Hypercholesterinämie: Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. Januar 2015)

Eine Hypercholesterinämie kann viele Ursachen haben: Wenn das Cholesterin zu hoch ist, können eine Erkrankung, Medikamente, eine ungesunde Lebensweise sowie erbliche Faktoren dahinterstecken. Meistens entsteht ein zu hoher Cholesterinwert durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Man kann die Hypercholesterinämie nach ihren Ursachen in vier Gruppen unterteilen:

  1. reaktiv-physiologische Hypercholesterinämien
  2. primäre Hypercholesterinämien
  3. sekundäre Hypercholesterinämien
  4. Mischformen aus 1, 2 und 3

Reaktiv-physiologische Hypercholesterinämie

Wenn einer Hypercholesterinämie als Ursachen ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zugrunde liegen, handelt es sich um eine sogenannte reaktiv-physiologische Hypercholesterinämie:: Der Körper reagiert auf den Lebensstil unter anderem mit einem Anstieg der Cholesterinwerte.

Für die reaktiv-physiologische Hypercholesterinämie kommen als Ursachen vor allem eine cholesterinreiche Ernährung sowie eine hohe Zufuhr von gesättigten Fettsäuren oder Transfettsäuren infrage, die den Stoffwechsel überlasten. Bewegungsmangel wirkt sich zusätzlich negativ aus. Die Folge ist ein leicht erhöhter Cholesterinspiegel. Allerdings kann ein ungesunder Lebensstil auch Hypercholesterinämie-Mischformen auslösen.

Primäre Hypercholesterinämie

Eine Hypercholesterinämie kann rein erbliche Ursachen haben: In dem Fall liegt eine sogenannte primäre Hypercholesterinämie vor. Die ursächliche Veränderung am Erbgut führt dann in jedem Fall dazu, dass das Cholesterin zu hoch ist – egal, ob die Betroffenen ansonsten gesund sind, auf gesundes Essen achten und sich ausreichend bewegen.

Eine primäre Form der Hypercholesterinämie, bei der sich die ursächliche Veränderung am Erbgut ausschließlich auf den Cholesterinspiegel auswirkt, ist die familiäre Hypercholesterinämie: Sie entsteht durch Veränderungen (sog. Mutationen) an einem bestimmten Träger der Erbanlage (sog. Gen) – Fachleute bezeichnen dies als monogen.

Gekennzeichnet ist die familiäre Hypercholesterinämie vor allem durch ein erhöhtes LDL-Cholesterin (das als "schlechtes" Cholesterin gilt). Der Grund: Die Mutationen, die diese primäre Form der Hypercholesterinämie verursachen, betreffen das sogenannte LDL-Rezeptor-Gen. Als Folge der Genmutation sind die Andockstellen (sog. Rezeptoren) der Leberzellen für das LDL-Cholesterin nur noch eingeschränkt funktionsfähig oder es sind gar keine funktionierenden Rezeptoren vorhanden. In den Leberzellen findet aber normalerweise der Abbau von LDL statt – und um in die Zellen zu gelangen, muss LDL am Rezeptor andocken.

Die familiäre Hypercholesterinämie hat ihre Ursachen also darin, dass der Abbau des LDL-Cholesterins gestört ist: Wegen der Genveränderungen entfernt die Leber weniger LDL aus dem Blut, der Cholesterinspiegel steigt und somit auch das Risiko für Gefäßerkrankungen wie die Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Wie stark diese primäre Hypercholesterinämie ausgeprägt ist, hängt davon ab, ob das ursächliche Erbmerkmal von einem oder von beiden Elternteilen stammt:

  • Vererbt nur ein Elternteil die ursächliche Genveränderung, entwickelt das Kind die sogenannte heterozygote familiäre Hypercholesterinämie: Diese primäre Hypercholesterinämie wirkt sich nur auf einen gewissen Teil der LDL-Rezeptoren aus. Die Cholesterinwerte liegen dann meist zwischen 300 und 500 Milligramm pro Deziliter (bzw. 7,7 und 12,9 Millimol pro Liter). Die heterozygote familiäre Hypercholesterinämie betrifft etwa 1 von 500 Menschen.
  • Geben beide Elternteile ihr verändertes Gen weiter, verursacht dies die homozygote familiäre Hypercholesterinämie: Dann kann gar kein LDL-Cholesterin mehr an die Rezeptoren binden, was extrem hohe LDL-Cholesterinwerte von etwa 500 bis 1.200 Milligramm pro Deziliter (12,9 bis 30,9 Millimol pro Liter) verursacht. Diese primäre Hypercholesterinämie wirkt sich schon im Kindesalter aus – beispielsweise durch Fettablagerungen in der Haut. Aufgrund von Gefäßablagerungen sind zudem bereits im Kindes- oder Jugendalter Herzinfarkte möglich. Die homozygote Form ist jedoch sehr selten: Sie betrifft nur etwa jeden millionsten Menschen.

Nicht selten tritt eine primäre Hypercholesterinämie auch im Rahmen einer kombinierten Fettstoffwechselstörung auf: Dann sind erblich bedingt neben dem Cholesterin auch Blutfettwerte erhöht. So ist die sogenannte familiäre kombinierte Hyperlipidämie dadurch gekennzeichnet, dass meist zusätzlich zur Hypercholesterinämie eine mäßige Erhöhung der Triglyceride vorliegt.

Sekundäre Hypercholesterinämie

Wenn eine Hypercholesterinämie erworbene Ursachen (wie eine Erkrankung oder Medikamente) hat, bezeichnen Mediziner sie als sekundäre oder auch sekundär-symptomatische Hypercholesterinämie.

Zu den Erkrankungen, die für eine sekundäre Hypercholesterinämie als Ursachen infrage kommen, gehören:

Beispiele für Medikamente, die eine sekundäre Hypercholesterinämie verursachen können, sind:

Darüber hinaus kann eine sekundäre Hypercholesterinämie während der Schwangerschaft oder infolge der Wechseljahre entstehen.

Mischformen

Meistens hat eine Hypercholesterinämie mehrere Ursachen: Solche Mischformen können gleichzeitig primäre (d.h. erbliche), sekundäre (also z.B. Erkrankungen) und reaktiv-physiologische Gründe (wie etwa ungünstige Ernährungsgewohnheiten) haben.

Am häufigsten ist für erhöhte Cholesterinwerte die sogenannte polygene Hypercholesterinämie verantwortlich: Etwa zwei Drittel aller Menschen, deren Cholesterin zu hoch ist, haben eine polygene Hypercholesterinämie. Ursachen für diese Mischform sind:

  • mehrere geringe Veränderungen (sog. Mutationen) an verschiedenen Trägern der Erbanlage (sog. Genen) – daher "polygen" – und
  • zusätzliche Risikofaktoren, die oft auch ohne erbliche Einflüsse eine Hypercholesterinämie auslösen können.

In der Regel reichen die verschiedenen Genmutationen, die die polygene Hypercholesterinämie ausmachen, alleine nicht als Ursachen für stark erhöhte Cholesterinwerte aus. Deshalb ist meist ein weiterer auslösender Faktor nötig, damit diese Mischform zutage tritt: Dann kann der LDL-Cholesterinwert deutlich zu hoch sein. Mögliche Auslöser für die polygene Hypercholesterinämie sind zum Beispiel:


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