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Gerstenkorn (Hordeolum): Ursachen, Symptome und Behandlung

Veröffentlicht von: Till von Bracht (01. August 2016)

© iStock

Bei einem Gerstenkorn handelt es sich um eine eitrige Entzündung der Drüsen am Augenlid. Ausgelöst wird ein Gersternkorn (fachsprachlich: Hordeolum) meist durch eine Infektion mit Bakterien, die zum Beispiel über ungewasche Hände in die Augen gelangt sind.

Wichtig für Betroffene: Drücken Sie das Gerstenkorn auf keinen Fall selbst aus! Als hilfreich haben sich trockene Wärme (z.B. Rotlicht) und antibiotische Salben erwiesen.

Was ist ein Gerstenkorn?

Ein Gerstenkorn ist eine akute Entzündung der Drüsen am Augenlid, die durch bestimmte Bakterien ausgelöst wurde. Meist sind Staphylokokken für das Gerstenkorn verantwortlich: Die Bakterien sorgen dafür, dass es in den Liddrüsen am Augenlid zu einer Eiteransammlung kommt – einem sogenannten Abszess.

Das Gerstenkorn ist kein Hagelkorn

Abzugrenzen vom Gerstenkorn ist eine ähnlich aussehende Veränderung am Auge: das sogenannte Hagelkorn, fachsprachlich Chalazion. Das Hagelkorn ist oft etwas größer als das Gerstenkorn und entsteht üblicherweise, wenn die Meibom-Drüsen am Auge verstopft sind. Durch den Sekretstau bildet sich ein entzündlicher Knoten an der Innenseite des Augenlids.

Gerstenkorn (Hordeolum): Ursachen

Ein Gerstenkorn am Auge entsteht nach einer Infektion mit Bakterien: Meist wird die eitrige Entzündung der Augenliddrüsen durch Staphylokokken verursacht – in seltenen Fällen können auch A-Streptokokken dahinterstecken.

Die Bakterien können über verschiedene Wege in die Augen gelangen – manchmal ist mangelnde Hygiene und unsachgemäße Pflege der Augen die Ursache. Wer etwa mit ungewaschenen Händen die Augen berührt und so Keime in die Augen beziehungsweise von einem auf das andere Auge überträgt, kann leicht eine bakterielle Infektion verursachen, die möglicherweise ein Hordeolum zur Folge hat.

Außerdem sind verschiedene Risikofaktoren bekannt, die ein Gerstenkorn begünstigen. Zu den möglichen Ursachen für ein erhöhtes Risiko, Gerstenkörner zu entwickeln, zählen vor allem ein geschwächtes Immunsystem und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), weil die Betroffenen zu Staphylokokken-Infektionen der Haut neigen. Tritt ein Gerstenkorn immer wieder auf, ist es daher ratsam, einen Diabetes mellitus ausschließen zu lassen. Daneben tritt ein Hordeolum auch oft zusammen mit Akne auf.

Gerstenkorn (Hordeolum): Symptome

Ein Gerstenkorn am Auge ist meist leicht zu erkennen: Typischerweise ist das Augenlid

  • gerötet,
  • geschwollen 
  • und druckempfindlich. 

Diese Symptome sind ein Zeichen dafür, dass eine Liddrüse am Augenlid entzündet ist.

Nach einiger Zeit sammelt sich an der betroffenen Stelle Eiter an – ähnlich wie bei einem Pickel. Das Gerstenkorn kann außerdem von einem Spannungsgefühl begleitet sein. Wenn sich das Gerstenkorn von selbst nach innen oder außen öffnet, fließt Eiter ab.

Das Bild zeigt eine grafische Darstellung eines Gerstenkorns.

Ein Gerstenkorn sieht aus wie ein kleiner Pickel am Rand des Augenlids. Betroffene sollten nicht versuchen, selbst an dem Gerstenkorn "herumzudoktorn": Dadurch kann sich die Entzündung ausbreiten.

