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Hepatitis B: Symptome, Übertragung, Ansteckung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (04. Mai 2017)

© Jupiterimages/iStockphoto

Hepatitis B zählt zu den häufigsten Infektionskrankheiten: Schätzungen zufolge leiden weltweit etwa 257 Millionen Menschen an einer chronischen Form der Erkrankung.

Eine Hepatitis B kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Betroffene haben keine Beschwerden und wissen gar nicht, dass sie krank sind. Andere wiederum entwickeln Symptome einer Gelbsucht. Die akute Hepatitis B kann in eine chronische Hepatitis B übergehen – dies ist vor allem bei infizierten Säuglingen häufig der Fall. Einer Hepatitis-B-Infektion können Sie mit einer Impfung vorbeugen.

Was ist Hepatitis B?

Hepatitis B ist eine ansteckende akute oder chronische Leberentzündung, die durch Viren übertragen wird. Die Viren gelangen über das Blut oder über andere Körperflüssigkeiten in den Körper. Das Hepatitis B-Virus (HVB) kann die Leberzellen schädigen und zu Störungen der Organfunktion führen. Der Begriff Hepatitis kommt aus dem Griechischen und bedeutet Leberentzündung (hépar, hépatos = Leber, -itis = Entzündung).

Da Hepatitis B in Deutschland meist durch sexuelle Kontakte übertragen wird, zählt sie zu den Geschlechtskrankheiten.

In Deutschland beziehungsweise Westeuropa kommt Hepatitis B vergleichsweise selten vor. Besonders viele Infektionen sind dagegen im Osten Asiens, in Ost- und Zentralafrika und im Amazonasgebiet zu verzeichnen. Auch in Ost- und Zentraleuropa tritt Hepatitis B relativ häufig auf. Zum Vergleich: Während in Westeuropa weniger als 1 Prozent der Bevölkerung das Virus in sich trägt, sind es in Ostasien zwischen 5 und 10 Prozent.

Meldepflicht

Die akute Hepatitis B ist eine meldepflichtige Erkrankung. Der behandelnde Arzt muss bei den Behörden melden, wenn

  • er den Verdacht hat, dass sein Patient an Hepatitis B erkrankt ist,
  • er das Hepatitis-B-Virus bei seinem Patienten nachgewiesen hat oder wenn
  • ein Patient an Hepatitis B gestorben ist. 

Video: Hepatitis – wenn Viren die Leber schädigen.

Hepatitis B: Was sind die Ursachen?

Übertragung

Hepatitis B entsteht durch das Hepatitis-B-Virus (= HBV). Die Ursachen für eine Infektion sind vielfältig: Das Hepatitis-B-Virus kann über Blut oder andere Körperflüssigkeiten wie Sperma, Tränenflüssigkeit, Vormilch (Kolostrum) und Speichel übertragen werden. Darin enthaltene Viren können über Schleimhäute oder kleine Verletzungen der Haut in den Körper gelangen.

In infiziertem Blut befinden sich besonders viele Hepatitis-B-Viren – bereits kleinste Blutstropfen genügen, um sich anzustecken. In den anderen Körperflüssigkeiten ist die Virenkonzentration deutlich geringer.

In Deutschland und anderen Industrieländern wird Hepatitis B in den meisten Fällen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Auch durch Blut oder Blutprodukte ist eine Übertragung von Hepatitis-B-Viren möglich. Dies passiert in Ländern mit hohem medizinischem Standard allerdings noch nur selten. Verunreinigtes Spritzbesteck im Rahmen von Drogenkonsum kann ebenfalls zu einer Infektion führen.

In Ländern mit geringeren medizinischen Standards kann das Risiko erhöht sein, sich über eine infizierte Blutkonserve oder über Spritzen und Kanülen anzustecken. Bluttransfusionen sollte man dort nur in unmittelbar lebensbedrohlichen Fällen in Anspruch nehmen.

Ansteckung: Wann ist das Risiko erhöht?

Bestimmte Personen haben ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Hepatitis-B-Virus anzustecken. Dazu zählen Personen, die

  • ungeschützte Sexualkontakte / häufig wechselnde Sexualpartner haben,
  • in häufigem Kontakt mit Blut oder Blutprodukten stehen (z.B. medizinisches Personal),
  • verunreinigte Spritzen (etwa bei Drogenabhängigkeit) oder Tätowiernadeln verwenden,
  • häufig Bluttransfusionen bekommen oder
  • zur Dialyse müssen.

Hepatitis B: Symptome

Bei einer Hepatitis B können die Symptome sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.

Ein Drittel aller infizierten Erwachsenen bemerkt gar keine Symptome, sodass die Erkrankung bei diesen Personen oft unerkannt bleibt. Ein weiteres Drittel hat zunächst unspezifische körperliche Beschwerden, zeigt im Verlauf der Erkrankung aber Anzeichen einer Gelbsucht. Bei den restlichen Betroffenen bleibt die Gelbsucht aus. Sie leiden lediglich unter allgemeinen Symptomen, die auch im Rahmen vieler anderer Erkrankungen vorkommen können und nicht zwangsläufig an eine Hepatitis B denken lassen.

