Herzinfarkt: Warnzeichen frühzeitig erkennen
Ein Herzinfarkt geschieht oft plötzlich. Dann zählt jede Sekunde: Je schneller er erkannt und behandelt wird, desto höher sind die Überlebenschancen. Deshalb ist es wichtig, die ersten Anzeichen zu kennen. Diese Ursachen und Maßnahmen zur Behandlung gibt es.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.
FAQ: Häufige Fragen und Antworten zum Herzinfarkt
Ein Herzinfarkt kann sich durch Warnzeichen wie neu auftretende oder zunehmende Brustschmerzen, Druckgefühl oder Atemnot ankündigen, muss es aber nicht. Diese Warnzeichen sollten ernst genommen werden, da sie auf ein erhöhtes Infarktrisiko hinweisen.
Ja, viele Menschen kehren nach einer Rehabilitationsphase zu einem normalen Leben zurück. Jedoch ist eine Anpassung des Lebensstils notwendig, um das Risiko eines weiteren Infarkts zu reduzieren.
Nach einem Herzinfarkt kann sich das Herz teilweise erholen, insbesondere wenn der Infarkt schnell behandelt wurde und die betroffene Person ihren Lebensstil verbessert. Dennoch bleibt oft eine gewisse Schädigung des Herzmuskels bestehen, die zu einer dauerhaften Funktionseinschränkung führen kann.
Was passiert bei einem Herzinfarkt?
Bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) wird der Herzmuskel durch eine Durchblutungsstörung geschädigt. Je nach Dauer und Schwere der Minderdurchblutung kann dabei Herzmuskelgewebe absterben.
Ursache ist meist der plötzliche Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Denn dann kann der betroffene Bereich des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Wenn diese Teile daraufhin absterben, kann die Pumpkraft des Herzens ein Leben lang gestört sein. Eine weitere mögliche Folge sind Herzrhythmusstörungen (insbesondere Kammerflimmern), die unbehandelt tödlich sind.
In Deutschland ist der Herzinfarkt die zweithäufigste Todesursache. Männer sind mit einem Anteil von fast 58 Prozent häufiger betroffen als Frauen.
Jeder Herzinfarkt gilt als Notfall
Schon beim geringsten Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt sollte man sofort den Notruf wählen. Denn eine möglichst schnelle Behandlung ist entscheidend, damit die unterversorgte Herzregion keinen dauerhaften Schaden nimmt.
Herzinfarkt an typischen Symptomen erkennen
Die ersten akuten Symptome eines Herzinfarktes sind typischerweise:
- anhaltende, heftige Brustschmerzen, die in Schulter, Arm, Unterkiefer oder Oberbauch ausstrahlen
- Unruhe bis hin zu Todesangst
- kalter Schweißausbruch
- Blässe
- Übelkeit und Erbrechen
- Atemnot
Anstelle der Schmerzen verspüren manche Menschen bei einem Herzinfarkt auch nur einen starken Druck in der Brust. Beide Symptome halten typischerweise länger als fünf Minuten an.
Für viele Menschen kommt ein Herzinfarkt zwar überraschend. Dennoch treten oftmals frühzeitig Vorboten für einen Herzinfarkt auf: Viele Infarktpatient*innen hatten bereits davor Herzprobleme wie eine koronare Herzkrankheit. Aber auch Menschen ohne Vorerkrankungen können einen Myokardinfarkt bekommen.
Herzinfarkt-Symptome bei Frauen
Oft verursacht ein Herzinfarkt bei Frauen andere Symptome als bei Männern. Im Vordergrund stehen unspezifische Beschwerden wie Übelkeit, Schmerzen und Kurzatmigkeit. Problematisch daran ist, dass in vielen Fällen sowohl Betroffene als auch Ärzt*innen die Symptome falsch deuten und die Herzprobleme zu spät erkennen.
Achtung: Auch wer eine chronische Niereninsuffizienz oder Demenz hat, unter 40 oder über 75 Jahre alt ist, zeigt bei einem Myokardinfarkt oftmals untypische Beschwerden.
Stummer Herzinfarkt: Nicht immer gibt es Symptome
Ein stiller oder stummer Herzinfarkt verläuft ohne die typischen Beschwerden. Er ist jedoch genauso gefährlich wie die klassische Form, da er zu dauerhaften Schäden am Herzmuskel führen kann.
Schätzungen zufolge sind bis zu 45 Prozent aller Infarkte stumm und werden oft erst Jahre später zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt.
Ein besonderes Risiko haben Menschen mit Diabetes mellitus. Viele von ihnen entwickeln eine Neuropathie, die die Schmerzempfindung beeinträchtigt. In der Folge nehmen sie möglicherweise keine Symptome wahr, selbst bei einem größeren Infarkt.
Ursachen für einen Herzinfarkt
Die Herzkranzgefäße, auch Koronararterien genannt, liegen kranzartig um das Herz herum. Normalerweise versorgen sie das Herz mit sauerstoffreichem Blut. Wird ein Abschnitt der Gefäße nicht mehr durchblutet und somit ungenügend mit Sauerstoff versorgt, stirbt das betroffene Herzmuskelgewebe ab: Es entsteht ein Herzinfarkt.
