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Hantavirus-Infektion: Symptome anfangs grippeähnlich

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (22. Juni 2017)

© iStock

Eine Infektion mit dem Hantavirus kann unterschiedlich verlaufen. Anfangs ähnelt die Erkrankung oft einer Grippe und schlägt dann auf die Nieren und / oder die Lunge. In letzter Zeit treten Hantavirus-Fälle in Deutschland etwas häufiger auf.

Was sind Hantaviren?

Hantaviren sind Krankheitserreger, die zur Familie der Bunyaviren zählen. Je nachdem, mit welchem Virustyp man sich infiziert, nimmt die Erkrankung eher einen Verlauf mit Nierenbeteiligung oder mit Lungenbeteiligung. Hauptüberträger der Hantaviren sind in Deutschland Mäuse.

Hantavirus-Infektion: Mögliche Symptome

Eine Hantavirus-Infektion äußert sich durch verschiedene Symptome, je nachdem ob Lunge oder Nieren beteiligt sind. In beiden Fällen beginnt die Hantavirus-Erkrankung meist plötzlich mit grippeähnlichen Beschwerden, die ein paar Tage andauern, wie zum Beispiel:

Bei einer Hantavirus-Erkrankung mit Nierenbeteiligung können sich zusätzlich zu den grippeähnlichen Beschwerden folgende Symptome zeigen:

Bei einer Hantavirus-Erkrankung mit Lungenbeteiligung treten dagegen etwa vier bis zehn Tage nach den grippeähnlichen Beschwerden Symptome wie diese hinzu:

In einigen Hantavirus-Fällen treten sowohl Symptome einer Nieren- als auch einer Lungenbeteiligung auf.

Bei vielen Menschen verläuft eine Hantavirus-Infektion allerdings auch ohne Symptome oder nur mit schwachen Beschwerden. Wahrscheinlich bleibt eine große Zahl an Infekten dadurch unbemerkt.

Hantavirus-Infektion: Das sind die Ursachen

Hantaviren können von infizierten Nagetieren auf den Menschen übertragen werden. Nagetiere tragen den Erreger oft in sich, ohne dabei krank zu werden. In Deutschland gelten vor allem die Rötelmaus und die Brandmaus als Virusträger.

Infizierte Nagetiere scheiden die Viren zusammen mit Kot und Urin aus. Auch ihr Speichel ist virushaltig. In diesen Körperausscheidungen bleiben Hantaviren bis zu 14 Tagen infektionsfähig, selbst wenn das umgebende Material austrocknet. Die Hantaviren können auf diese Weise über getrocknete Ausscheidungen beziehungsweise über Staub als Schwebteilchen mit in die Luft gelangen (sog. Aerosol).

Übertragungswege

Mögliche Übertragungswege für das Hantavirus sind zum Beispiel:

  • Einatmen von virushaltigem Staub
  • Hautverletzungen (in die virushaltiger Staub gelangt oder bei Kontakt zu verunreinigtem Boden)
  • Bisse von infizierten Nagetieren
  • Lebensmittel, die mit Ausscheidungen verunreinigt sind

Am häufigsten kommt es jedoch zu einer Hantavirus-Infektion, indem man verunreinigten Staub einatmet – etwa beim Wegfegen von Mäusekot im Keller, Hof, Schuppen oder Stall.

Von Mensch zu Mensch sind Hantaviren normalerweise nicht übertragbar. Die einzige Ausnahme bildet bisher ein bestimmter Hantavirus-Typ, der in Südamerika vorkommt (das sog. Andesvirus).

Risikofaktoren

Wer sich viel draußen aufhält oder draußen arbeitet beziehungsweise an Orten aufhält, an denen viele Nagetiere wie Mäuse leben, hat ein größeres Risiko, sich mit Hantaviren anzustecken. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht vor allem in folgenden Situationen:

  • wenn lange unbenutzte Gebäude wieder betreten oder gereinigt werden
  • beim Reinigen von Hausbereichen, die wenig benutzt werden (z.B. Keller, Dachboden)
  • wenn das Haus / die Wohnung von Nagetieren wie Mäusen befallen ist
  • wenn man bei der Arbeit in Kontakt mit Nagetieren wie Mäusen oder deren Lebensbereichen kommt (z.B. als Waldarbeiter, Landarbeiter, Bauarbeiter, Handwerker, Schädlingsbekämpfer)
  • beim Wandern, Zelten oder Jagen

Inkubationszeit

Vom Zeitpunkt der Infektion mit dem Hantavirus bis zum Auftreten der ersten Symptome (sog. Inkubationszeit) können 5 bis 60 Tage vergehen, meist dauert es jedoch zwei bis vier Wochen.

Häufigkeit

Weltweit kommt es jährlich zu etwa 150.000 bis 200.000 Erkrankungen durch Hantaviren, die meisten davon in China. In Deutschland treten Hantavirus-Erkrankungen relativ selten auf. Im Jahr 2015 wurden 823 Fälle gemeldet. Für das Jahr 2017 zeichnet sich allerdings ein Anstieg ab: Allein in der ersten Jahreshälfte gab es bereits 464 Fälle. Im Südwesten Deutschlands scheinen dabei besonders häufig Infektionen aufzutreten. Ursache hierfür ist wahrscheinlich die Zunahme von Bucheckern, die zu den wichtigsten Nahrungsquellen der Rötelmaus zählen. Sie kann sich unter diesen optimalen Bedingungen gut vermehren – und damit auch das Hantavirus.

