Hypercholesterinämie: Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. Januar 2015)

Bei einer Hypercholesterinämie zielt die Therapie darauf ab, den Cholesterinspiegel zu senken, um so das Risiko für Arteriosklerose und deren Folgeerkrankungen zu verringern: Die LDL-Cholesterinwerte um etwa 40 Milligramm pro Deziliter zu senken, verringert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich.

Da das Arterioskleroserisiko nicht nur vom Cholesterinwert, sondern von vielen weiteren Faktoren abhängt, sollte man vor der Therapie einer Hypercholesterinämie zunächst das individuelle Risiko ermitteln. Ihr Arterioskleroserisiko ergibt sich daraus,

  • wie alt Sie sind,
  • ob Sie eine Frau oder ein Mann sind,
  • wie hoch Ihr Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin ist,
  • ob Sie rauchen,
  • ob Sie Diabetes mellitus haben und
  • ob bei Ihnen erbliche Risikofaktoren bestehen.

Anhand dieses Risikos legt der Arzt dann den Zielwert für das LDL-Cholesterin fest. Allgemein gilt dabei: Je höher Ihr Risiko, desto niedriger der Zielwert. Die anschließende Hypercholesterinämie-Therapie umfasst dann folgende Maßnahmen:

  • Als Erstes heißt es: Lebensstil verbessern! Das bedeutet vor allem, auf fett- und cholesterinarme Ernährung zu achten und sich ausreichend zu bewegen.
  • Bei einer sekundären Hypercholesterinämie (die z.B. durch Krankheit, Medikamente o.Ä. entstehen kann) gilt es, nach Möglichkeit deren Ursache konsequent zu beseitigen beziehungsweise zu behandeln.
  • Wenn zusätzliche Risikofaktoren (wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht usw.) bestehen, ist es wichtig, auch dagegen angemessen vorzugehen.
  • Ist nach etwa drei Monaten trotz dieser Maßnahmen das Cholesterin immer noch zu hoch, kommen Medikamente (sog. Cholesterinsenker) zum Einsatz.

Wenn Sie schon vor Beginn der Therapie arteriosklerotische Gefäßveränderungen haben, ist es allerdings ratsam, sofort cholesterinsenkende Medikamente einzusetzen. Cholesterinsenker machen die restlichen Behandlungsmaßnahmen gegen die Hypercholesterinämie jedoch nicht überflüssig: So ist gesundes Essen auch während der medikamentösen Behandlung unbedingt zu empfehlen!

Gesund essen

Eventuell bessert sich Ihre Hypercholesterinämie allein dadurch, dass Sie gesund essen beziehungsweise die Ernährung auf eine cholesterinsenkende Kost umstellen. Doch auch, wenn es durch eine entsprechende Diät nur begrenzt oder gar nicht möglich ist, den Cholesterinspiegel zu senken, empfiehlt sich eine gesunde Ernährung als Teil der Behandlung, da sie allgemein bei Risikofaktoren für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems vorteilhaft ist.

Die folgenden Grundregeln helfen Ihnen dabei, sich gesünder zu ernähren beziehungsweise bestehendes Übergewicht abzubauen und nicht weiter zuzunehmen:

  • Nehmen Sie nicht mehr Kalorien auf, als Sie täglich brauchen.
  • Die in Fett enthaltenen Kalorien sollten höchstens 30 Prozent der Gesamtkalorien ausmachen, die Sie zu sich nehmen.
  • Bereiten Sie alle Gerichte fettarm zu.
  • Ersetzen Sie gesättigte Fettsäuren durch ungesättigte Fettsäuren: Tierische Fette enthalten einen hohen Anteil an Cholesterin und gesättigten Fettsäuren, pflanzliche Fette sind reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren.
  • Nehmen Sie mehr Ballaststoffe mit der Nahrung auf (z.B. enthalten in Obst, Gemüse, Vollkorn).
  • Achten Sie auf eine cholesterinarme Ernährung (maximal 300 Milligramm Cholesterin pro Tag).

Nur tierische Erzeugnisse enthalten Cholesterin, pflanzliche nicht!

