Hammerzehe und Krallenzehe

Veröffentlicht von: Till von Bracht (29. Dezember 2017)

© Jupiterimages/Hemera

Der Hammerzeh und der Krallenzeh sind häufige Zehenfehlstellungen: Typische Symptome sind krumme Zehen und schmerzhafte Druckpunkte am ganzen Fuß sowie Hühneraugen. Oft treten Hammerzehen und Krallenzehen zusammen mit einem Hallux valgus oder einem Spreizfuß auf. 

Um schmerzhafte Druckstellen zu vermeiden, können 

  • Zehengymnastik,
  • Polsterung und
  • das Tragen von offenen, weiten Schuhen

helfen.

Trotz dieser konservativen Maßnahmen kann es passieren, dass sich die betroffenen Zehen immer stärker verformen und die Beschwerden zunehmen. Dann ist eine operative Korrektur notwendig. Nur so gelingt es, die entstandenen Fehlstellungen und Versteifungen dauerhaft zu beseitigen.

Hammerzehen und Krallenzehen werden klinisch oft synonym verwendet – dabei gibt es einen kleinen Unterschied:

  • Ein Hammerzeh ist dadurch gekennzeichnet, dass entweder nur das Zehenendgelenk gebeugt ist, oder dass das Mittelgelenk des Zehs gebeugt und das Endgelenk gestreckt sind.
  • Krallenzehen zeichnen sich durch eine starke Überstreckung im Grundgelenk und eine Beugung im Mittel- und Zehenendgelenk aus. Dadurch hat die Zehenspitze bei einem Krallenzeh keinen Kontakt mehr zum Boden.

Grafische Darstellung einer Hammerzehe

Eine Hammerzehe ist durch eine Beugung im Mittel- oder Endgelenk des Zehs gekennzeichnet.

Ursachen

Für die Ausbildung einer Hammerzehe oder Krallenzehe kommen verschiedene Ursachen infrage:

  • jahrelanges Tragen von zu engem, geschlossenem Schuhwerk
  • Fußfehlstellungen wie Spreizfüße, Plattfüße und Knickfüße
  • neurologische und unfallbedingte Fußerkrankungen

Größtenteils ist das Tragen unpassender Schuhe für Zehenfehlstellungen wie Hammerzehen und Krallenzehen verantwortlich – häufig mit zu hohem Absatz. Sind die Schuhe zu eng, stoßen die Zehen vorne an und verkrümmen sich.

Diesem Vorgang sollen eigentlich die kleinen Fußmuskeln entgegenwirken, die die Aufgabe haben, die Zehen zu strecken. Da sich besonders in unserer westlichen Zivilisation die Menschen unzureichend bewegen, verkümmern diese Fußmuskeln jedoch im Laufe der Zeit – ihre nötigen Ausgleichsaktivitäten fehlen also und die Zehen bleiben krumm.

Daneben spielen bei der Entwicklung von Hammerzeh und Krallenzeh die langen Zehenbeuger und -strecker als Ursachen eine Rolle: Auch diese verkürzen sich im Laufe der Zeit immer weiter, üben dadurch einen immer stärkeren Zug aus und sorgen so für eine zusätzliche Verkrümmung der Zehen.

Außerdem können sich Fußfehlstellungen wie zum Beispiel Plattfüße, Spreizfüße oder Knickfüße negativ auf die Zehenform auswirken und dazu führen, dass sich ein Hammerzeh oder Krallenzeh ausbildet. Weitere mögliche Ursachen für eine Hammerzehe oder Krallenzehe sind:

  • neurologische Störungen, vor allem beim Hohlfuß und bei spastischen Lähmungen
  • Muskel- und Nervenverletzung des Unterschenkels und des Fußes
  • entzündliche Erkrankungen des Fußes, chronische Polyarthritis
  • Narbenzug durch Verhärtung des Narbengewebes
  • Gewebeveränderung nach einem Unfall (sudecksche Dystrophie)

Typische Symptome: Krumme Zehen und schmerzhafte Druckstellen

Beim Hammerzeh und beim Krallenzeh reichen die Symptome von rein kosmetischen Gesichtspunkten bis hin zu Beschwerden, die das tägliche Leben stark einschränken können.

Typisches Anzeichen für beide Zehenfehlstellungen sind krumme Zehen. Insgesamt verformen sich die Zehen sowohl bei der Hammerzehe als auch bei der Krallenzehe langsam, aber stetig immer stärker.

Im Frühstadium ist es häufig noch möglich, die für Hammerzeh und Krallenzeh typische Zehenfehlstellung passiv auszugleichen (also die krummen Zehen z.B. mit den Händen in ihre normale Stellung zu biegen). Später versteifen sich die Zehen, was man dann weder passiv noch aktiv ausgleichen kann.

