Hausstauballergie (Milbenallergie): Symptome, Ursachen & Behandlung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (09. Oktober 2017)

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Staub selbst ist nicht das Problem: Es ist der Kot der Hausstaubmilben, der viele Menschen zum Niesen bringt und ihnen juckende Augen beschert. Wie kommt es zu diesen Symptomen? Und was hilft? Ein Überblick

Was ist eine Hausstauballergie (Milbenallergie)?
Wenn der Körper mit einer übersteigerten Immunantwort auf Bestandteile des Hausstaubs reagiert, sprechen Ärzte von einer Hausstauballergie bzw. Hausstaubmilbenallergie. Auslöser ist nicht der Staub selbst, sondern Stoffe im Kot der im Hausstaub lebenden Milben. Stoffe, die eine Allergie auslösen, heißen fachsprachlich Allergene.

Die Hausstauballergie gehört neben Heuschnupfen zu den häufigsten Allergien in Deutschland. Während Pollenallergiker außerhalb der Pollenflugsaison aufatmen können, verursacht die Hausstaubmilbenallergie ganzjährig Beschwerden.

Hausstauballergie (Milbenallergie): Symptome

Eine Hausstauballergie verursacht typische Symptome einer allergischen Reaktion – dazu gehören:

  • gerötete, tränende oder juckende Augen,
  • allergischer Schnupfen (Fließschnupfen),
  • Niesanfälle,
  • Husten und
  • allergische Hautreaktionen wie Schwellungen und Rötungen.

Die mit der Hausstauballergie verbundenen Symptome zeigen, dass verschiedene Organsysteme betroffen sind: Augen, Nase, Lungen und Haut. Wenn die Hausstauballergie nicht behandelt wird, können die die Beschwerden von den oberen auf die unteren Atemwege übergehen (sog. "Etagenwechsel"). Die Folge ist ein allergisches Asthma.

Das Bild zeigt eine Frau, die einen Staubsauger öffnet und niest. © Jupiterimages/Stockbyte

Die Hausstauballergie macht sich vor allem nachts und frühmorgens bemerkbar. Aber auch wenn zum Beispiel beim Bettenmachen, Staubsaugen oder -wischen plötzlich viele Allergene durch die Luft wirbeln, entwickeln die Betroffenen allergische Symptome.

Meist treten die Symptome das gesamte Jahr über auf. Nachts und am frühen Morgen nach dem Aufstehen werden sie in der Regel stärker, weil die Betroffenen die Allergene mit jeder Bewegung im Bett aufwirbeln und einatmen.

Im Winter verstärken sich die allergischen Beschwerden ebenfalls, weil die Milben in der Heizungsluft massenhaft absterben und die zerfallenden Körper Unmengen an Allergenen freisetzen. Gerade in der kalten Jahreszeit treten auch gehäuft Atemwegsinfekte auf, welche die Milbenallergie überlagern können. Die Symptome der Allergie bleiben dann leicht unerkannt.

Hausstauballergie (Milbenallergie): Ursachen

Eine Allergie entsteht, wenn das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe reagiert und diese abwehrt, als wären es Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien. Diese Abwehrreaktion läuft folgendermaßen ab:

  1. Gelangen Allergene aus dem Kot der Milben auf die Schleimhäute der Atemwege und Augen, bildet der Körper sogenannte IgE-Antikörper. Diesen Vorgang nennt man auch Sensibilisierung.
  2. Kommt der Köper erneut mit den Allergenen in Berührung, verbinden sich die IgE-Antikörper mit Zellen des Immunsystems, den sogenannten Mastzellen.
  3. Die Mastzellen schütten daraufhin Botenstoffe aus, die eine Entzündungsreaktion in Gang setzen: Die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut und der Augenbindehaut weiten sich. Die Schleimhäute produzieren vermehrt Sekret. Die Bronchien verengen sich und in den betroffenen Bereichen sammeln sich weitere Abwehrzellen des Immunsystems.

