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Hypothermie (Unterkühlung) und Erfrierungen: Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (09. Juni 2015)

Ob bei einer Hypothermie (Unterkühlung) und bei Erfrierungen die Therapie rechtzeitig beginnt und die richtigen Maßnahmen zum Einsatz kommen, hat starken Einfluss auf den weiteren Verlauf. Daher ist es wichtig, bei Unterkühlungen und Kälteschäden umgehend zu handeln, den Rettungsdienst zu rufen und geeignete Erste-Hilfe-Maßnahmen zu ergreifen.

Erste Hilfe bei Hypothermie (Unterkühlung) und Erfrierungen

Erste Hilfe kann bei Hypothermie (Unterkühlung) und Erfrierungen entscheidend für eine erfolgreiche Therapie sein. Wenn Sie bei jemandem Erste Hilfe leisten, der unterkühlt ist und/oder Anzeichen einer Erfrierung aufweist, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Schützen Sie den Unterkühlten sowie erfrorene Körperteile vor weiterem Wärmeverlust, indem Sie nasse Kleidung ausziehen und nach Möglichkeit durch trockene ersetzen. Wickeln Sie den Betroffenen am besten – wenn vorhanden – in warme Decken und/oder eine Rettungsdecke ein.
  • Wenn nur eine leichte Unterkühlung vorliegt, ist es wichtig, dass die Unterkühlten sich aktiv bewegen, da der Körper durch die Muskelarbeit vermehrt Wärme freisetzt. Bei starker Unterkühlung ist aber jegliche Erschütterung zu vermeiden!
  • Sorgen Sie dafür, dass sich der unterkühlte Körper langsam erwärmt, zum Beispiel in geheizten Räumen und mit warmen, gezuckerten Getränken. Bei schwerer Unterkühlung nicht die Extremitäten wärmen!
  • Ergreifen Sie bei schwerer Hypothermie mit Atemstillstand und Herz-Kreislauf-Stillstand Maßnahmen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung. Dabei ist es wichtig, die Reanimation nicht zu unterbrechen, bis die normale Körperkerntemperatur wieder erreicht ist – auch wenn die Betroffenen leblos erscheinen. Denn bei Unterkühlung gilt: Niemand ist tot, solange er nicht warm und tot ist. Das Absinken der Körperkerntemperatur löst Mechanismen zum Schutz des Gehirns aus, sodass bei unterkühlten Menschen mehr Zeit zur Wiederbelebung bleibt als bei normaler Körpertemperatur.
  • Wer leichte Erfrierungen hat, kann selbstständig gehen; achten Sie aber bei schweren Erfrierungsanzeichen unbedingt auf einen passiven Abtransport.
  • Decken Sie erfrorene Stellen steril ab und polstern Sie sie – aber nicht reiben! Bei Erfrierungen mit Blasenbildung die Blasen nicht öffnen, sondern steril abdecken. Verbände sollen steril und trocken sein – bringen Sie keine Salbenauflage an. Die Betroffenen sind dann passiv abzutransportieren und im Krankenhaus zu behandeln.
  • Lagern Sie die betroffene Extremität hoch, vermeiden Sie jedoch zu viel Bewegung und Druck.
  • Bei frischen Erfrierungen und längerem Weg ins Krankenhaus ist es ratsam, den betroffenen Körperabschnitt ohne Unterbrechung in 37 bis 40 Grad warmes Wasser einzutauchen, um ihn zu erwärmen – und zwar so lange, bis sich (nach 10 bis 45 Minuten) die Spitze der Extremität rötet. Dabei können große Schmerzen entstehen, gegen die Schmerzmittel zum Einsatz kommen.

