithranol wird üblicherweise in der Therapie der Schuppenflechte (Psoriasis) eingesetzt – klinische Studien zur Wirksamkeit bei kreisrundem Haarausfall gibt es nicht.

Teilweise kommen bei kreisrundem Haarausfall zudem Thymuspeptide zum Einsatz. Sie sollen die fehlgesteuerte Reaktion des Immunsystem regulieren. Präparate mit Thymuspeptiden gibt es als Shampoos und Lotionen, aber auch als Tabletten. Bislang gibt es jedoch keine gesicherten Belege für die Wirksamkeit dieser Behandlung.

Als wirkungslos, unzureichend oder meist enttäuschend sehen Experten folgende Therapien an:

  • Hemmstoffe namens Calcineurin-Inhibitoren (Wirkstoffe wie Tacrolimus und Pemicrolimus)
  • sog. Biologics (gentechnisch hergestellte Eiweiße, die wiederum bestimmte körpereigene Eiweiße hemmen), z.B. Alefacept und Etanercept

Kreisrunder Haarausfall: Verlauf

Der Verlauf ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Neuerkrankungen heilen häufig spontan: Bei jedem dritten Patienten wächst das Haar an der betroffenen Stelle innerhalb der ersten sechs Monate ohne Behandlung wieder nach. Nach einem Jahr sind bei mehr als jedem zweiten Betroffenen keine kahlen Stellen mehr sichtbar.

Kreisrunder Haarausfall kann in regelmäßigen Schüben, manchmal schon nach Monaten, manchmal nach mehreren Jahren, immer wieder auftreten (Rezidiv). Bei einigen Menschen fallen alle Körperhaare aus. Mediziner sprechen dann von Alopecia areata universalis.

Eher schlechte Chancen auf eine Besserung bestehen, wenn der Haarausfall

  • bereits im Kindesalter auftritt,
  • große Bereiche betrifft und lange bestehen bleibt,
  • im Nackenbereich auftritt (Ophiasis-Typ),
  • in der Familie gehäuft auftritt oder
  • mit Autoimmunerkrankungen, Neurodermitis und Nagelveränderungen einhergeht (Tüpfel- und Sandpapiernägel).

Kreisrunder Haarausfall: Vorbeugen

Bisher sind keine Maßnahmen bekannt, mit denen man kreisrundem Haarausfall vorbeugen kann. Wenn Ihnen kahle Stellen auffallen, sollten Sie einen Hautarzt aufsuchen. Dieser kann eine genaue Diagnose stellen und die Behandlungsmöglichkeiten mit Ihnen besprechen.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)":


Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Kreisrunder Haarausfall. Online-Information des Instituts für Humangenetik der Universität Bonn: www.humangenetics.uni-bonn.de (Abrufdatum: 18.9.2017)

Online-Information der Selbsthilfe-Organisation Alopecia Areata Deutschland e.V.: www.kreisrunderhaarausfall.de (Abrufdatum: 18.9.2017)

Trüeb, R. M., et. al.: Alopecia Areata: A Comprehensive Review of Pathogenesis and Management. Clinical Reviews in Allergy & Immunology. Online-Publikation (17.7.2017)

Alopecia areata. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.6.2017)

Moll, I.: Duale Reihe Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

Wolff, Hans, et. al.: Diagnostik und Therapie von Haar- und Kopfhauterkrankungen. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 113, Heft 21 (Mai 2016)

Aktualisiert am: 21. September 2017

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