Warum es bei Allergikern zu dieser übersteigerten Reaktion kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass bestimmte Erbanlagen Allergien begünstigen können. Doch auch gewisse Umwelteinflüsse scheinen das Risiko für Allergien zu erhöhen. Mögliche Risikofaktoren sind etwa

  • Luftschadstoffe,
  • Zigarettenrauch sowie
  • psychische Belastung wie übermäßiger Stress.

Zudem besagt die sogenannte Hygiene-Hypothese, dass sich das Immunsystem in einer allzu sauberen Umgebung nur eingeschränkt entwickeln kann. Kinder, die zu selten mit Schmutz und Krankheitserregern in Kontakt kommen, sind demnach gefährdeter, Allergien zu entwickeln.

Was sind Hausstaubmilben?

Hausstaubmilben zählen zur Gruppe der Spinnentiere. Sie sind nur etwa einen halben Millimeter groß und mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Sie halten sich vor allem in feuchtwarmen Innenräumen auf und ernähren sich von Haaren und Hautschuppen, von denen der Mensch pro Tag bis zu zwei Gramm verliert. Der Kot der Milben, der die eigentlichen Allergene enthält, lagert sich vor allem in Matratzen, Polstermöbeln, Teppichen, Vorhängen und Kuscheltieren ab.

Im Spätsommer und im Herbst ist die Milbenkonzentration am höchsten. Die Allergenbelastung besteht aber ganzjährig, weshalb sich eine Hausstauballergie in der Regel das gesamte Jahr über bemerkbar macht.

Im Winter stirbt ein Großteil der Milben – sie vertragen die trockene Luft in beheizten Räumen nicht. Ihre Körper und ihr Kot zerfallen und geben Unmengen von Allergenen an die Luft frei. Deshalb verstärkt sich eine Hausstauballergie im Winter.

Wer keine Hausstaubmilbenallergie hat, hat von den Tierchen aber nichts zu befürchten:

  • Hausstaubmilben übertragen keinerlei Krankheiten und
  • treten auch nicht durch mangelnde Hygiene auf.

Das Bild zeigt Milben. © Jupiterimages/iStockphoto

Etwa jeder Zehnte reagiert auf den Kot von Hausstaubmilben allergisch.

Hausstauballergie (Milbenallergie): Diagnose

Der Arzt fragt den Patienten zunächst, wann und in welcher Umgebung die Symptome auftreten und wie lange sie andauern. Hat der Patient ganzjährig und vor allem nachts und frühmorgens Beschwerden, ist eine Milbenallergie sehr wahrscheinlich.

Um den Verdacht auf eine Hausstauballergie zu erhärten, ist ein Allergietest mit dem entsprechenden Allergen hilfreich. Meist kommt hierbei ein sogenannter Pricktest zum Einsatz, bei dem man standardisierte Testlösungen auf die Haut des Unterarms oder des oberen Rückens tropft und anschließend die Haut unter dem Tropfen mit einer Nadel anritzt. Im Fall einer Allergie ist die getestete Hautstelle nach 15 bis 20 Minuten gerötet und geschwollen.

Um das Testergebnis zu bestätigen, ist eine Blutuntersuchung geeignet: Dabei lässt der Arzt das Blut auf Antikörper untersuchen. In speziellen Fällen kann auch ein nasaler Provokationstest (mit dem in die Nase eingebrachten Allergen) dazu beitragen, eine Hausstaubmilbenallergie zu diagnostizieren. Da sich hierbei eine starke allergische Reaktion entwickeln kann, erfolgt dieser Test nur unter ärztlicher Überwachung und mindestens halbstündiger Nachkontrolle.

