Impingement-Syndrom: Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (09. August 2016)

Beim Impingement-Syndrom der Schulter hängt die Therapie unter anderem von Ursache, Ausmaß und Dauer der Schmerzen ab. Auch Ihr Beruf spielt eine Rolle, da manche Menschen (etwa Maler) mehr auf ein gesundes, schmerzfreies Schultergelenk angewiesen sind als andere. Die Behandlung verfolgt drei Ziele:

  1. die Funktion des Gelenks wiederherstellen
  2. die volle Kraft der Muskulatur wiedergewinnen
  3. Schmerzfreiheit herbeiführen

Meist reichen nicht-operative Maßnahmen gegen ein Impingement-Syndrom. Dazu gehören Medikamente und Physiotherapie. Bessern sich die Schulterschmerzen und die eingeschränkte Gelenksfunktion dadurch nicht, kann womöglich eine Operation Linderung bringen.

Egal, ob nicht-operativ oder operativ – fast immer gilt: Sie können selbst erheblich dazu beitragen, Ihre Schulterschmerzen zu lindern oder ganz loszuwerden!

Konservative Therapie

Ein Impingement-Syndrom nicht-operativ (bzw. konservativ) zu behandeln, erfordert Geduld: Denn auch eine intensive konservative Therapie braucht häufig mehrere Wochen bis Monate, bis sich die Schulterschmerzen und die damit verbundenen Einschränkungen merklich bessern!

Neben Krankengymnastik und physikalischer Therapie können gegen ein Impingement-Syndrom schmerzstillende (analgetische) und entzündungshemmende (antiphlogistische) Medikamente zum Einsatz kommen. Geeignet sind Mittel,

  • die die Entzündung hemmen (sog. nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR),
  • die die Schmerzen lindern (sog. Analgetika) oder
  • die der Arzt unter das Schulterdach spritzt; hier besteht das Risiko, dass die Medikamente (sog. Glukokortikoide) die Sehnen zusätzlich schädigen. Daher beschränkt sich die Zahl der Spritzen meist auf 3.

Krankengymnastik und physikalische Therapie

Die gegen ein Impingement-Syndrom eingesetzte physiotherapeutische Behandlung umfasst mehrere Aspekte:

  • gezielte Krankengymnastik mit Muskelaufbautraining (vorausgesetzt, sie verursacht keine Schmerzen)
  • manuelle Therapie
  • unterstützende physikalische Therapie, z.B. Kältetherapie im akuten Stadium, heiße Rolle (Wärmetherapie) bei länger bestehenden Beschwerden, Ultraschallbehandlung, Interferenzstrombehandlung (eine Art der Elektrotherapie)

Der Krankengymnastik kommt beim Impingement-Syndrom eine wichtige Rolle zu: Sie dient dazu, die Muskeln der Rotatorenmanschette zu kräftigen und die Position des Oberarmkopfes im Schultergelenk so zu verändern, dass unter dem Schulterdach wieder genug Platz für die Sehnen und anderen Strukturen bleibt.

Eine Physiotherapeutin behandelt eine Frau mit Impingement-Syndrom im Bereich der Schulter. © iStock

Ein Impingement-Syndrom der Schulter bessert sich durch konsequente physiotherapeutische Übungen.

Achtung: Die krankengymnastischen Übungen dürfen das vom Impingement-Syndrom betroffene Schultergelenk nicht überlasten oder falsch belasten. Zudem sollten Sie während der Krankengymnastik keine Schmerzen haben.

Im akuten Stadium des Impingement-Syndroms empfiehlt es sich manchmal, das Schultergelenk vorübergehend ruhig zu stellen. Dabei besteht jedoch das Risiko, dass sich eine Schultersteife entwickelt. Fragen Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten, wie Sie am besten vorgehen.

