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Forenexperte: Prof. Dr. Peter Wust
Forum Krebserkrankungen
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Stand: 29. April 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Ein Karzinoid (neuroendokriner Tumor) ist ein sehr seltener Tumor, der sich aus hormonbildenden Zellen entwickelt und häufig selbst Hormone oder Botenstoffe bildet. Da Karzinoide sehr langsam wachsen, bleiben sie häufig viele Jahre unentdeckt. Rechtzeitig erkannt sind sie meist vollständig heilbar.
Warum ein Karzinoid entsteht, ist weitgehend unbekannt. Da die hormonbildenden Zellen (sog. endokrine Zellen), aus denen sich ein Karzinoid bildet, nahezu überall im Körper vorkommen, können alle möglichen Organe betroffen sein. Meist findet sich ein neuroendokriner Tumor jedoch im Magen-Darm-Trakt (Magen, Dünndarm, Dickdarm, Appendix bzw. Wurmfortsatz) und in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Deshalb bezeichnet man neuroendokrine Tumoren auch als GEP-Tumoren, wobei GEP für gastroenteropankreatische Tumoren (= Magen-Darm-Bauchspeicheldrüsen-Tumoren) steht. Nur jedes zehnte Karzinoid tritt in anderen Organen (z.B. in der Lunge oder im Thymus) auf.
Beschwerden entstehen entweder durch die vom Karzinoid freigesetzten Hormone oder dadurch, dass groß gewachsene Tumoren beziehungsweise Tochtergeschwülste (Metastasen) umliegende Organe verdrängen. Die von einem hormonbildenden Karzinoid verursachten Symptome sind je nach Art des Hormons sehr unterschiedlich: Möglich sind zum Beispiel Unterzuckerung (bei vermehrter Bildung von Insulin), Sodbrennen und Magengeschwüre (bei zu viel Gastrin) oder Durchfall und vermehrter Harndrang (bei zu viel VIP) oder das Karzinoid-Syndrom (bei zu viel Serotonin, verursacht durch neuroendokrine Karzinome im Appendix), bei dem neben anfallsartiger Rötung des Gesichts oft Herzrasen, Schweißausbrüche, Atembeschwerden, krampfartige Bauchschmerzen und Durchfälle auftreten.
Bei einem Karzinoid umfasst die Diagnostik vor allem bildgebende Verfahren, wie Ultraschalluntersuchung (Sonographie), Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Die gegen ein neuroendokrines Karzinom eingesetzte Therapie besteht in erster Linie darin, den Tumor operativ zu entfernen. Hat sich ein neuroendokriner Tumor bereits in andere Organe ausgebreitet, kommen neben der Operation weitere Behandlungsverfahren, wie die Chemotherapie, zum Einsatz. Ein rechtzeitig entdecktes und angemessen behandeltes Karzinoid hat eine gute Prognose.
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