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Unbedingt zu vermeiden

Bei einer Hypothermie (Unterkühlung) oder bei Erfrierungen ist einiges bei der Therapie unbedingt zu vermeiden:

  • Es ist wichtig, dass Sie den Körper oder erfrorene Körperteile keinesfalls mit Schnee einreiben oder massieren – dies führt zu schwersten Gewebeschäden und zum Herz-Kreislauf-Kollaps, da sich das kalte Blut durch den gesamten Körper verteilt.
  • Auch eine Erwärmung durch Anhauchen ist zu vermeiden: Dabei entsteht Verdunstungskälte, die eine Erfrierung nur noch fördert.
  • Rauchen ist bei Hypothermie ebenfalls nicht ratsam, da Zigarettenkonsum die Blutgefäße zusätzlich verengt und dadurch die vorliegende Mangeldurchblutung verschlimmert.
  • Des Weiteren ist bei schwerer Hypothermie eine starke Wärmezufuhr von außen (z.B. durch ein Bad oder Wärmflaschen) zu vermeiden, da dies zu einem Wiedererwärmungsschock führen kann: Wenn sich Gefäße in den vom Rumpf entfernten Körperteilen infolge der Wärme eröffnen, gelangt kaltes Blut in die zentralen und lebenswichtigen Körperregionen. Dadurch fällt die Temperatur um etwa ein halbes bis ein Grad Celsius ab. Der erneute Abfall der Kerntemperatur sowie die blutchemischen Veränderungen lösen Störungen im Reizleitungssystem des Herzens aus, die tödlich enden können (Herz-Kreislauf- und Atemstillstand).
  • Auch Erschütterungen sind für Menschen mit Unterkühlung gefährlich: Beim Transport sollten Sie unbedingt vermeiden, den unterkühlten Körper in seiner Lage zu verändern oder zu erschüttern, da sonst die Gefahr des Bergungstods durch Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) besteht.

Ärztliche/klinische Behandlung

Welche Maßnahmen der Arzt gegen eine Hypothermie (Unterkühlung) oder Erfrierungen zur weiteren Therapie
einsetzt, hängt vom Schweregrad der Kältefolgen ab. Zunächst besteht die ärztliche beziehungsweise klinische Behandlung in der Regel in folgenden Maßnahmen:

  • eine langsam fortgesetzte Wiedererwärmung
  • Schmerzmittel, die per Spritze oder Infusion verabreicht werden
  • sterile Verbände zur örtlichen Versorgung von Blasen
  • intravenöse Infusion mit Medikamenten, welche die Blutgerinnung hemmen oder die Blutgefäße erweitern

Durch Erfrierungen entstandene Blasen eröffnet der Arzt unter sterilen Bedingungen. Anschließend behandelt er unter örtlicher Betäubung die Wundfläche mit antibiotisch wirksamen Salben. Häufig ist dabei abzuwarten, bis sich eine örtliche Gewebsschädigung (Nekrose) vollständig ausgebildet hat, was unter Umständen bis zu mehrere Wochen dauern kann. Das abgestorbene Gewebe bildet einen trockenen Schorf, der sich nach Wochen bis Monaten zum gesunden Gewebe abgrenzt und unter Umständen einfach abfällt (z.B. an den Fingerspitzen).

Betreffen Erfrierungen ein größeres Areal, wie zum Beispiel einen gesamten Fuß, so kann unter extrem ungünstigen Umständen (aufgrund sehr tiefer Gewebeschäden) zur Therapie eine Teilamputation notwendig sein.

Künstliche Niere

Ist eine Hypothermie (Unterkühlung) so schwer, dass die Körpertemperatur auf weniger als 30 Grad Celsius gesunken ist, bietet sich zur Wiedererwärmung eine künstliche Niere zur Hämodialyse an. Dieses Verfahren kommt aus drei Gründen oft bei stark unterkühlten Menschen zum Einsatz:

  • Die Hämodialyse ermöglicht eine Erwärmung vom Körperkern aus.
  • Sie kann schwere Elektrolytstörungen und Abweichungen im Stoffwechsel schnell mitkorrigieren.
  • In Europa steht das Verfahren fast flächendeckend zur Verfügung.

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