Kompartmentsyndrom: Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (06. Januar 2016)

Ein Kompartmentsyndrom kann verschiedene Ursachen haben. Unabhängig davon, welche das sind, liegt dem Syndrom immer derselbe Entstehungsmechanismus zugrunde:

Beim Kompartmentsyndrom herrscht ein krankhaft erhöhter Druck in einem (mehr oder weniger) abgeschlossenen Raum beziehungsweise "Kompartiment" (= engl. compartment). Ein solches Kompartiment findet sich unter anderem bei Muskeln: So liegen zum Beispiel die Muskeln im Unterarm beziehungsweise Unterschenkel in abgeschlossenen, engen Kammern (sog. Muskellogen), die jeweils von einer sehnenartigen Muskelhaut oder -binde (lat. Faszie = Binde) aus straffem Bindegewebe umhüllt sind.

Bildet sich infolge einer Verletzung ein Bluterguss oder sammelt sich entzündliche Flüssigkeit in einer dieser Kammern an, schwillt die in der Kammer liegende Muskulatur an, kann sich aber wegen der straffen Muskelbinde nicht weiter ausdehnen. Der Druck auf die Muskeln steigt und führt so zum (auch als Logensyndrom bezeichneten) Kompartmentsyndrom: Ursachen hierfür sind eine nur noch mangelhafte Durchblutung der Muskeln und eine Schädigung der Nerven, da der erhöhte Gewebedruck die versorgenden Blutgefäße und die ebenfalls in der Kammer verlaufenden Nerven zusammenpresst.

Gelingt es nicht, die Blutversorgung innerhalb einiger Stunden wiederherzustellen, sterben das Muskel- und das Nervengewebe rasch ab – dann hinterlässt das Kompartmentsyndrom bleibende Störungen. Die Schädigung verursacht einen narbigen Umbau des Gewebes – nachfolgend verkürzen sich die betroffenen Muskeln und Gelenke und verlieren ihre Funktion.

In der Regel hat das Kompartmentsyndrom seine Ursachen in Gewalteinwirkungen: In etwa 70 Prozent aller Fälle führen Verletzungen – wie zum Beispiel Knochenbrüche – zu seiner Entstehung.

In selteneren Fällen kann ein Logensyndrom auch ein Zeichen dafür sein, dass die Muskeln überlastet sind: Ein solches funktionelles Kompartmentsyndrom tritt zunehmend bei Sportlern auf, vor allem bei Langstreckenläufern.

Ein übermäßiges Muskelwachstum bei Bodybuildern kann ebenfalls den Blutfluss in den kleinen Venen der betroffenen Muskeln stören und auf diese Weise ein Kompartmentsyndrom hervorrufen. Als weitere seltene Ursachen für das Syndrom kommen zu straff angelegte Verbände oder eine zu enge Naht nach operativer Behandlung einer Muskelloge infrage.


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