Impingement-Syndrom: Diagnose

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (09. August 2016)

Der Verdacht auf ein Impingement-Syndrom der Schulter ergibt sich meist schnell anhand der typischen Beschwerden und der Krankheitsgeschichte (Anamnese), die der Arzt mithilfe folgender oder ähnlicher Fragen erfasst:

  • Wo tut es weh?
  • In welchen Situationen schmerzt die Schulter oder der Arm?
  • Seit wann bestehen die Schmerzen?
  • Schmerzt die Schulter ständig oder nur bei bestimmten Bewegungen oder Belastungen?
  • Treten die Schmerzen auch nachts auf?
  • Sind Beweglichkeit oder Kraft eingeschränkt?
  • Liegt eine bekannte Schulterverletzung vor, etwa nach einem Sturz oder Anprall?
  • Treiben Sie Sport? Welchen?
  • Was machen Sie beruflich?

Bei den letzten beiden Fragen geht es darum, mögliche Risikofaktoren für Schulterverletzungen beziehungsweise Schulterverschleiß abzufragen. So können zum Beispiel Überkopfsportarten wie Handball, Volleyball, Basketball, Tennis oder bestimmte Berufe wie Maler das Risiko für ein Impingement-Syndrom erhöhen.

Um das Impingement-Syndrom sicher zu diagnostizieren, kann der Arzt verschiedene spezielle Untersuchungsgriffe und -methoden anwenden. Typische Funktionstests zur Diagnose des Engpassysndroms sind:

  • Jobe-Test (Supraspinatus-Test): Der Arzt drückt die waagerecht (in 90°) ausgestreckten und um ihre Längsachse nach innen gedrehten Arme mit langsam zunehmender Kraft gegen Widerstand nach unten. Ist dieser Widerstand wegen Schmerzen oder Kraftlosigkeit gering, spricht das für eine Schleimbeutelentzündung, eine gereizte Sehne oder einen Sehnenriss in der Schulter. All dies kann mit einem Impingement-Syndrom einhergehen.
  • Impingement-Test nach Neer (Neer-Test): Der Arzt hebt den um seine Längsachse nach innen gedrehten Arm an, während er gleichzeitig das Schulterblatt festhält, was bei einer Schulterenge Schmerzen auslöst.
  • Hawkins-Test: Der Arzt hebt den leicht gebeugten Ellenbogen an und dreht gleichzeitig den Arm um seine Längsachse nach innen, was beim Engpasssyndrom ebenfalls schmerzhaft ist.
  • Test auf schmerzhaften Bogen (engl.: painful arc): Wenn man die ausgestreckten Arme seitlich anhebt, treten beim Impingement-Syndrom vor allem in einem Winkel von etwa 60 bis 120 Grad Schmerzen auf.
  • Nackengriff und Schürzengriff: Beim Nackengriff legt man beide Hände in den Nacken, wobei die Daumen nach unten zeigen. Beim Schürzengriff fasst man mit beiden Händen an den Rücken, wobei die Daumen nach oben zeigen – wie beim Binden einer Schürze. Beide Griffe können bei einem Impingement-Syndrom Schmerzen verursachen.

Des Weiteren kann der Arzt ein örtliches Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) unter das Schulterdach (d.h. in den Subakromialraum) spritzen: Wenn sich die Beschwerden dadurch bessern, weist das auf ein subakromiales Impingement-Syndrom hin.


Darstellung des schmerzhaften Bogens beim seitlichen Anheben des Arms

Impingement-Syndrom: Schmerzen beim Abspreizen des Arms (schmerzhafter Bogen)

Weitere Untersuchungen

Um der Ursache für das Impingement-Syndrom auf den Grund zu gehen, können weitere Untersuchungen notwendig sein. So kann der Arzt beispielsweise die Sehnenansätze, Gelenke und Triggerpunkte abtasten: Triggerpunkte sind Reizpunkte, deren Berührung Schmerzen auslösen kann. Zudem ist es hilfreich, den Schulterbereich auf Muskelverkürzungen zu untersuchen und die Beweglichkeit der Gelenke zu prüfen. Gegebenenfalls schließt sich eine Funktions- und Leistungsüberprüfung des Nervensystems (sog. neurologische Untersuchung) an, um beispielsweise abzuklären, ob ein Nerv eingeklemmt ist.

Um bei einem Impingement-Syndrom weitere Rückschlüsse über die Beschaffenheit des Schultergelenks und den Platz unter dem Schulterdach zu gewinnen, sind bildgebende Verfahren geeignet – wie:

  • Ultraschall (Sonographie), um vor allem die Muskeln, Sehnen und Bänder sowie eventuell vorhandene Gelenkergüsse (krankhafte Flüssigkeitsansammlungen in Gelenken) zu beurteilen
  • MRT (Magnetresonanztomographie)
  • Röntgenuntersuchung

Bleibt auch nach diesen Untersuchungen unklar, was das Impingement-Syndrom verursacht, kann unter Umständen eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) Klarheit bringen. Bei dieser Operation in sogenannter Schlüssellochtechnik verschafft sich der Arzt einen direkten Eindruck von den Strukturen im Schultergelenk. Falls erforderlich, kann er im gleichen Zug auch behandeln – etwa einengende Knochenvorsprünge oder entzündetes Gewebe abtragen oder einen Sehnenriss nähen.


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