Gallenblasen­entzündung (Cholezystitis): Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (21. Juni 2016)

Bei der Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) hängt die geeignete Therapie von den Ursachen der Entzündung ab. Hat sich die Gallenblase durch Gallensteine entzündet, kann – abhängig von den Beschwerden und den Ergebnissen der Blutuntersuchung und Ultraschalluntersuchung – eine Operation notwendig sein. Wenn Sie nur einzelne kleinere Gallensteine und eine leichte Entzündung haben, können auch nicht-operative Maßnahmen ausreichen.

Gallenblasen-OP

Wenn Sie eine schwere Gallenblasenentzündung oder größere Gallensteine haben oder Komplikationen auftreten, ist es ratsam, sich schnellstmöglich operieren zu lassen. Die Gallenblasen-OP besteht darin, die Gallenblase vollständig zu entfernen: Diese sogenannte Cholezystektomie ist möglich, weil die Gallenblase kein lebenswichtiges Organ ist. Nach der Operation ist es allerdings besonders wichtig, auf eine gesunde Ernährung zu achten und Übergewicht zu vermeiden.

Bei einer früh diagnostizierten schweren Gallenblasenentzündung ohne Komplikationen ist die Gallenblasen-OP mit einem sehr geringen Risiko verbunden. Der Eingriff erfolgt dann laparoskopisch – also durch die sogenannte Schlüssellochchirurgie. Wenn die Cholezystitis bereits zu Komplikationen geführt hat (z.B. perforierte Gallenblase), entfernt der Operateur die Gallenblase jedoch konventionell, also durch einen Bauchschnitt. Anschließend prüft der Operateur den Bauchraum und spült ihn, um die ausgetretene Galle vollständig zu entfernen.

Video zum Thema Gallenblasenentfernung: Wann ist es nötig, die Gallenblase zu entfernen?

Bei Fehlbildungen der Gallenblase mit wiederkehrenden (rezidivierenden) Gallensteinen und wiederholter Gallenblasenentzündung ist es ebenfalls ratsam, die Gallenblase zu entfernen. Haben Sie eine chronische Cholezystitis, ist Ihr Risiko für ein Gallenblasenkarzinom erhöht. Auch dann ist eine Gallenblasen-Operation grundsätzlich zu empfehlen.

Leben ohne Gallenblase

Dass Sie noch einmal eine Gallenkolik bekommen, ist bei einem Leben ohne Gallenblase eher unwahrscheinlich. Jedoch können sich auch in den verbliebenen Gallengängen noch Gallensteine bilden und Probleme bereiten. Zudem ist nicht 100-prozentig auszuschließen, dass Sie weiterhin andere – wenn auch harmlose – Beschwerden verspüren: Jeder dritte bis vierte Betroffene hat trotz Gallenblasen-OP nach wie vor Verdauungsbeschwerden (wie Völlegefühl oder Blähungen).

Die Gallenblase zu entfernen, hat an sich aber keine größeren Probleme zur Folge. Allerdings bedeutet ein Leben ohne Gallenblase, dass die in der Leber gebildete Galle keinen Speicherort mehr hat: Darum fließt sie direkt in den Dünndarm. Dies kann dazu führen, dass Sie etwas häufiger Stuhlgang haben und Ihr Stuhl weicher ist als vor der OP. Mit der Zeit verschwinden diese Veränderungen jedoch meist von selbst wieder.

Solange Sie nach der Gallenblasen-OP Ihre gewohnte Ernährung gut vertragen, müssen Sie diese auch nicht zwangsläufig ändern. Nur wenn plötzlich bestimmte Lebensmittel Verdauungsprobleme verursachen, kann eventuell eine Ernährungsumstellung sinnvoll sein – oft reicht es zum Beispiel, weniger Fett und mehr Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Eine besondere Diät müssen Sie nicht einhalten.

Medikamente

Ist die Gallenblasenentzündung mit einer Gallenkolik verbunden, helfen dagegen entkrampfende Medikamente (sog.Spasmolytika) zusammen mit einem Schmerzmittel (z.B. Paracetamol): Dann besteht die Möglichkeit, dass die ursächlichen Gallensteine ihren natürlichen Weg über den Gallengang in den Darm gehen. Unter Umständen kann bei einer steinbedingten Cholezystitis auch eine spezielle Form der Endoskopie, die ERC (= endoskopisch retrograde Cholangiographie), ratsam sein: Dabei kann der Arzt den Gallengang in Höhe der Einmündung in den Zwölffingerdarm schlitzen und damit einen leichteren Steinabgang ermöglichen. Gleichzeitig lassen sich bei dieser Methode Steine aus dem Gallengang entfernen.

Zur Therapie der Gallenblasenentzündung können auch Medikamente zum Einsatz kommen, welche die Gallensteine auflösen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn Sie Cholesterinsteine haben und Ihre Gallenwege nicht entzündet sind. Um die Steine loszuwerden, ist der Wirkstoff Ursodeoxycholsäure in Kapselform geeignet:Er vermindert die Cholesterolausscheidung der Leber in die Galle und verändert somit die Löslichkeit. Nebenwirkungen der Behandlung können Übelkeit, Durchfall und ein vorübergehender Anstieg der Leberwerte sein.

Die Medikamente kann man mit einer Stoßwellentherapie kombinieren, um die Steine zu zertrümmern. Diese kombinierte Behandlung der Gallenblasenentzündung ist dann für Sie geeignet, wenn Sie ein hohes Narkose- oder Operationsrisiko haben. Allerdings ist die Stoßwellenbehandlung mit zahlreichen Risiken verbunden, da sie auch umliegende Organe wie die Nieren verletzen kann. Zudem ist sie auf längere Sicht wenig erfolgreich, weshalb sie heute nicht mehr als empfehlenswert gilt. Bei einer Schwangerschaft und bei Nierenfunktionsstörungen sind die üblichen Medikamente und auch Stoßwellen zur Behandlung der Cholezystitis nicht zulässig.

Begleitentzündung

Tritt die Gallenblasenentzündung begleitend zu einer anderen Erkrankung auf, kann deren Therapie auch die Begleitentzündung heilen. Das bedeutet: Hat sich Ihre Cholezystitis im Rahmen von Infektionen wie Scharlach, Staphylokokken oder Darmbakterien gebildet, hilft eine Antibiotika-Behandlung.

Wenn ein Befall mit Parasiten (Spulwürmer oder Bandwürmer) für Ihre Gallenblasenentzündung verantwortlich ist, erhalten Sie Wurmmittel, die über einen längeren Zeitraum einzunehmen sind. Bei manchen Bandwürmern (wie beim Hundebandwurm Echinococcus granulosus) ist es außerdem nötig, die von den Bandwurmlarven gebildeten Zysten in einer Operation zu entfernen. Gelingt dies nicht, ist eine lebenslange medikamentöse Behandlung erforderlich, da es nicht möglich ist, die Würmer zu töten, sondern nur, sie in ihrem Wachstum aufzuhalten.


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