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Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Sofortmaßnahmen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. Oktober 2015)

Nach einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) ist eine schnelle ärztliche Therapie wichtig: Durch geeignete Sofortmaßnahmen in der ersten Stunde nach dem Infarkt ist es am ehesten möglich, die Durchblutung des Herzmuskels mit Medikamenten oder durch Aufdehnung der verschlossenen Herzkranzarterie wiederherzustellen.

Je schneller beim Herzinfarkt ärztliche Sofortmaßnahmen zum Einsatz kommen, umso weniger Herzmuskelgewebe nimmt dauerhaften Schaden und umso weniger Komplikationen treten auf.

Der Notarzt leitet die ersten Sofortmaßnahmen gegen den Herzinfarkt ein: Er kann gefährliche Herzrhythmusstörungen erkennen und entsprechend behandeln. Starke Schmerzmittel (Opiate) eignen sich, um die mit dem Myokardinfarkt einhergehenden Schmerzen zu lindern. Bei Bedarf können auch Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen zum Einsatz kommen. Zudem verabreicht der Notarzt gerinnungshemmende Medikamente (wie Acetylsalicylsäure, Heparin), um zu verhindern, dass das Gerinnsel wächst oder an anderer Stelle ein weiteres entsteht.

Im Krankenhaus angekommen bekommt der Betroffene einen Zugang zum Gefäßsystem (zentraler Venenkatheter, ZVK) gelegt, um darüber weiterhin blutverdünnende Medikamente zu erhalten. Wer Atemnot, eine akute Herzinsuffizienz oder eine Minderversorgung des Körpers mit Sauerstoff (Hypoxie) hat, bekommt zudem über eine Nasensonde Sauerstoff verabreicht. Teil der Sofortmaßnahmen ist es auch, ständig den Blutdruck zu überprüfen und bei Bedarf zu regulieren. Dies geschieht oft mit Nitraten: Nitrate entlasten das Herz und verringern die mit dem Myokardinfarkt einhergehenden Schmerzen.

Das bei einem Herzinfarkt wichtigste Ziel der Therapie lautet: das verschlossene Blutgefäß schnellstmöglich wieder freibekommen! Welche Sofortmaßnahmen zu dieser sogenannten Reperfusionstherapie geeignet sind, hängt vom EKG-Befund ab: Zeigt das EKG ...

  • einen Myokardinfarkt mit ST-Hebung (bzw. STEMI = engl. ST-segment elevation myocardial infarction) oder
  • einen Myokardinfarkt ohne ST-Hebung (bzw. NSTEMI = non-ST-segment elevation myocardial infarction)?
Ein Mann fasst sich an die Brust. © iStock

Bei einem Herzinfarkt muss so rasch wie möglich gehandelt werden.

Bei einem Herzinfarkt mit ST-Hebung empfiehlt es sich, möglichst schnell eine sogenannte perkutane Koronarintervention (bzw. PCI) durchzuführen: Diese Therapie besteht darin, die Durchblutung des Herzmuskels durch eine sogenannte Ballondilatation wiederherzustellen. Hierzu schiebt der Arzt einen feinen Kunststoffschlauch (den Herzkatheter) mit einem zusammengefalteten Ballon über ein Blutgefäß am Handgelenk oder in der Leiste bis zu dem verengten Herzkranzgefäß vor und füllt anschließend eine Mischung aus Kontrastmittel und Kochsalz in den Ballon ein: Der ausgedehnte Ballon erweitert das verengte Gefäß. Durch das Kontrastmittel ist der Ballon auf einem Röntgenbild gut sichtbar.

Dass erneut eine Gefäßverengung nach dem Herzinfarkt eintritt, kann ein sogenannter Stent verhindern: Dies ist eine Gefäßstütze aus Edelstahl, die der Arzt mit dem Ballonkatheter in die betroffene Stelle einsetzt. Der Stent kann zusätzlich mit Medikamenten beschichtet sein, die einen erneuten Verschluss und somit einen weiteren Myokardinfarkt verhindern sollen.

Alternativ kann bei einem Herzinfarkt mit ST-Hebung auch eine Thromboembolyse (d.h. einer Auflösung des ursächlichen Blutgerinnsels) zur Therapie infrage kommen: Hierzu bekommt der Betroffene (per Spritze oder Katheter) Enzyme verabreicht, die das Gerinnsel abbauen, oder Mittel, die körpereigene Enzyme für den Abbau aktivieren.

Bei einem Herzinfarkt ohne ST-Hebung ist zur Therapie hingegen weder die Ballondilatation noch die Thromboembolyse geeignet. Stattdessen bestehen die Sofortmaßnahmen darin, die Blutgerinnung mit Acetylsalicylsäure, Clopidogrel und Heparin zu hemmen. Eine Herzkatheteruntersuchung (und evtl. auch  -behandlung – je nach individuellen Umständen) findet dann erst später statt – in der Regel innerhalb der ersten drei Tage nach dem Myokardinfarkt.

Nach einem Herzinfarkt ist mindestens zwei bis drei Tage lang eine Überwachung auf der Intensivstation nötig, da die ersten 48 Stunden nach dem Infarkt besonders kritisch sind.



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