Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Herzmuskelschwäche): Therapie

Veröffentlicht von: Till von Bracht (29. Mai 2013)

Bei der Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Herzmuskelschwäche) läuft die Therapie nach einem Stufenplan ab, je nach festgestelltem Schweregrad. Allgemeine Maßnahmen können in allen Krankheitsstadien dazu beitragen, dass es dem Betroffenen besser geht. Dazu gehören zum Beispiel:

  • wenig körperliche Anstrengung, in schweren Fällen Bettruhe mit erhöhtem Oberkörper – das erleichtert das Atmen
  • Einhalten eines Normalgewichts
  • bei Bedarf Inhalieren von Sauerstoff

Besonders bei Wassereinlagerungen (Ödemen) sollte der Betroffene eine kochsalzarme Diät (weniger als 3 Gramm pro Tag) und eine vorgegebene Trinkmenge einhalten (Bilanzierung). Besteht Übergewicht, ist eine dauerhafte Gewichtsreduktion unerlässlich. Auf übermäßigen Genuss von Alkohol sollten Menschen mit Herzinsuffizienz verzichten.

Neben diesen Allgemeinmaßnahmen spielen bei einer Herzinsuffizienz Medikamente eine wichtige Rolle bei der Therapie. Bei der medikamentösen Therapie der chronischen Herzinsuffizienz setzt der Arzt häufig folgende Wirkstoffgruppen ein:

Personen mit schwerer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) benötigen in der Regel eine Therapie im Krankenhaus. Nach der Stadieneinteilung der New-York-Heart-Association (NYHA) zählen Patienten im NYHA-Stadium III und IV dazu. Stadium III liegt vor, wenn Beschwerden schon bei leichter körperlicher Belastung auftreten. Im NYHA-Stadium IV klagen die Betroffenen über Ruhe-Beschwerden – schon geringste körperliche Belastung verschlechtert ihren Zustand.

Manchmal sind bei einer Herzinsuffizienz Operationen zur Therapie sinnvoll. Etwa bei schweren Herzrhythmusstörungen können Ärzte einen Herzschrittmacher einsetzen, der mit einem Defibrillator kombiniert ist. Der Herzschrittmacher gibt leichte Stromimpulse an das Herz ab und regt es so zum Pumpen an. Der integrierte Defibrillator gibt einen stärkeren Stromstoß ab und kann dadurch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen beenden. Die Stärke der Stromimpulse können individuell auf den Betroffenen abgestimmt werden.

Wenn das Herz sehr stark geschädigt ist, bleibt bei einer Herzinsuffizienz manchmal eine Herztransplantation als letzte Therapie-Option.

ACE-Hemmer

ACE-Hemmer (Wirkstoffe wie Enalapril, Lisinopril etc.) gelten derzeit als Basismedikamente zur Behandlung einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Herzmuskelschwäche). Sie entfalten ihre Wirkung, indem sie das sogenannte Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) blockieren. Langfristig senken ACE-Hemmer das Risiko für Herzinfarkte, krankhafte Herzvergrößerungen (Hypertrophie, Dilatation), Vorhofflimmern und Schlaganfälle. Betroffene mit einer Herzinsuffizienz fühlen sich etwa vier bis zehn Wochen nach Therapiebeginn besser. Sie haben weniger Atemnot und können sich körperlich wieder mehr belasten.

Vertragen Betroffene aufgrund eines Hustens keinen ACE-Hemmer ober bestehen Gegenanzeigen, kann der Arzt alternativ einen Angiotensin-II-Rezeptorblocker (auch als "Sartan" bezeichnet) verschreiben.

Betablocker

Betablocker (Wirkstoffe wie Carvedilol, Bisoprolol, Metoprolol etc.) hemmen die Ausschüttung von Stresshormonen und senken so die Herzfrequenz und den Widerstand in den arteriellen Blutgefäßen. Die Kontraktionskraft des Herzens nimmt zu und das Risiko für akutes Pumpversagen oder plötzlichen Herztod verringert sich. Vor allem zu Beginn der Therapie einer Herzinsuffizienz mit Betablockern können Nebenwirkungen auftreten. Die Dosierung der Medikamente sollte daher langsam erhöht werden, bis die endgültige Dosis erreicht ist (sog. einschleichende Therapie). Wird die Dosis zu schnell erhöht, kann sich die Herzinsuffizienz verschlechtern, der Blutdruck kann fallen oder es können sogenannte bradykarde Rhythmusstörungen mit langsamem Herzschlag auftreten. Die Symptome bessern sich nach circa zwei bis drei Monaten.

Diuretika (entwässernde Medikamente)

Diuretika fördern die Ausscheidung von Wasser und Natrium durch die Nieren. Ödeme können so schnell ausgeschwemmt werden. Das verringert die Lungenstauung und erleichtert die Atmung. Die verschiedenen Diuretika (sog. Schleifendiuretika, Thiazid-Diuretika und kaliumsparende Diuretika) wirken unterschiedlich stark und setzen an bestimmten Abschnitten der komplex aufgebauten Nieren an. Diuretika werden in der Regel mit einem ACE-Hemmer kombiniert.

Bei schweren Formen der Herzinsuffizienz, die bereits mit ACE-Hemmern, Betablockern und Diuretika behandelt werden, kann der Arzt zusätzlich den Wirkstoff Spironolacton (ein sogenannter Aldosteron-Antagonist) einsetzen.

Digitalis (Herzglykoside, Fingerhut)

Digitalis (etwa Digitoxin) erhöht sowohl die Kontraktionskraft als auch das Schlagvolumen des Herzens. Heute kommt es bei Herzinsuffizienz in der Regel nur noch zusätzlich zu ACE-Hemmern, Betablockern und Diuretika zum Einsatz.

Ivabradin (If-Kanalblocker)

Ivabradin (If-Kanalblocker) ist bei Herzinsuffizienz geeignet, wenn die Betroffenen einen erhöhten Puls (mehr als 75 Schläge pro Minute) haben und zum Beispiel Betablocker nicht vertragen. Der Wirkstoff beeinflusst das Reizleitungssystem des Herzens und senkt die erhöhte Herzfrequenz, was letztlich die Prognose einer Herzinsuffizienz verbessern kann. Bei Patienten mit ohnehin niedrigem Puls ist der Wirkstoff jedoch nicht geeignet.


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