Je nachdem, welche Liddrüsen im Auge entzündet sind, unterscheidet man beim Gerstenkorn zwei Formen:

  • das Hordeolum internum (inneres Gerstenkorn)
  • und das Hordeolum externum (äußeres Gerstenkorn). 

Beim Hordeolum internum sind die Liddrüsen an der Innenseite des Augenlids entzündet – genauer gesagt die sogenannten Meibom-Drüsen. Dabei kann auch die Bindehaut in Mitleidenschaft gezogen sein. Unter Umständen ist das innere Gerstenkorn nicht deutlich zu sehen.

Beim Hordeolum externum hingegen sind die Symptome meist deutlich zu erkennen, da sich hier die entzündeten Drüsen am Rand des Augenlids befinden. Genauer gesagt sind hierbei entweder die Zeis-Drüsen (Talgdrüsen) oder die Moll-Drüsen (Schweißdrüsen) im Bereich der Lidkante oder der Wimpern betroffen. 

In der Regel sind bei einem Gerstenkorn die Symptome auf das Auge beschränkt. In schwerwiegenden Fällen können sich bei einem Hordeolum aber auch ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber oder Lymphknotenschwellungen entwickeln. Dies geschieht allerdings sehr selten.

Gerstenkorn (Hordeolum): Diagnose

Ein Gerstenkorn lässt sich in der Regel relativ einfach feststellen: Der Arzt erkennt es häufig schon, wenn er das von der Liddrüsenentzündung betroffene Auge betrachtet (sog. Blickdiagnose): Typischerweise ist bei einem Gerstenkorn das Augenlid gerötet und geschwollen, wobei sich in der Mitte der Augenlidschwellung ein Eiterpunkt befindet, der einem Pickel ähnelt.

Sind die Talg- oder Schweißdrüsen des Augenlids betroffen, sodass sich das Gerstenkorn im Bereich der Lidkante oder der Wimpern zeigt (äußeres Gerstenkorn bzw. Hordeolum externum), gelingt die Blickdiagnose ohne Weiteres.

Sind jedoch die Drüsen an der Innenseite des Augenlids betroffen (inneres Gerstenkorn bzw. Hordeolum internum), ist das Gerstenkorn nicht immer gleich sichtbar. Um die Diagnose stellen zu können, hilft es oft, das Augenlid nach oben umzudrehen, sodass sich die Innenseite des Augenlids untersuchen lässt (Ektropionieren).

Wichtig zur Gerstenkorn-Diagnose ist es, eine andere Entzündung als Ursache für die Veränderungen am Auge auszuschließen. So kann ein Hordeolum auf den ersten Blick zum Beispiel so aussehen wie eine Entzündung der Tränendrüse oder ein Hagelkorn (Chalazion): Letzteres ist eine chronische Entzündung der Meibom-Drüsen an der Innenseite des Augenlids. Anders als beim Gerstenkorn reagiert die entzündungsbedingte Schwellung beim Hagelkorn auf Druck nicht mit Schmerzen.

Gerstenkorn (Hordeolum): Therapie

Die gute Nachricht: Wer ein Gerstenkorn hat, benötigt in der Regel keine besondere Behandlung: Das Gerstenkorn platzt nach einiger Zeit von selbst auf – und die betroffene Stelle am Augenlid heilt von alleine aus. Daher können Sie, wenn sich bei Ihnen ein Gerstenkorn zeigt, mit einer Behandlung zunächst abwarten. Dabei ist allerdings eins wichtig: Das Gerstenkorn auf keinen Fall mit den Fingern ausdrücken!