Ohne Regelmäßigkeit und Ausdauer ist die Physiotherapie beim Impingement-Syndrom wenig erfolgversprechend. Darum ist es wichtig, dass Sie die krankengymnastischen Übungen auch zu Hause machen und so aktiv dazu beitragen, die Muskeln wieder zu kräftigen. In Absprache mit dem Arzt und Physiotherapeuten empfiehlt sich ein Training über mehrere Monate hinweg, zum Beispiel an fünf Tagen pro Woche für 15 bis 30 Minuten. Dabei ist Routine hilfreich: Bauen Sie die Übungen fest in Ihren Tagesablauf ein – trainieren Sie zum Beispiel immer morgens vor dem Frühstück.

Operation (OP)

In folgenden Situationen kann bei einem Impingement-Syndrom der Schulter eine Operation (OP) infrage kommen:

  • wenn Medikamente und Physiotherapie nicht den gewünschten Erfolg bringen,
  • wenn die Schulterschmerzen trotz konservativer Behandlung stärker werden,
  • wenn nächtliche Schmerzen und Kraftlosigkeit in der Schulter fortbestehen, sodass Sie sichtlich eingeschränkt sind und Ihre Lebensqualität herabgesetzt ist,
  • wenn Sie beruflich auf Ihre Schulter sehr angewiesen sind, und
  • wenn Sie aktiv einer Überkopfsportart nachgehen, wie zum Beispiel Tennis- oder Handballspieler.

In vielen Fällen ist ein Impingement-Syndrom mechanisch bedingt: Ein Knochensporn am Schulterdach (Akromion) oder ein hakenförmiges oder zu stark geneigtes Schulterdach engen den Raum ein. In der Folge klemmt Gewebe ein und die Schulter schmerzt bei bestimmten Bewegungen und in bestimmten Positionen. Dann zielt die OP darauf ab, den Raum unter dem Schulterdach (Subakromialraum) zu erweitern. Das geeignete Verfahren heißt (arthroskopische) subakromiale Dekompression oder Akromioplastik.

Liegt dem Impingement-Syndrom keine mechanische Ursache zugrunde, sondern beispielsweise eine chronische Schleimbeutelentzündung in der Schulter, ist in der Regel keine Akromioplastik angezeigt.

In den meisten Fällen ist es möglich, das Impingement-Syndrom im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) zu operieren (sog. Schlüssellochchirurgie). Eine offene OP, bei der ein größerer Hautschnitt erfolgt, lässt sich meist umgehen.

Bei der Gelenkspiegelung ermöglicht das optische Instrument (Endoskop) freien Blick auf den Raum unter dem Schulterdach und die umliegenden Strukturen. Über einen weiteren sehr kleinen Schnitt kann der Arzt bei Bedarf ein Instrument einführen, um damit Gewebe abzutragen. Mit kleinen Fräsen entfernt er Teile des Unterrands des Schulterdachs und entnimmt den darunter gelegenen Schleimbeutel (Bursa subacromialis). Ist beim Impingement-Syndrom auch die Rotatorenmanschette verletzt – etwa bei einem Teilriss der Supraspinatussehne –, kann er sie je nach Ausmaß gleich mitversorgen.

Nachbehandlung

Wenn Sie ein Impingement-Syndrom operativ behandeln lassen, schließt sich eine intensive und konsequente Nachbehandlung an. In der Regel stehen nach einer Akromioplastik folgende Schritte an:

  • Die operierte Schulter wird meist für etwa 24 Stunden in einem Verband ruhig gestellt (sog. Gilchrist-Verband).
  • Im Lauf der ersten und zweiten Woche stehen passive Bewegungsübungen auf dem Plan; zusätzlich versucht der Physiotherapeut, die Schulter beweglicher zu machen (zu mobilisieren).
  • Ab der dritten Woche nach der Operation üben Sie aktiv, also mithilfe Ihrer eigenen Muskelkraft.
  • Im Anschluss gilt es, mithilfe von Krankengymnastik die Muskeln der Rotatorenmanschette schrittweise wiederaufzubauen und zu kräftigen. Für alle Übungen gilt: Sie dürfen nicht schmerzen!

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