Hausstauballergie (Milbenallergie): Behandlung

Menschen mit Hausstauballergie sollten versuchen, den Kontakt zum Auslöser der Allergie weitestgehend zu verringern. Zwar lässt sich Hausstaub nicht ganz beseitigen. Doch es ist gibt Möglichkeiten, die Milbenbelastung zu verringern:

  • Überziehen Sie alle Matratzen mit einem allergendichten Matratzenbezug aus wasserdampfdurchlässigem Material ("Encasing").
  • Besorgen Sie sich milbendichte bzw. allergendichte Allergiker-Bettwäsche und/oder waschen Sie das Bettzeug regelmäßig bei mehr als 60 Grad.
  • Nach Möglichkeit sollten Allergiker nicht selbst staubsaugen oder Bettwäsche wechseln.
  • Halten Sie Ihre Wohnräume stets trocken.
  • Lüften Sie regelmäßig.
  • Legen Sie Kuscheltiere regelmäßig für einige Stunden in einer Plastiktüte verpackt in den Gefrierschrank, damit die Milben absterben.

Teppich oder Laminat: Welcher Fußboden ist ideal?
Die Art des Fußbodens ist nicht unbedingt ausschlaggebend: Zwar können sich in Teppichböden große Mengen an Staub und Milben sammeln. Doch bei glatten Böden wird der Staub noch stärker aufgewirbelt als bei kurzflorigen Teppichböden. Entscheidend ist daher vor allem die regelmäßige Reinigung des Bodens. Glatte Böden wie Parkett oder Laminat sind nur empfehlenswert, wenn Sie diese sehr häufig – möglichst zweimal pro Woche – feucht wischen.

Was bringt eine Hyposensibilisierung?

Ziel der Hyposensibilisierung ist es, das Immunsystem an die Allergene zu gewöhnen, damit es nicht mehr so empfindlich auf sie reagiert.

Dazu lässt sich der Patient vom Arzt regelmäßig niedrige Dosen des Allergens in die Haut spritzen oder unter die Zunge gegeben. Die Behandlung dauert in der Regel drei Jahre. Manche Patienten merken schon im ersten Jahr, dass ihre Beschwerden schwächer werden. Meist tritt jedoch erst im zweiten oder dritten Jahr der Behandlung eine Besserung ein.

Einigen Patienten hilft die Hyposensibilisierung nicht. Zudem kann es vorkommen, dass sich die Symptome nach Abschluss der Behandlung wieder verstärken. Doch auch in diesen Fällen hat eine Hyposensibilisierung einen Nutzen: Im besten Fall kann sie verhindern, dass sich die Allergie auf neue Allergene ausweitet (sog. Kreuzallergie) oder der Patient an allergischem Asthma erkrankt.

Was tun bei akuten Symptomen?

Gegen allergische Beschwerden wie Schnupfen, Augenjucken oder Husten können kurzfristig folgende Medikamente helfen:

Um allergische Reaktionen der Haut bei einer Hausstaubmilbenallergie zu lindern, können außerdem spezielle Pflegeprodukte mit Inhaltsstoffen wie Dexpanthenol, Urea, Sanddorn oder Aloe vera hilfreich sein.

Hausstauballergie (Milbenallergie): Verlauf

Meist entwickelt sich eine Hausstauballergie im Kindes- oder Jugendalter und verursacht ein Leben lang Beschwerden. Durch verschiedene Maßnahmen (wie Hyposensibilisierung, Verringerung der Konzentration der allergieauslösenden Milben im häuslichen Umfeld) ist es jedoch möglich, die Symptome einzudämmen.

Unbehandelt kann eine Hausstauballergie im weiteren Verlauf zu einem allergischen Asthma führen. Mediziner sprechen dann von einem "Etagenwechsel", weil die Beschwerden von den oberen auf die unteren Atemwege übergehen.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Hausstauballergie (Hausstaubmilben­allergie) ":

Quellen:

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 2017)

Online-Informationen des Deutschen Allergie- und Asthmabunds e.V. (DAAB): www.daab.de (Abrufdatum: 9.10.2017)

Milben, Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.4.2017)

Risiko- und Provokationsfaktoren für die Entstehung von Allergien. Online-Informationen des Helmholtz Zentrums München: www.allergieinformationsdienst.de (Stand: 14.3.2017)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI): Leitlinie zur (allergen-)spezifischen Immuntherapie bei
IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/004 (Stand: Oktober 2014)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ): Allergieprävention. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/016 (Stand: Juli 2014)

Aktualisiert am: 9. Oktober 2017

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