Nach der Ansteckung dauert es im Durchschnitt etwa zwei bis vier Monate, bis erste mögliche Symptome auftreten (sog. Inbukationszeit). Dazu zählen allgemeine Krankheitszeichen wie

Nach dieser Phase entstehen bei jedem dritten erwachsenen Patienten typische Symptome einer Gelbsucht:

  • Der Urin färbt sich dunkel,
  • der Stuhlgang ist hell und
  • Haut und Augen nehmen eine gelbe Farbe an (sog. Ikterus).

Wie schwer die im Einzelnen sind, hängt vor allem vom Alter und Allgemeinzustand der Betroffenen ab. Bei Erwachsenen verlaufen die meisten Hepatitis-B-Infektionen unkompliziert und heilen von alleine. Nur in seltenen Fällen verläuft die Infektion heftig und führt zu einem akuten Leberversagen.

Hepatitis B: Diagnose

Etwa jeder dritte Fall von Hepatitis B bleibt symptomlos, sodass die Infektion lange Zeit unerkannt bleiben kann. Auch unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder Fieber weisen noch nicht auf eine Hepatitis B hin.  

Erst die später vorkommenden typischen Anzeichen einer Gelbsucht weisen auf eine Lebererkrankung hin: Der Patient hat zum Beispiel gelblich gefärbte Haut oder Augen, der Urin ist dunkel gefärbt. Die Symptome allein reichen jedoch nicht aus, um eine sichere Diagnose zu stellen. Um eindeutig sagen zu können, dass es sich um Hepatitis B handelt, muss der Arzt das Hepatitis-B-Virus im Blut nachweisen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Direkter Erregernachweis:Bei Menschen mit Hepatitis B befinden sich Virusbestandteile im Blut – sogenannte HBV-Antigene (HBsAg bzw. HBeAg) und Viren-DNA.
  • Indirekter Erregernachweis:Bei einer HBV-Infektion bildet der Körper spezifische Antikörper gegen das Virus, die man ebenfalls in einer Blutprobe feststellen kann.

Für den Nachweis der Hepatitis-B-Viren kommen spezielle Tests zum Einsatz. Eine Diagnose ist auch dann noch möglich, wenn die Infektion schon abgeklungen ist, da bestimmte Antikörper über Jahre hinweg im Blut verbleiben.

Hepatitis B: Behandlung

Eine akute Hepatitis B heilt beim Erwachsenen in der Regel von alleine aus, sodass eine spezielle Therapie nicht nötig ist. Eine chronische, also länger andauernde Hepatitis B macht hingegen eine besondere Behandlung erforderlich.

Wenn Sie an einer akuten Hepatitis B erkrankt sind, bedeutet das für Sie:

  • Halten Sie Bettruhe.
  • Meiden Sie Alkohol oder Nahrungsmittel, welche die Leberbelasten könnten. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, auf welche Medikamente Sie ggf. verzichten können, um die Leber nicht unnötig zu belasten.
  • Eine fettarme Ernährung mit vielen Kohlenhydraten empfinden manche Patienten als wohltuend.

Nur in Einzelfällen verläuft eine Hepatitis B so heftig, dass der Arzt entsprechende Medikamente verschreiben muss.

Bei einer chronischen Hepatitis B kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Hierzu zählen vor allem die Wirkstoffe Interferon Alpha, Peginterferon Alpha 2a. Als Alternative, etwa, wenn Interferon Alpha nicht ausreichend Erfolg gebracht hat oder mit zu starken Nebenwirkungen verbunden ist, kann der Arzt auf antivirale Wirkstoffe wie Entecavir, Tenofovir, Telbivudin oder Lamivudin zurückgreifen.

Viele Menschen mit chronischer Hepatitis B sprechen nicht ausreichend auf die medikamentöse Therapie an oder vertragen sie nicht. Manche Patienten entwickeln nach einer gewissen Behandlungszeit Resistenzen gegen einzelne Medikamente – die Mittel wirken bei ihnen dann nicht mehr. Neue Therapiekombinationen sollen in Zukunft hier ansetzen und auch in diesen Fällen eine erfolgreiche Behandlung ermöglichen.

Wenn die Leber infolge einer besonders heftig verlaufenden akuten oder einer chronischen Hepatitis B versagt, ist eine Lebertransplantation notwendig.

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Hepatitis B: Verlauf

Eine akute Hepatitis B heilt fast immer von selbst aus, ohne dass Folgeschäden zurückbleiben.

In weniger als einem von 100 Fällen nimmt eine akute Hepatitis einen heftigen und schweren Verlauf, der zum Leberversagen führen kann. Ärzte sprechen von einer fulminanten Hepatitis B.