Viel Cholesterin steckt in folgenden tierischen Lebensmitteln:

  • Innereien
  • Eigelb (ca. 250 bis 300 Milligramm Cholesterin pro Eigelb vom Huhn)
  • fettes Fleisch vom Schwein (z.B. Bauch, Speck, Würstchen)
  • Leberwurst und Leberpastete
  • Lamm oder Hammel
  • Butter und Schmalz
  • Mayonnaise und Remouladensauce
  • Kaviar
  • Krusten- und Schalentiere (z.B. Flusskrebse, Krabben, Shrimps, Tiefseegarnelen)
  • Aal
  • Ölsardinen
  • Tintenfisch

Allerdings müssen Sie wegen Ihrer Hypercholesterinämie nicht unbedingt auf tierische Lebensmittel verzichten: Auch wer sich nicht vegetarisch ernährt, kann cholesterinarm und gesund essen. Wichtig ist, dass Sie mageres Fleisch von Kalb, Rind oder Wild bevorzugen und fette Wurstwaren wie Salami, Mortadella, Cervelatwurst, Teewurst, Leberkäse oder Schinkenspeck durch magere Wurstsorten ersetzen, die weniger als 20 Prozent Fett enthalten. Empfehlenswert für eine cholesterinarme Ernährung sind auch cholesterinarme Fische wie zum Beispiel Forelle, Kabeljau (Dorsch), Schwertfisch, Seelachs, Seezunge oder Zander.

Gesund leben

Bei der Therapie der Hypercholesterinämie geht es nicht allein darum, das Cholesterin zu senken, sondern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern. Dabei hilft ein gesunder Lebensstil. Darum: Schalten Sie alle Risikofaktoren nach Möglichkeit aus!

Gesund leben bedeutet zum Beispiel, sich ausreichend zu bewegen. Daher ist es neben der Ernährungsumstellung empfehlenswert, regelmäßig Sport zu treiben. Wenn Sie Übergewicht haben, hilft Ihnen dies auch, überschüssige Pfunde zu verlieren. Versuchen Sie es mal mit Walking, Nordic Walking, Joggen oder Radfahren.

Man sieht eine Ärztin im Gespräch mit einer Patientin. © Jupiterimages/Goodshoot

Beim Joggen purzeln die Pfunde.

Wer gesund leben möchte, sollte außerdem aufs Rauchen verzichten: Dadurch sinkt nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – auch die Lebenserwartung steigt. Selbst wenn der Verzicht auf Zigaretten sich kaum auf die Hypercholesterinämie auswirkt, tun Sie sich durch ein rauchfreies Leben also in jedem Fall etwas Gutes.

Medikamente

Bei einer Hypercholesterinämie sind Medikamente zur Therapie in der Regel erst dann nötig, wenn alle anderen Maßnahmen (wie eine entsprechende Diät) den Cholesterinspiegel nicht ausreichend senken konnten. Wenn Ihre Gefäße allerdings schon durch Arteriosklerose verändert sind, ist es ratsam, frühzeitig mit der medikamentösen Behandlung zu beginnen – ohne abzuwarten, ob die anderen Maßnahmen wirken.

Vor allem rein erblich bedingte Formen (wie die familiäre Hypercholesterinämie) machen eine dauerhafte Therapie durch Medikamente meist unumgänglich. Es stehen verschiedene Cholesterinsenker zur Verfügung, die auf unterschiedliche Weise wirken.

Statine (CSE-Hemmer)

Die zur Hypercholesterinämie-Therapie wirksamsten Medikamente sind die sogenannten Statine – allgemein als CSE-Hemmer bezeichnet (wobei CSE für Cholesterinsyntheseenzym steht), denn: Statine unterdrücken die körpereigene Herstellung (Synthese) von Cholesterin in der Leber, indem sie das Schlüsselenzym der Cholesterinsynthese hemmen – die sogenannte HMG-CoA-Reduktase. Aus diesem Grund heißen Statine auch HMG-CoA-Reduktasehemmer.

Weil nun in der Leber dank der Statine weniger Cholesterin vorhanden ist, sorgt der Körper dafür, dass vermehrt Cholesterin aus dem Blut in die Leberzellen gelangt – und zwar, indem die Leberzellen mehr Andockstellen (sog. Rezeptoren) für LDL-Cholesterin bilden. Da der Körper aber kein Cholesterin nachbildet, sinken die Cholesterinwerte im Blut: Statine können so die LDL-Cholesterinwerte etwa um die Hälfte senken. Aber: Nicht jeder Mensch mit Hypercholesterinämie spricht auf diese Therapie an! Die Wirkung der Medikamente kann sehr unterschiedlich ausfallen.

