Hypercholesterinämie: Definition & Formen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. Januar 2015)

Definition

Der Begriff Hypercholesterinämie bedeutet, dass die Werte für Cholesterin im Blut zu hoch sind (griech. hyper = über):

Eine Hypercholesterinämie liegt per Definition vor, wenn der Gesamtcholesterinwert über 200 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beziehungsweise über 5,2 Millimol pro Liter (mmol/l) liegt.

Cholesterin ist eine natürliche und wichtige Substanz im menschlichen Körper, die – wie die Fette (bzw. Triglyceride) – zu den Lipiden zählt. Entsprechend gehört die Hypercholesterinämie zu den sogenannten Hyperlipidämien: Dieser Begriff fasst alle Stoffwechselstörungen zusammen, bei denen die Blutfettwerte und/oder Cholesterinwerte erhöht sind.

Der Körper stellt den Großteil des Cholesterins selbst her – nur ein geringer Teil stammt aus der Nahrung. Da Cholesterin wasserunlöslich ist, transportiert der Körper es mithilfe verschiedener Transporteiweiße (sog. Lipoproteine) im Blut:

  • LDL (= Lipoproteine mit niedriger Dichte) und
  • HDL (= Lipoproteine mit hoher Dichte).

Diese Transporteiweiße bringen das Cholesterin über die Blutgefäße zu den Körperzellen.

Die Hypercholesterinämie gilt als Risikofaktor für Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und somit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (je höher der Cholesterinspiegel, desto höher das Risiko). Trotzdem sind erhöhte Cholesterinwerte alleine noch nicht krankhaft und sagen nichts über das individuelle Risiko aus!

Denn: Zum einen ist der Gesamtcholesterinwert nicht aussagekräftig – stattdessen ist bei der Hypercholesterinämie ein hoher LDL-Cholesterinwert ausschlaggebend: Das LDL-Cholesterin ist umgangssprachlich auch als schlechtes Cholesterin bekannt, weil es maßgeblich an der Entstehung von Arteriosklerose beteiligt ist. HDL-Cholesterin hingegen gilt als gutes Cholesterin – ein hoher Wert ist also positiv, während eine geringe HDL-Konzentration (< 40 mg/dl) sogar das Risiko für Arteriosklerose erhöht.

Auch wer laut Gesamtcholesterinwert keine Hypercholesterinämie hat (d.h. Gesamtcholesterin < 200 mg/dl), kann demnach ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, wenn der HDL-Cholesterinwert kleiner als 40 mg/dl ist.

Zum anderen hängt das individuelle Risiko davon ab, ob neben der Hypercholesterinämie folgende weitere Risikofaktoren vorliegen:

Hypercholesterinämie-Formen

Je nachdem, wodurch eine Hypercholesterinämie entsteht, unterscheidet man verschiedene Formen:

  • Ernährungsbedingte Hypercholesterinämie: Sie entsteht durch zu cholesterinreiche Ernährung oder zu hohe Zufuhr von gesättigten Fettsäuren oder Transfettsäuren.
  • Eine sekundäre Hypercholesterinämie kann das Symptom für eine Erkrankung sein (z.B. akute intermittierende Porphyrie, Magersucht, primärer Leberkrebs, Schilddrüsenunterfunktion, nephrotisches Syndrom), durch bestimmte Medikamente oder infolge der Wechseljahre entstehen.
  • Familiäre Hypercholesterinämie: Diese Form ist erblich bedingt; die ursächliche Veränderung am Erbgut wirkt sich ausschließlich auf den Cholesterinspiegel aus.
  • Auch die familiäre kombinierte Hyperlipidämie ist erblich bedingt; meist sind infolge der ursächlichen Veränderung am Erbgut neben dem LDL-Cholesterin die Triglyceride mäßig erhöht.
  • Polygene Hypercholesterinämie: Diese häufigste Form entsteht durch ein Zusammenspiel mehrerer erblich bedingter Faktoren (daher polygen genannt: griech. poly = viel) und zusätzlicher Risikofaktoren, die auch ohne erbliche Einflüsse eine Hypercholesterinämie auslösen können (wie zu fett- oder kalorienreiche Ernährung, zu hohe Zufuhr an gesättigten Fettsäuren, Schilddrüsenfunktionsstörungen, bestimmte Medikamente).

Häufigkeit

Die Hypercholesterinämie tritt mit großer Häufigkeit auf: In den westlichen Industrieländern hat mehr als jeder zweite Mensch über 40 zu hohe Cholesterinwerte (d.h. >200 mg/dl). In den meisten Fällen steckt eine polygene Hypercholesterinämie hinter dem erhöhten Cholesterinspiegelauf: Bei 20 von 100 Menschen in Deutschland findet sich diese Form.


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