Eine Hepatitis B kann zudem zu einer Hepatitis D führen (sogenannte Simultaninfektion oder Superinfektion). Dies kann teils schwere, chronische Verläufe zur Folge haben. Ohne Hepatitis B kein Hepatitis B: Hepatitis-D-Viren können sich nur auf Basis einer aktiven Hepatitis-B-Infektion vermehren.

In der Regel sind Menschen, die einmal eine akute Hepatitis B durchgemacht haben, für den Rest ihres Lebens immun: Ihr Immunsystem hat ausreichend Antikörper gegen das Hepatitis-B-Virus gebildet. Diese Immunisierung schützt die Betroffenen vor einer erneuten Infektion – wie nach einer Hepatitis-B-Impfung. Allerdings bleibt das Virus nach einer durchgestandenen akuten Hepatitis B ein Leben lang in den Zellen der Leber. Unter besonderen Umständen kann sich das Hepatitis-B-Virus erneut aktivieren. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn Medikamente nach einer Transplantation die körpereigene Immunreaktion unterdrücken.

Eine Leberzirrhose ist eine chronische Erkrankung der Leber, die die Gesundheit und Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Erfahren Sie im Video mehr!

Chronische Hepatitis B

Eine akute Hepatitis B kann chronisch werden. Insbesondere Säuglinge und kleine Kinder sind häufig betroffen: Bei 9 von 10 Säuglingen nimmt die Hepatitis einen chronischen Verlauf. Anders bei Erwachsenen: Höchstens bei jedem zehnte Erwachsene mit akuter Hepatitis B entwickelt sich eine chronische Form.

Eine chronische Hepatitis B kann ganz unterschiedlich verlaufen:

  • Ein Teil der Betroffenen zeigt keine Symptome, bleibt aber dauerhaft ansteckend.
  • Andere entwickeln eine dauerhaft anhaltende, sog. chronisch persistierende Hepatitis, die mit geringen Veränderungen der Leberwerte Die Funktionsfähigkeit der Leber ist jedoch nicht eingeschränkt.
  • Bei der sog. chronisch-aggressiven Hepatitis schrumpft das Lebergewebe und verhärtet sich. Eine Leberzirrhose (griech. kirrhos = gelb) mit schwerwiegenden chronischen Leberfunktionsstörungen kann die Folge sein. Zudem ist das Krebsrisiko deutlich erhöht: Das Risiko, einen bösartigen Lebertumor zu entwickeln, ist bei den Betroffenen 100-mal höher als in der Normalbevölkerung.

Weltweit ist die chronische Hepatitis B eine der wichtigsten Ursachen für Leberzirrhose und Leberzellkarzinom.

Hepatitis B: Vorbeugen

Hepatitis B können Sie vor allem durch eine Impfung vorbeugen. Die Hepatitis-B-Impfung zählt zu den sogenannten Standardimpfungen. Alle Kinder sollten die Impfung möglichst schon als Säugling erhalten. Im Erwachsenenalter kann es unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein, die Impfung nachzuholen.

Mehr zur Hepatitis-B-Impfung finden Sie hier

Neben der Impfung sind weitere Schutzmaßnahmen von Bedeutung:

  • Medizinisches Personal kann sich zum Beispiel mit Handschuhen vor infiziertem Blut schützen.
  • Mit Kondomen können Sie einer Ansteckung beim Geschlechtsverkehr vorbeugen.
  • Wer sich Drogen spritzt, sollte darauf achten, nur sterile Spritzen zu benutzen.

Hepatitis B: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Hepatitis B":


Linktipps:

www.kompetenznetz-hepatitis.deDas seit Februar 2002 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Kompetenznetz Hepatitis ist ein Projekt der Deutschen Leberstiftung.

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Maiblumenstr. 12
74626 Bretzfeld
+49 (0)7946 - 940187
+49 (0)7946 - 940186
info@Lebertransplantation.de
http://lebertransplantation.eu
Deutsche Leberhilfe e.V.
Krieler Str. 100
50935 Köln
+49 (0)221 - 2829980
+49 (0)221 - 2829981
info@leberhilfe.org
www.leberhilfe.org

Quellen:

WHO-Fact-Sheet Nr. 204: Hepatitis B. Online-Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): www.who.org (Stand: April 2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2017

RKI-Ratgeber für Ärzte: Hepatitis B und D. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 20.05.2016)

Epidemiologisches Bulletin Nr. 34: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: August 2015)

Epidemiologisches Bulletin Nr. 29/2015: Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland – Virushepatitis B und D im Jahr 2014. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: Juli 2015)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Cornberg, M., et al.: Aktualisierung der S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion – AWMF-Register-Nr.: 021/011. Zeitschrift für Gastroenterologie 2011; 49: 871–930

Stand: 4. Mai 2017

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