Aufgrund der Zehenfehlstellung und der damit häufig verbundenen Instabilität des Fußes ist der Fuß durch einen Hammerzeh oder Krallenzeh krankhaft belastet: Als Symptome hierfür entwickeln sich im Vorfuß Druckstellen und Schmerzen.

Durch die fortschreitende Verformung von Hammerzeh und Krallenzeh verstärken sich die Symptome im Lauf der Zeit: Sowohl Hammerzehen als auch Krallenzehen verkürzen sich und beanspruchen gleichzeitig mehr Platz in der Höhe. Dadurch drücken die Zehen besonders an der Schuhdecke – häufig entsteht hier das erste Hühnerauge (Clavus).

Das Bild zeigt eine Hammerzehe an der mittleren Zehe des linken Fußes.

Typische Anzeichen für Hammerzehen sind nach unten gekrümmte Zehen. Dadurch drücken die Zehen an der Schuhdecke, was Hühneraugen zur Folge haben kann. (Quelle: Wikimedia Commons, Richard Huber, CC BY-SA 3.0)

Wenn Hammerzeh und Krallenzeh zusammen mit anderen Fußfehlbildungen – wie Hallux valgus, Spreizfuß, Plattfuß oder Knickfuß – auftreten (was oft der Fall ist), bilden sich wiederholt schmerzhafte Hühneraugen und Schwielen an allen Vorsprüngen und Druckpunkten des Fußes aus.

Im fortgeschrittenen Stadium sind Hammerzeh und Krallenzeh oft regelrecht verkrüppelt, versteift und kaum mehr beweglich. Häufig sind sie zwischen den anderen Zehen eingeklemmt. In einigen Fällen können die Zehen aus dem normalen Gelenk herausrutschen (luxieren) und somit die Beschwerden verstärken.

Diagnose beim Arzt

Beim Hammerzeh oder Krallenzeh gelingt die Diagnose im Allgemeinen anhand der bestehenden Beschwerden und durch eine ärztliche Untersuchung: Die charakteristische Verkrümmung der Zehen zusammen mit den typischen Schwielen über den Druckstellen, die ein krankhaftes (pathologisches) Beschwielungsmuster bilden, weisen deutlich auf die Art der Zehenfehlstellung hin.

Das Bild zeigt eine Röntgenaufnahme eines Krallenzehs.

Bei einem Krallenzeh ist das Zehengrundgelenk stark überstreckt. Dadurch wölben sich einzelne Zehen wie Krallen nach oben. (Quelle: Wikimedia Commons, Hellerhoff, CC BY-SA 3.0)

Um den Hammerzeh oder Krallenzeh genauer zu beurteilen, kommt bei der Diagnose eine Röntgenuntersuchung zum Einsatz: Auf dem Röntgenbild ist die Fehlstellung von Hammerzehen und Krallenzehen deutlich sichtbar. Dies ist vor allem wichtig, um festzustellen, ob der betroffene Zeh aus seinem Gelenk gerutscht ist (Zehluxationen). Auch mögliche arthrotische Veränderungen der Gelenke kann der Arzt mithilfe einer Röntgenaufnahme nachweisen.

Hammerzehe und Krallenzehe: Was hilft?

Bei einem Hammerzeh oder Krallenzeh kann die Therapie grundsätzlich

  • konservative (d.h. nicht-operative) Maßnahmen
  • oder eine Operation

umfassen.

Wenn es nicht gelingt, die Ursache für die Zehenfehlstellung auszuschalten, verformen sich die Zehen langsam, aber stetig immer stärker, während sich gleichzeitig immer mehr Schwielen bilden. Daher ist es in vielen Fällen notwendig, den Krallen- beziehungsweise Hammerzeh operativ zu korrigieren. 

Konservative Behandlung

Beim Hammerzeh oder Krallenzeh ist es grundsätzlich empfehlenswert, zunächst eine nicht-operative Therapie zu versuchen. Diese sogenannte konservative Behandlung bietet sich an, wenn Sie die Zehenfehlstellung noch passiv ausgleichen können (d.h. wenn Sie die Zehen z.B. mit der Hand gerade biegen können). Gegen eine Hammerzehe oder Krallenzehe ist zur konservativen Behandlung beispielsweise Folgendes geeignet:

  • Hilfsmittel, welche die die ursächliche Formänderung beeinflussen, wie zum Beispiel Spreizfußeinlagen, Nachtschienen und Zügelverbände
  • Zehengymnastik
  • bequeme Schuhe mit weichem Leder, Sandalen, Polsterung (Filzringe/Gummipolster), um die Druckstellen zu entlasten
  • Fußpflege (wobei die Schwielen und Hühneraugen regelmäßig wiederkehren, wenn man deren Ursachen nicht beseitigt)

Operation

Bei einem schwerwiegenden Hammerzeh oder Krallenzeh oder bei erfolgloser konservativer Therapie kann Ihnen eine Operation helfen: Die bei einer Hammerzehe oder Krallenzehe vorliegende Fehlstellung und Versteifung kann man durch die Operation dauerhaft beseitigen. Außerdem ist nach der operativen Behandlung die passive Sehnenspannung entlastet, da der Operateur die Knochenstrecke der Hammerzehen oder Krallenzehen verkürzt, indem er einen Teil des Zehenknochens entfernt.