Allerdings kann bei einem Gerstenkorn am Auge eine geeignete Behandlung die Heilung beschleunigen:

  • Bestrahlen Sie das Gerstenkorn mehrmals täglich mit trockener Wärme, zum Beispiel mit einer Rotlichtlampe. 
  • Da ein Gerstenkorn durch Bakterien verursacht wird, können antibiotikahaltige Augentropfen oder -salben die Heilung etwas beschleunigen – zum Beispiel mit dem Wirkstoff Gentamicin (rezeptpflichtig).
  • Ebenfalls hilfreich sind antiseptische Augensalben, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Bibrocathol (rezeptfrei).

Sollte das Gerstenkorn nicht von selbst aufplatzen, ist es ratsam, zur Behandlung einen Augenarzt aufzusuchen, um den Abszess öffnen zu lassen. Es ist wichtig, dass diese kleine Operation in jedem Fall unter keimfreien Bedingungen geschieht, da sonst eine langwierige Entzündung entstehen kann.

Die für das Gerstenkorn verantwortlichen Erreger sind ansteckend! Daher ist es wichtig, dass sich Betroffene regelmäßg die Hände waschen –besonders vor und nach dem Berühren der Augen. Andernfalls kann sich die Entzündung schnell von einem Auge zum anderen ausbreiten. Für andere Menschen ist die Ansteckungsgefahr allerdings eher niedrig.

Gerstenkorn (Hordeolum): Verlauf und Komplikationen

In der Regel nimmt ein Gerstenkorn am Auge einen günstigen Verlauf: Das Gerstenkorn platzt nach der Dauer von einigen Tagen auf, worauf die Entzündung am Augenlid von selbst abheilt.

Komplikationen

Nur selten kommt es bei einem Gerstenkorn zu Komplikationen. In einigen Fällen treten Gerstenkörner jedoch

  • häufiger (rezidivierend)
  • oder an mehreren Stellen gleichzeitig (multipel) auf.

Ein Grund hierfür kann ein geschwächtes Immunsystem sein. In sehr seltenen Fällen führen Gerstenkörner dazu, dass sich Lidabszesse bilden oder dass sich der Augapfel entzündet (Orbitalphlegmon).

Generell ist es bei einem Gerstenkorn wichtig, auf Hygiene zu achten. Da sich die Entzündung der Liddrüsen schnell von einem Auge auf das andere ausbreiten kann, ist unbedingt darauf zu achten, den für das Hordeolum verantwortlichen Erreger nicht mit den Händen vom erkrankten zum gesunden Auge zu übertragen.

Daher gilt bei einem Gerstenkorn: Die Augen keinesfalls mit ungewaschenen Händen berühren! Auch das Ausdrücken von Gerstenkörnern mit den Fingern ist unbedingt zu unterlassen, da so eine Entzündung mit langwierigem Verlauf entstehen kann.

Gerstenkorn (Hordeolum): Vorbeugen

Einem Gerstenkorn (Hordeolum) können Sie auf vielerlei Weise vorbeugen: Da ein geschwächtes Immunsystem ein Risikofaktor für die Entstehung von Gerstenkörnern ist, sind zum einen alle möglichen Maßnahmen empfehlenswert, die das Abwehrsystem stärken (z.B. Sport treiben und auf gesunde Ernährung achten).

Zum anderen ist die richtige Hygiene und Pflege der Augen wichtig, wenn Sie einem Gerstenkorn vorbeugen möchten: Ein Hordeolum entsteht durch Bakterien. Um bakterielle Infektionen der Augen zu vermeiden, ist es daher ratsam, Ihre Hände regelmäßig zu waschen, besonders vor und nach dem Berühren Ihrer Augen, damit Sie mögliche Keime nicht in die Augen beziehungsweise von einem auf das andere Auge übertragen.

Gerstenkorn (Hordeolum): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Gerstenkorn (Hordeolum)":

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Online-Informationen des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e.V.: cms.augeninfo.de (Abrufdatum: 1.8.2016)

Burk, A., Burk, R.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

Lang, G.K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2012

Dahlmann, C.: Crashkurs Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2009

Stand: 1. August 2016



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