Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Herzmuskelschwäche): Definition & Häufigkeit

Veröffentlicht von: Till von Bracht (29. Mai 2013)

Definition

Eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Herzmuskelschwäche) ist eine mögliche Folge verschiedener Herzerkrankungen. Bei der Herzinsuffizienz handelt es sich um eine Funktionsstörung (Insuffizienz) des Herzens. Das Herz kann das Blut nicht mehr in ausreichender Menge weiterpumpen. Die Organe und Gewebe werden dadurch schlechter durchblutet. Bei einer schweren Herzschwäche kann es deshalb zum Kreislaufversagen kommen.

Mediziner teilen die Herzinsuffizienz nach dem Schema der New-York-Heart-Association (NYHA) in vier Schweregrade ein. Diese geben an, wie stark die Beschwerden (z.B. Luftnot) sind, die ein Betroffener mit Herzschwäche wahrnimmt, wenn er sich körperlich anstrengt.

NYHA-StadiumKlinik (subjektive Beschwerden, z.B. Luftnot und Müdigkeit)
I keine Beschwerden, normale Belastbarkeit
II Beschwerden bei stärkerer körperlicher Belastung
III Beschwerden schon bei leichter körperlicher Belastung
IV Beschwerden in Ruhe, Verschlechterung schon bei geringster körperlicher Belastung

Anhand des zeitlichen Verlaufs unterscheiden Ärzte zwei Formen der Herzinsuffizienz:

  1. akute (plötzlich auftretende) Herzinsuffizienz (z.B. infolge eines akuten Herzinfarkts)
  2. chronische Herzinsuffizienz (entwickelt sich im Laufe von Monaten bis Jahren)

Darüber hinaus ist von Bedeutung, wo genau die Insuffizienz (Funktionsstörung) innerhalb des Herzens vorliegt: Je nachdem, ob die linke oder rechte Herzkammer maßgeblich am Pumpversagen des Herzens beteiligt ist, liegt entweder eine sogenannte Linksherzinsuffizienz oder Rechtsherzinsuffizienz vor. Die Symptome können sich teilweise erheblich unterscheiden. Eine globale Herzinsuffizienz liegt vor, wenn die Pumpfunktion beider Herzkammern eingeschränkt ist.

Ausgleichsmechanismen

Bei einer beginnenden Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Herzmuskelschwäche) setzt der Organismus verschiedene Ausgleichsmechanismen (Kompensationsmechanismen) in Gang. Die Pumpleistung des Herzens bleibt dadurch trotz der Herzmuskelschwäche zeitweise aufrecht erhalten, sodass die Organe ausreichend mit Blut versorgt werden.

Wenn der ausgleichende, kompensierende Effekt nicht mehr ausreicht, um Symptome der Herzmuskelschwäche zu verhindern, liegt eine sogenannte dekompensierte Herzinsuffizienz vor.

Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)

Im Wesentlichen gleicht der Körper die abnehmende Pumpleistung aus, in dem er das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) aktiviert. Dies führt dazu, dass die Niere weniger Wasser und Natrium ausscheidet. Die Folge: Das Blutvolumen nimmt zu und das Herz füllt sich besser mit Blut. Zusätzlich verengen sich die Arterien, wodurch der arterielle Blutdruck steigt. Die vermehrte Blutfüllung des Herzens bewirkt, dass sich das Herz vor dem Zusammenziehen stärker dehnt. Die bessere Vordehnung des Herzmuskels steigert die Kontraktionskraft (also die Fähigkeit des Herzmuskels, sich gegen einen Widerstand zusammenzuziehen). Vorübergehend steigt die pro Herzschlag ausgeworfene Blutmenge (Schlagvolumen) an. Langfristig führt die stärkere Füllung des Herzens allerdings dazu, dass sich die Herzhöhlen erweitern und die Herzklappen überdehnen. Die Klappen können sich nicht mehr reibungslos öffnen und schließen – als Konsequenz nimmt die Pumpleistung des Herzens wieder ab.

Stresshormone

Durch die Aktivierung des sogenannten sympathischen Nervensystems schüttet der Körper vermehrt Stresshormone wie etwa Adrenalin und Noradrenalin aus. Beide Hormone erhöhen vorübergehend die Herzfrequenz und damit die Pumpleistung des Herzens. Hält dieser Zustand längere Zeit an, werden die Andockstellen der Herzzellen gegenüber diesen Stresshormonen jedoch weniger empfindlich, sodass ihre Wirkung nachlässt. Entsteht dadurch letztlich eine dekompensierte Herzinsuffizienz, bemerken dies die Betroffenen zum Beispiel an Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen oder vermehrter Atemnot.

Im weiteren Verlauf einer sich entwickelnden Herzinsuffizienz vergrößern sich die Herzmuskelfasern zum Ausgleich. Das Herz versucht so, mehr Blut pro Herzschlag zu befördern. Die vergrößerten Herzmuskelfasern brauchen ihrerseits mehr Sauerstoff. Als Ergebnis reicht die Durchblutung ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr aus.

Oftmals kann der Arzt mittels einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) bereits einen erhöhten Füllungsdruck in den Herzkammern nachweisen, bevor die ersten Symptome auftreten.

Häufigkeit

Angaben über die Häufigkeit der Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Herzmuskelschwäche) variieren in der Literatur, da sie sich auf unterschiedliche Definitionen beziehen. In der Regel werden nur die nach dem Schema der New-York-Heart-Association (NYHA) als Stadium II-IV eingeteilten Patienten erfasst – das NYHA-Stadium I verursacht keine Beschwerden und ist bestenfalls mithilfe einer Ultraschalluntersuchung des Herzens erkennbar.

Die Herzinsuffizienz betrifft deutlich mehr alte als junge Menschen: Etwa 10 Prozent der über 70-Jährigen haben eine Herzschwäche, bei den 40- bis 50-Jährigen sind dagegen nur 1 bis 3 Prozent betroffen.

Dass eine Herzinsuffizienz im Alter so häufig vorkommt, liegt daran, dass viele Betroffene in diesem Lebensabschnitt an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) und Bluthochdruck leiden – diese Erkrankungen fördern die Entstehung einer Herzmuskelschwäche. Männer trifft es dabei etwas häufiger als Frauen. Wahrscheinlich wird die Häufigkeit von Herzinsuffizienz in Zukunft weiter steigen, da das Durchschnittsalter der Bevölkerung ansteigt.


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