Am häufigsten kommt die Operationsmethode nach Hohmann zum Einsatz: Hierbei entfernt der Operateur üblicherweise das nach oben vorspringende Köpfchen des Grundzehenknochens an der Stelle, an der das Hühnerauge sitzt (Resektion).

Verlauf und Vorbeugen

Verlauf

Hammerzeh und Krallenzeh zeigen in der Regel einen langsamen, aber fortschreitenden Verlauf – vor allem, wenn die der Zehenfehlstellungen zugrunde liegenden Ursachen unverändert bestehen bleiben.

Selbst wenn schon im Frühstadium von Hammerzehen und Krallenzehen eine nicht-operative Behandlung zum Einsatz kommt (wie Gymnastik für die Zehen, Polsterung und das Tragen offener, weiter Schuhe), kann dies nicht immer verhindern, dass sich die betroffenen Zehen immer stärker verformen und die Beschwerden zunehmen.

Bei einem operativ korrigierten Hammerzeh oder Krallenzeh kann man mit einem erfolgreichen Verlauf rechnen: In der Regel gelingt es mithilfe der Operation, krumme Zehen erfolgreich zu richten – also die durch einen Hammerzeh oder Krallenzeh entstandene Fehlstellung und Versteifung dauerhaft zu beseitigen. Bei der Operation ist allerdings darauf zu achten, die Zehe ausreichend zu verkürzen, damit die Formänderung nicht wiederkehrt.

Bei der Nachbehandlung ist es ratsam, die betroffene Zehe entweder mit einem Draht oder mit einem Pflasterverband zwei bis drei Wochen in der erreichten, geraden Position zu fixieren. Nach dieser Zeit kann man den Fuß dann wieder voll belasten.

Vorbeugen

Einem Hammerzeh oder Krallenzeh können Sie durch verschiedene Maßnahmen wirksam vorbeugen: Um eine Zehenfehlstellung zu verhindern, ist es vor allem wichtig, das richtige Schuhwerk zu wählen:

  • Zu enge Schuhe,
  • hohe Absätze (über drei Zentimeter)
  • und hinten offene Schuhe

sind grundsätzlich nicht empfehlenswert.

Dagegen ist zur Vorbeugung von Hammerzehen und Krallenzehen regelmäßige Gymnastik für die Zehen ratsam. Achten Sie außerdem beim Gehen darauf, dass die Füße richtig – ohne Einkrallen der Zehen – abrollen.

Weitere Informationen

Buchtipps:

Füße in guten Händen

buch_larsen_fuesse.jpg Larsen, Christian

325 Seiten Thieme 2006

Die Füße unserer Ahnen - sie waren Nomaden - wurden für die Wanderschaft konstruiert. Heute sind wir sesshaft! Das evolutionäre Erbe unserer Füße wird zum Problem. Die Füße werden zu wenig gebraucht. Therapeuten, Orthopäden, Podologen sind die Folgen bekannt. Mit diesem Buch kommen sie Fußproblemen auf die Spur. Sie lernen das Untersuchen und Behandeln nach dem Konzept der Spiraldynamik kennen. Ihre Patienten lernen - auch präventiv - das Schicksal ihrer Füße in die eigenen Hände zu nehmen. Sie begreifen die Dreidimensionalität stabiler Füße, die geniale Gewölbearchitektur und die Wirkung auf die gesamte Beinstatik.

Gesunde Füße: schmerzfrei und beweglich

buch_larsen_gesundefuesse.jpg Larsen, Christian

68 Seiten und DVD Trias 2006

Sie leiden an Bewegungsproblemen und schmerzenden Gelenken? Das muss nicht sein. Denn Gelenke, Bänder und Muskeln, die gezielt und anatomisch richtig bewegt werden, sind voll belastbar und schmerzen nicht. Genau dieses Wissen vermitteln Ihnen anschaulich DVD und Buch.

Quellen:

Online-Information der Gesellschaft für Fußchirurgie e.V.: www.gesellschaft-fuer-fusschirurgie.de (Abrufdatum: 29.12.2017)

Hammerzehe. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (14.11.2017)

Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2016

Imhoff, A. B., et al.: Checkliste Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2014

Grifka, J., Kuster, M. (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2011

Emminger, H., Kia, T. (Hrsg.): Exaplan – Das Kompendium der klinischen Medizin. Urban & Fischer, München 2010

Aktualisiert am: 29. Dezember 2017

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst