Harnröhrenentzündung (Urethritis): Verlauf

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (15. April 2015)

Bei einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) hängt der Verlauf unter anderem von der jeweiligen Ursache ab. In manchen Fällen – besonders bei Frauen – verläuft die Harnröhrenentzündung milde oder ganz ohne Beschwerden.

Kommt es zu einer Infektion der Harnröhre mit einem Erreger, dauert es einige Tage oder sogar Wochen, bis die Harnröhrenentzündung ausbricht. Bei frühzeitiger und angemessener Behandlung hat die Harnröhrenentzündung eine gute Prognose und heilt ohne Folgeschäden aus. Da die Harnröhrenentzündung manchmal keine Beschwerden verursacht, bleibt sie häufig lange unentdeckt. Dies führt vor allem bei sexuell übertragbaren Erregern dazu, dass sich Partner von Betroffenen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr anstecken. Außerdem steigt bei einer unbehandelten Harnröhrenentzündung das Risiko für Komplikationen.

Komplikationen

Eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) kann in ihrem Verlauf zu verschiedenen Komplikationen führen. Bleibt die Entzündung der Harnröhre unbehandelt, kann sie sich je nach Erreger auf weitere Organe ausbreiten. Dabei kann die Harnröhrenentzündung bei Mann und Frau verschiedene Folgen haben:

Vor allem die durch Chlamydien verursachte Urethritis kann beim Mann im weiteren Verlauf zu einer akuten Entzündung der Prostata (sog. Prostatitis) und der Nebenhoden (sog. Epididymitis) führen: Jeder vierte Mann mit Harnröhrenentzündung infolge einer Chlamydieninfektion entwickelt diese Komplikationen. Die Entzündungen sind meist sehr schmerzhaft und mit Fieber und Schüttelfrost verbunden.

Die Erreger der Harnröhrenentzündung können bei der Frau über die Scheide und Gebärmutter aufsteigen und schließlich eine akute Entzündung der Eileiter und Eierstöcke (sog. Adnexitis) bewirken. Diese äußert sich dann durch Fieber, Unterbauchschmerzen und einem starken Krankheitsgefühl. Als Komplikation einer Eileiter- und Eierstockentzündung können die Eileiter verkleben. Dies kann zu einer Unfruchtbarkeit (Sterilität) führen. Darüber hinaus steigern verklebte Eileiter das Risiko einer Bauchhöhlenschwangerschaft. beziehungsweise Eileiterschwangerschaft.

Steigen die Erreger der Harnröhrenentzündung über die Blase und die Harnleiter bis zu den Nieren auf, kann es zu einer Nierenentzündung kommen. Gelangen die Bakterien von hier aus ins Blut, ensteht eine sogenannte Urosepsis. Dabei handelt es sich um eine ernste Komplikation, die neben hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl, zu einem lebensbedrohlichen Organversagen führen kann.

Wenn Erreger der Harnröhrenentzündung (wie Chlamydien oder Gonokokken) im Verlauf einer Schwangerschaft oder während der Geburt die Scheide besiedeln, können sich daraus außerdem Komplikationen für das Kind ergeben: Überträgt die Mutter die Erreger während der Geburt auf das Kind, entwickelt sich beim Baby eine eitrige Bindehautentzündung (Konjunktivitis), die in einigen Fällen zur Erblindung führen kann.

Nicht alle durch eine Harnröhrenentzündung verursachten Komplikationen sind geschlechtsspezifisch: Eine bei beiden Geschlechtern mögliche Folge der Infektion ist die sogenannte reaktive Entzündung der Gelenke (Arthritis). Mitunter ist diese von einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) begleitet. Bei einem gleichzeitigen Verlauf aller drei Beschwerdebilder liegt die als Reiter-Syndrom bezeichnete Autoimmunerkrankung vor.


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