Zur Therapie der Hypercholesterinämie stehen verschiedene Statine zur Verfügung. Um herauszufinden, welches der Medikamente in welcher Dosierung für Sie am besten geeignet ist, sind nach Behandlungsbeginn eventuell mehrere Kontrolluntersuchungen nötig. Zu den Statinen zählen zum Beispiel folgende Wirkstoffe:

Wenn Sie eine rein erblich bedingte und von beiden Eltern vererbte (bzw. homozygote) Form der Hypercholesterinämie haben, sind Statine in bestimmten Fällen nicht zur Therapie geeignet: Fehlen zum Beispiel aufgrund der ursächlichen Veränderung an Ihrer Erbanlage die LDL-Rezeptoren auf der Oberfläche der Leberzellen vollständig, kann kein LDL-Cholesterin aus dem Blut in die Zellen gelangen – die Statine bleiben wirkungslos.

Zusätzliche Mittel

Bei schwerer Hypercholesterinämie oder wenn die Therapie mit Statinen in der nötigen Dosis Nebenwirkungen hervorruft, kann der Arzt Ihnen zusätzliche Mittel verschreiben: Die Kombination der Medikamente kann den Cholesterinspiegel oft stärker senken als es die jeweiligen Wirkstoffe allein können.

Häufig kommen zur Behandlung als zusätzliche Mittel sogenannte Anionenaustauscherharze (bzw. Gallensäurenbinder) zum Einsatz: Diese Medikamente binden Gallensäuren im Darm, sodass der Mensch sie anschließend ausscheidet. Damit geht auch das in den Gallensäuren enthaltene Cholesterin verloren. Gallensäurenbinder allein können die Cholesterinwerte um bis zu 25 Prozent senken; in Kombination mit Statinen ist die cholesterinsenkende Wirkung höher. Während der Behandlung kann die Aufnahme fettlöslicher Vitamine im Darm vorübergehend vermindert sein.

Unter Umständen bieten sich für die Therapie der Hypercholesterinämie auch sogenannte Cholesterinabsorptionshemmer (wie der Wirkstoff Ezetimib) als zusätzliche Mittel an: Diese Medikamente verhindern, dass der Körper das Cholesterin im Darm aufnimmt (bzw. absorbiert).

Wenn nicht nur das LDL-Cholesterin zu hoch ist, sondern hohe Triglyceride und niedrige HDL-Cholesterinwerte vorliegen und ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht, kommen zur Hypercholesterinämie-Therapie als zusätzliche Mittel auch  Fibrate (wie BezafibratFenofibrat und Gemfibrozil) und/oder Nikotinsäure sowie Omega-3-Fettsäuren zur Kombinationsbehandlung infrage.

Extrakorporale Verfahren/Operation

Wenn Sie Ihre Hypercholesterinämie von beiden Eltern geerbt haben, hilft die übliche Therapie (wie Diät, Cholesterinsenker) nicht weiter. Um den Cholesterinspiegel zu senken, kommen dann sogenannte extrakorporale Verfahren (extrakorporal = außerhalb des Körpers) und möglicherweise eine Operation infrage.

Durch extrakorporale Verfahren lässt sich eine Hypercholesterinämie vor allem dann erfolgreich behandeln, wenn die Behandlung möglichst frühzeitig beginnt und regelmäßig erfolgt – ähnlich wie die Dialysebehandlung von Menschen mit Niereninsuffizienz. Eine Möglichkeit, die Cholesterinwerte erfolgreich zu senken, ist zum Beispiel die LDL-Apherese (extrakorporale LDL-Elimination):

  • Hierbei reinigt man das Blut, indem man dem Blutplasma außerhalb des Körpers bestimmte Substanzen entzieht.
  • Auf diese Weise lässt sich überschüssiges LDL-Cholesterin entfernen.
  • Eine solche Therapie erfolgt meist einmal pro Woche.

Neben diesem lebenslang fortzuführenden, zeit- und kostenintensiven Verfahren kommt zur Hypercholesterinämie-Therapie in bestimmten Situationen möglicherweise eine Lebertransplantation infrage: In diesem Fall gleicht das neue Organ das angeborene Fehlen der Andockstellen (sog. Rezeptoren) für LDL-Cholesterin an den Leberzellen aus.


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