Meldepflicht

Hantavirus-Infektionen – sowie der Verdacht darauf – sind meldepflichtig.

Namensherkunft

Die Bezeichnung Hantavirus geht auf den Ort zurück, an dem die Erkrankungen durch das Hantavirus zuerst beschrieben wurden: den südkoreanischen Fluss Hantangang. Dort brach während des Koreakrieges im Jahr 1951 bei viele Soldaten eine fiebrige Erkrankung aus, die mit Blutungen einherging. Erst 1977 konnten Forscher das verantwortliche Virus isolieren.

Man sieht eine Aufnahme von Hantaviren. © RKI

Aufnahme von Hantaviren mit dem Transmissions-Elektronenmikroskop

Hantavirus-Infektion: Diagnose

Ob eine Hantavirus-Infektion besteht, lässt sich nicht alleine anhand der Symptome feststellen. Erst wenn eine Blutuntersuchung zeigt, dass zusätzlich zu den Symptomen Antikörper gegen Hantaviren im Blut vorliegen oder sich das Erbgut des Virus nachweisen lässt, steht die Diagnose fest.

Hantavirus-Infektion: Therapie

Bei einer Hantavirus-Infektion gibt es bislang keine Therapie, die direkt gegen den Erreger wirkt. Die Behandlung besteht daher vor allem darin, die Symptome zu lindern beziehungsweise den durch den Infekt geschwächten Körper zu unterstützen.

In schweren Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, um eine intensivmedizinische Versorgung zu gewährleisten. Hier können Ärzte einen geschwächten Kreislauf stabilisieren und etwaige Blutungen rechtzeitig eindämmen. Bei Anzeichen für ein Lungenversagen kann es notwendig sein, den Betroffenen künstlich zu beatmen. Kommt es zu Nierenversagen, kann eine Dialyse erforderlich werden.

Hantavirus-Infektion: Verlauf

Eine Infektion mit Hantaviren kann sowohl einen milden Verlauf nehmen als auch eine ernst zu nehmende bis lebensbedrohliche Entwicklung einschlagen. In Deutschland kommt es meist zu Hantavirus-Erkrankungen, die mit Fieber und einer Nierenbeteiligung einhergehen, jedoch in der Regel einen milden Verlauf nehmen. Wahrscheinlich verläuft eine Hantavirus-Infektion bei vielen Menschen jedoch auch ohne spürbare oder nur mit schwachen Beschwerden – und bleibt dadurch oft unbemerkt.

Mögliche Komplikationen

Bei einer Hantavirus-Infektion mit Lungenbeteiligung kann sich die Erkrankung rasch verschlimmern und im Verlauf unter Umständen zu lebensbedrohlichem Organversagen führen.

Immunität

Nach einer überstandenen Hantavirus-Infektion ist man für mehrere Jahrzehnte – wahrscheinlich sogar lebenslang – immun gegen den jeweiligen Hantavirus-Typ und kann sich nicht nochmal mit diesem anstecken.

Hantavirus-Infektion: Vorbeugen

Bislang gibt es in Deutschland keinen zugelassenen Impfstoff gegen Hantaviren, mit dem man einer Erkrankung direkt vorbeugen könnte.

Die einzige Möglichkeit, sich vor einer Hantavirus-Infektion zu schützen, besteht daher darin, den Kontakt zu infizierten Nagetieren und ihren Ausscheidungen zu meiden, zum Beispiel durch folgende Maßnahmen:

  • In Nähe von Wohnungen / Häusern (vor allem in Kellern, Dachböden, Schuppen) einen Mäusebefall bekämpfen.
  • In Nähe von Wohnungen / Häusern Hygienemaßnahmen einhalten, um nicht weitere Mäuse anzulocken (z.B. durch unsachgerecht entsorgten Abfall).
  • In Nähe von Wohnungen / Häusern Lebensmittel so aufbewahren, dass sie keine Mäuse anlocken (z.B. in dicht schließenden Behältern / Schränken).
  • Tote Mäuse am besten
    • mit Desinfektionsmittel besprühen,
    • nur mit Handschuhen anfassen,
    • in einen Plastikbeutel stecken (inklusive Falle) und
    • im Hausmüll entsorgen.
  • Beim Reinigen von staubigen Kellern, Schuppen und ähnlichen Räumen, in denen Nagetiere vorkommen können, am besten einen Atemschutz tragen. Um eine Staubentwicklung zu vermeiden, kann der Boden befeuchtet werden (z.B. mit einer Sprühflasche oder indem man feucht wischt).
  • Ausscheidungen von Nagetieren am besten mit Desinfektionsmittel besprühen und dann erst entsorgen.
  • Waschen Sie sich nach solchen Arbeiten die Hände gründlich mit Wasser und Seife.

Hantavirus-Infektion: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Hantavirus-Infektion":

Quellen:

Fälle von Hantavirus im Südwesten nehmen rasant zu. Online-Informationen des Deutschen Ärzteblatts: www.aerzteblatt.de (Stand: 19.6.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Suerbaum, S., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin Heidelberg, 2016

Robert-Koch-Institut (Hrsg.): Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2015. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 1.3.2016)

Hantavirus-Infektionen. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 2.7.2015)

Hof, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2015

Informationen zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen: Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 2010)

Aktualisiert am: 22. Juni 2017

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