Je nachdem, wo der Gefäßverschluss auftritt, unterscheidet man folgende Typen:
- Vorderwandinfarkt
- Hinterwandinfarkt und Seitenwandinfarkt
- Scheidewandinfarkt (Septuminfarkt)
- Kombinationsinfarkte
In den meisten Fällen betrifft ein Herzinfarkt die Muskulatur der linken Kammer.
Ursachen für den Verschluss der Herzkranzgefäße
Am häufigsten steckt ein Blutgerinnsel hinter dem Gefäßverschluss. Die meisten Infarktpatient*innen hatten schon vorher die koronare Herzkrankheit (KHK), bei der die Durchblutung des Herzmuskels wegen Arteriosklerose (Arterienverkalkung) der Herzkranzarterien gestört ist.
Aus den charakteristischen Ablagerungen (Plaques) an den Gefäßwänden kann ein Blutgerinnsel (Thrombus) entstehen. In der Folge verstopft das Gefäß, sodass kein Blut mehr hindurchfließen kann.
Risikofaktoren
Es gibt viele Risikofaktoren, die eine Arteriosklerose und damit auch einen Herzinfarkt begünstigen. Als Ursachen für ein erhöhtes Infarktrisiko gelten zum Beispiel:
- höheres Lebensalter
- Rauchen
- erhöhte Cholesterinwerte im Blut
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- Übergewicht
- Stress
- Bewegungsmangel
- genetische Vorbelastung
Diagnose bei Verdacht auf Herzinfarkt
Erste Hinweise auf einen Herzinfarkt ergeben sich oft anhand der vorliegenden Beschwerden. Um eine sichere Diagnose zu stellen, sind gezielte Untersuchungen nötig.
Elektrokardiogramm (EKG): Das EKG liefert Hinweise darauf, wo sich die Herzerkrankung befindet. Außerdem kann der*die Arzt*Ärztin ablesen, ob der Myokardinfarkt erst vor Kurzem aufgetreten ist oder schon längere Zeit zurückliegt.
Labordiagnostik: Das abgestorbene Herzmuskelgewebe setzt bestimmte Herzmarker frei, vor allem das hoch-sensitive Troponin. Bereits geringe Anstiege können auf eine Schädigung des Herzmuskelgewebes hinweisen.
Herzinfarkt: Therapie und Erste Hilfe
Für möglichst gute Heilungschancen erfordert ein akuter Herzinfarkt eine schnelle Therapie. Entscheidend sind vor allem die ersten Stunden nach dem Infarkt.
Erste Hilfe
In jedem Fall ist es wichtig, schon beim geringsten Verdacht sofort den Rettungsdienst zu alarmieren. Bis der*die Notarzt*Notärztin eintrifft, ist folgendes zu tun:
- Bewusstseinszustand und Atmung prüfen: Prüfen, ob Betroffene bei Bewusstsein sind und atmen. Falls nicht, sofort mit der Reanimation beginnen.
- Beruhigen und für bequeme Lage sorgen: Sind Betroffene bei Bewusstsein, beruhigend auf sie einreden und ihnen helfen, sich so hinzulegen oder hinzusetzen, dass das Atmen leichtfällt. Beengende Kleidung öffnen (z. B. Krawatte lockern, Hemd oben aufknöpfen).
- Abschirmen: Unbedingt Unruhe, Aufregung oder Anstrengung von den Betroffenen fernhalten.
- Beobachten: Betroffene nicht aus den Augen lassen, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Notärztliche Sofortmaßnahmen
Der Rettungsdienst leitet die ersten Sofortmaßnahmen gegen den Herzinfarkt ein:
- starke Schmerzmittel (Opiate)
- bei Bedarf Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen
- gerinnungshemmende Medikamente wie Acetylsalicylsäure und Heparin, um zu verhindern, dass das Blutgerinnsel wächst oder an anderer Stelle ein weiteres entsteht
Das wichtigste Ziel der Therapie ist es, das verschlossene Herzkranzgefäß so schnell wie möglich wieder zu eröffnen. Welche Maßnahmen dafür geeignet sind, hängt vom Befund im EKG ab:
ST-Hebungsinfarkt (STEMI): Ziel ist es, das verschlossene Herzkranzgefäß möglichst rasch per Herzkatheter wieder zu eröffnen, meist durch eine Ballondilatation mit Stent. Ist dies nicht rechtzeitig möglich, kann alternativ eine medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels erwogen werden.
Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI): Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Risiko. Je nach Befund werden weiterführende Untersuchungen durchgeführt und Medikamente eingesetzt, um das Herz zu schützen und weitere Blutgerinnsel zu verhindern, etwa gerinnungs- und plättchenhemmende Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Clopidogrel oder Heparin.
Nach einem Herzinfarkt ist eine engmaschige Überwachung erforderlich, insbesondere in den ersten 24 bis 48 Stunden. Wie lange diese notwendig ist, hängt vom individuellen Risiko und vom Verlauf ab.
