Hirnmetastasen: Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (18. Januar 2016)

Bei der Therapie von Hirnmetastasen arbeiten Ärzte verschiedener medizinischer Fachbereiche zusammen:

  • Neurologen (Fachärzte für Erkrankungen des Nervensystems)
  • Neurochirurgen (Spezialisten für Operationen am Gehirn, Rückenmark und an Nerven)
  • Onkologen (Spezialisten für Krebserkrankungen und deren Therapie)
  • Radiologen (Fachärzte, welche die Auswertung und Beurteilung von z.B. CT- und MRT-Bildern vornehmen)
  • Strahlentherapeuten (Spezialisten für die Behandlung mittels Bestrahlung)

Die beteiligten Ärzte planen die Therapie des Betroffenen meistens in einer gemeinsamen Tumorkonferenz.

Welche Therapie bei Hirnmetastasen geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab, so etwa von

  • der Lage der Metastase(n),
  • der Größe der Metastase(n),
  • der Anzahl der Metastasen und
  • der Art des Ursprungstumors.

Liegen im Gehirn eindeutig Hirnmetastasen vor, versuchen die Ärzte den Ursprungstumor, von dem diese Tochtergeschwulste stammen, ausfindig zu machen und ebenfalls zu behandeln – falls dies nicht bereits geschehen ist.

Ursache vieler Beschwerden wie zum Beispiel Übelkeit oder Erbrechen ist häufig ein mehr oder weniger ausgedehntes Ödem, das sich um die Hirnmetastasen gebildet hat. Als erste Maßnahme verabreicht der Arzt daher stark wirksame Kortikoide. Diese Arzneimittel mildern die Symptome rasch durch ihre abschwellende Wirkung. Allerdings bleibt die Wirkung nicht langfristig erhalten. Darum ist es wichtig, weitere therapeutische Maßnahmen einzuleiten, wie:

Operation

Einzelne Hirnmetastasen kann der Neurochirurg operativ entfernen. Das ist vor allem bei Metastasen einer Krebserkrankung sinnvoll, die über längere Zeit relativ gut – also ohne Rückfall (sog. Rezidiv) – verlaufen ist. Insbesondere größere Metastasen mit einem Durchmesser von drei Zentimetern und mehr werden – wenn möglich – meist operativ entfernt. Eine Operation ist allerdings beispielsweise nur angemessen, wenn die Grunderkrankung und der Zustand des Patienten diesen Eingriff zulassen und wenn der Operateur den Tumor relativ leicht entfernen kann, ohne dass es zu schweren neurologischen Ausfällen kommt.

Liegen beim Betroffenen sehr viele Hirnmetastasen vor, ist eine Operation als Therapie meist nicht angemessen. Doch es gibt Ausnahmen: Lässt sich zum Beispiel die ursächliche Krebserkrankung gut behandeln oder sogar heilen, ist es sinnvoll, auch die Hirnmetastasen operativ zu entfernen.

Generell müssen die behandelnden Ärzte bei jeder Operation sorgfältig den Nutzen des Eingriffs gegenüber einem möglichen Operationsrisiko abwägen. Dabei ist zu bedenken, dass schwere Operationen die Lebensqualität des Betroffenen – zusätzlich zur belastenden Gesamtsituation – mindern können.

Strahlentherapie

Eine Bestrahlung kann mit anderen Therapieverfahren kombiniert werden, so etwa mit einer Operation. Sie kann aber auch als alleinige Maßnahme eingesetzt werden, zum Beispiel, wenn bereits mehrere Metastasen vorliegen oder wenn eine Operation nicht möglich ist. Die Dosis wird in der Regel auf mehrere Einzelbestrahlungen verteilt (sog. fraktionierte Strahlentherapie). Dabei wird meist der gesamte Schädel bestrahlt (Ganzhirnbestrahlung).

Liegen zahlreiche (multiple) Hirnmetastasen vor, so profitieren die meisten Patienten von der Strahlentherapie des gesamten Schädels (Ganzhirnbestrahlung). Bei wenigen, kleineren Hirnmetastasen (bis zu vier Metastasen mit einem Durchmesser von bis zu 2,5 Zentimetern) wird dagegen meist ein radiochirurgischer Eingriff empfohlen.

Radiochirurgie

Bei kleinen Hirnmetastasen mit einem Durchmesser von bis zu drei Zentimetern kann als Alternative die sogenannte Radiochirurgie zum Einsatz kommen: Mit hoher Genauigkeit wird durch diese Form der Strahlentherapie nur der Tumor zerstört, umliegendes gesundes Gewebe bleibt dagegen verschont. Im Rahmen eines radiochirurgischen Eingriffs wird eine Strahlendosis ganz gezielt auf den Tumor gerichtet.

Chemotherapie

Die Chemotherapie spielt bei der Behandlung von Hirnmetastasen eine eher untergeordnete Rolle. In einigen Fällen von Hirnmetastasen ist sie jedoch allein oder zusammen mit einer Strahlentherapie wirksam. Allerdings ist hierbei wichtig, dass die Krebsart, die ins Gehirn gestreut hat, auch auf die eingesetzten Medikamente (Zytostatika) anspricht. Ein Beispiel sind Hirnmetastasen, die durch ein kleinzelliges Bronchialkarzinom ausgelöst werden.

Treten Hirnmetastasen erneut auf (sog. Rezidive), ist die Therapie dieser Tumoren von Einzelfall zu Einzelfall unterschiedlich. Sie hängt wesentlich von dem Allgemeinzustand des Betroffenen und der bereits durchgeführten Erstbehandlung ab.


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