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Forenexperte: Prof. Dr. Peter Wust
Forum Krebserkrankungen
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Stand: 29. April 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Ein Karzinoid, auch neuroendokriner Tumor (NET) oder neuroendokrines Karzinom genannt, ist per Definition eine Neubildung von Gewebe (karzinoid bedeutet wörtlich krebsähnlich), die sich aus neuroendokrinen Zellen entwickelt. Dies sind Zellen, die ihrem Ursprung nach zum Nervensystem gehören und Botenstoffe des Nervensystems oder Hormone ausschütten.
Da neuroendokrine Zellen nahezu im gesamten Körper verteilt sind, kann ein Karzinoid in verschiedenen Organen auftreten. Besonders häufig betrifft ein neuroendokriner Tumor den Dünndarm, den Wurmfortsatz (Appendix), die Bauchspeicheldrüse (Pankreas), den Magen und den Dickdarm: Hier finden sich rund 90 Prozent aller Karzinoide. Daher tragen neuroendokrine Karzinome entsprechend den Organen, in denen sie sich am häufigsten entwickeln, auch die Bezeichnung GEP-Tumoren (= gastroenteropankreatische Tumoren bzw. Magen-Darm-Bauchspeicheldrüsen-Tumoren). In den restlichen 10 Prozent der Fälle tritt ein Karzinoid in anderen Organen, wie der Lunge oder dem Thymus, auf.
Einige Beispiele für neuroendokrine Zellen, die von ihnen gebildeten Hormone beziehungsweise Botenstoffe und das zugehörige Karzinoid sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:
| Zellart | Hormon/Botenstoff | Karzinoid |
|---|---|---|
| B-Zellen der Bauchspeicheldrüse | Insulin | Insulinom |
| A-Zellen der Bauchspeicheldrüse | Glukagon | Glukagonom |
| D1-Zellen der Bauchspeicheldrüse | VIP (vasoaktives, intestinales Polypeptid) | VIPom |
| D-Zellen der Bauchspeicheldrüse | Gastrin | Gastrinom |
| Zellen des Wurmfortsatzes (Appendix) | Serotonin | Appendix-Karzinoid |
Das Karzinoid (neuroendokriner Tumor) hat eine geringe Häufigkeit: Mit 0,5 bis 1 neuen Fällen pro Jahr und pro 100.000 Einwohner sind Karzinoide sehr selten. In Deutschland findet sich jährlich bei 400 bis 800 Menschen ein solches neuroendokrines Karzinom. Die Betroffenen weisen vorwiegend ein höheres Lebensalter auf, wobei Männer und Frauen gleich häufig vertreten sind.
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