Herzinfarkt bei Frauen: Was bei der Behandlung besonders wichtig ist
Aktuelle europäische Empfehlungen betonen, dass Frauen mit einem Herzinfarkt in einigen Punkten besondere Aufmerksamkeit in der Behandlung benötigen. Denn sie entwickeln häufiger Nebenwirkungen und Blutungskomplikationen unter bestimmten Herzmedikamenten.
Empfohlen werden unter anderem folgende Maßnahmen:
Arzneimittel wie Heparin oder Plättchenhemmer sollen individuell unter Berücksichtigung von Körpergewicht und Nierenfunktion dosiert werden.
Herzkatheter sollen möglichst über die Arterie am Handgelenk eingeführt werden, da dies mit einem geringeren Blutungsrisiko verbunden ist.
Dies gilt zwar grundsätzlich für alle Betroffenen, ist bei Frauen aufgrund des erhöhten Risikos für Blutungskomplikationen besonders wichtig.
Bei Frauen treten außerdem häufiger besondere Formen des Herzinfarkts auf, bei denen die Herzkranzgefäße nicht stark verengt sind. Dazu zählen unter anderem sogenannte MINOCA oder die spontane koronare Arteriendissektion (SCAD). In diesen Fällen sind zusätzliche bildgebende Untersuchungen sinnvoll, um die genaue Ursache zu klären. Eine routinemäßige intensive Blutverdünnung ist hier nicht immer angezeigt.
Weitere therapeutische Maßnahmen
Verläuft ein Herzinfarkt ohne Komplikationen, dauert der Aufenthalt im Krankenhaus zwischen einigen Tagen und wenigen Wochen. Darauf folgen weitere Maßnahmen in einer Rehabilitationsklinik oder einem ambulanten Therapiezentrum. Dazu gehören:
- Bewegungstherapie
- psychische Stabilisierung
- herzgesunde Ernährung
- Strategien zur Stressbewältigung
- falls notwendig Gewichtskontrolle und Rauchstopp
Eine weitere wichtige Maßnahme nach einem Herzinfarkt besteht darin, dauerhaft gerinnungshemmende Medikamente einzunehmen:
- Acetylsalicylsäure (lebenslang)
- Prasugrel, Ticagrelor oder Clopidogrel (für 12 Monate)
Außerdem können weitere Medikamente erforderlich sein:
- Cholesterinsenker (Statine), um den Cholesterinspiegel zu senken
- Betablocker, um das Herz effizienter arbeiten zu lassen
- ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten, um den Blutdruck zu senken
Prognose und Verlauf bei Herzinfarkt
Die ersten Stunden nach einem Herzinfarkt sind für die Prognose entscheidend: Nur wenn es in diesem Zeitfenster gelingt, die Durchblutung des verschlossenen Gefäßes wiederherzustellen, kann ein dauerhafter Schaden verhindert werden. Wer die ersten Tage nach einem Myokardinfarkt überlebt, kann mit einer günstigen Prognose rechnen.
Nach einem Herzinfarkt wandelt sich beschädigtes Herzmuskelgewebe im weiteren Verlauf in Bindegewebe um und vernarbt.
Komplikationen
Bei einem Herzinfarkt kann die elektrische Reizausbreitung an den betroffenen Bereichen gestört sein. Dadurch kommt es mitunter zu schweren Herzrhythmusstörungen. Außerdem können an den geschädigten Bereichen spindel- oder sackförmige Erweiterungen (Aneurysmen) entstehen, die schlimmstenfalls lebensbedrohliche Komplikationen zur Folge haben. Dazu zählen ihre Ruptur oder die Bildung von Blutgerinnseln.
Herzinfarkt vorbeugen
Einem Herzinfarkt lässt sich vorbeugen, indem das Herz geschont und Risikofaktoren für Arteriosklerose (Arterienverkalkung) vermieden werden. Diese Tipps helfen dabei:
- auf Nikotin verzichten
- regelmäßige Bewegung (z. B. durch tägliche Spaziergänge von mindestens 30 Minuten)
- gemäßigte Ausdauersporteinheiten wie Radfahren oder Schwimmen
- Stress reduzieren
- Übergewicht abbauen
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr (täglich 1,5 bis 2 Liter Wasser trinken)
- regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, z. B. mit einem Belastungs-EKG
- Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte entsprechend behandeln lassen
Einem Herzinfarkt durch gesunde Ernährung vorzubeugen bedeutet vor allem, wenig tierisches Fett und wenig zuckerhaltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Stattdessen sind Obst und Gemüse sehr empfehlenswert. Auch auf Fast Food sollte man besser verzichten.
Angeborene Risikofaktoren
Neben den klassischen Risikofaktoren gibt es auch genetisch bedingte Einflüsse auf das Herzinfarktrisiko. Dazu zählt das Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Dabei handelt es sich um eine besondere Form des Cholesterins, deren Konzentration im Blut weitgehend erblich festgelegt ist.
Erhöhte Lp(a)-Werte können das Risiko für Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und lassen sich durch Lebensstilmaßnahmen kaum beeinflussen. Fachgesellschaften empfehlen, den Lp(a)-Wert zumindest einmal im Leben bestimmen zu lassen, insbesondere bei familiärer Vorbelastung.