Furunkel: Schmerzhafte Entzündung der Haut

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (15. August 2017)

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Furunkel treten vor allem im Gesicht, am oberen Rücken, in den Achselhöhlen, am Po und im Schambereich auf. Sie können sich aber auch an jeder anderen Stelle der behaarten Haut entwickeln. Wie man ein Furunkel am besten behandelt.

Anfangs ist eine kleine rote Pustel zu erkennen, in deren Mitte sich Eiter sammelt. Wenn die Entzündung in tiefere Hautschichten vordringt, bildet sich daraus ein druckempfindlicher, schmerzhafter Knoten mit einem Durchmesser von einem halben bis zwei Zentimetern. Je nach Lage kann ein Furunkel sehr schmerzhaft sein. Durchbricht das Furunkel die Haut, entleert sich der Eiter – und die Beschwerden klingen ab. Nach der Heilung bleibt eine kleine Narbe zurück.

Was ist ein Furunkel?

Ein Furunkel ist eine schmerzhafte und tiefliegende Entzündung der Haut, die von einem Haarfollikel und seiner Talgdrüse ausgeht. Die Entzündung des Haarfollikels entsteht durch eine Infektion mit Bakterien – meist durch Staphylokokken (Staphylococcus aureus). Sie breitet sich auf das umliegende Gewebe aus und führt dazu, dass dieses abstirbt (sog. Nekrose). Es kommt zu einer eitrigen Einschmelzung.

Die Eiterbildung in der Mitte des Furunkels ähnelt der Eiterbildung bei einem Abszess. Abszesse sind durch Gewebseinschmelzung entstandene abgekapselte Hohlräume, die mit Eiter gefüllt sind.

Symptome: Furunkel im Gesicht, am Po und im Schambereich

Einem Furunkel gehen immer Symptome einer oberflächlichen Haarbalgentzündung (Follikulitis) voraus. Als erstes Anzeichen für den entzündeten Haarbalg (Haarfollikel) entwickelt sich auf der Haut eine sehr kleine Pustel: Bei genauerem Hinsehen ist ein kleines Haar inmitten einer Entzündung zu erkennen, das von einer Schwellung umgeben ist.

In der Folge breitet sich die Entzündung schnell auf das umliegende Gewebe aus: Die Pustel nimmt an Größe zu und es entsteht ein Furunkel – also ein Knoten mit einem Durchmesser von einem halben bis zwei Zentimetern.

Hiervon kann jede Stelle der behaarten Haut betroffen sein. Jedoch bilden sich Furunkel meistens im Gesicht, im Nacken, in den Achselhöhlen und im Schambereich sowie am Oberschenkel. Besonders unangenehm sind Furunkel am Po.

Ein Furunkel entsteht immer ausgehend von einem Haarfollikel. © iStock

Ein Furunkel entsteht immer ausgehend von einem Haarfollikel.

Die Entzündung ist schmerzhaftund das Furunkel ist prall gespannt. Durch die eitrige Einschmelzung entseht ein zentraler Pfropf. Wenn das Furunkel die Haut durchbricht, tritt Eiter spontan aus. Die Symptome klingen dann ab. Ist das Furunkel abgeheilt, bleibt eine eingezogene Narbe zurück.

Meistens lösen Furunkel keine weiteren Symptome oder höchstens leichte Allgemeinsymptome (z.B. leicht erhöhte Temperatur) aus. Wenn jedoch mehrere benachbarte Furunkel ineinander übergehen, sodass ein Karbunkel entsteht, können stärkere Beschwerden auftreten. In schwerwiegenden Fällen können sich die Lymphbahnen der Haut entzünden (sog. Lymphangitis) und die Lymphknoten anschwellen. Dringen die das Furunkel auslösenden Bakterien in den Brutkreislauf ein, kann eine Blutvergiftung (Sepsis) entstehen.

Ob Furunkel oder Karbunkel weitere Symptome verursachen, hängt auch von deren Lage ab. Als besonders schwerwiegend gelten Furunkel im Gesicht im Bereich vom Augenlid über die Nase bis zur Oberlippe. Dann besteht die Gefahr, dass sich eine sogenannte Orbitaphlegmone (Erkrankung der Augenhöhle), Hirnvenenthrombosen oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis) entwickelt.

Furunkel: Das sind die Ursachen

Auslöser für ein Furunkel sind Bakterien (meistens Staphylococcus aureus), die einen Haarbalg (Haarfollikel) infizieren: Es entsteht eine Haarbalgentzündung, die sich durch die Bakterien noch weiter ausbreitet. Dabei bildet sich zunächst am Entzündungsherd eine rote Pustel mit einem zentralen Eiterpfropf, aus der im weiteren Verlauf das bis zu zwei Zentimeter große, druckempfindliche Furunkel heranreift.

In der Regel haben Furunkel ihre Ursachen in einer Selbstinfektion. Das heißt, die Erreger stammen zum Beispiel aus dem eigenen Nasen-Rachen-Raum, wo sie von Natur aus vorkommen und nicht schädlich sind. Eine Übertragung der Bakterien ist aber auch durch direkte Hautkontakte (auch mit Menschen, die selbst keine Furunkel haben) oder über infizierte Gegenstände möglich. Bei geschwächtem Immunsystem gelangen die Erreger durch sehr kleine, kaum sichtbare Hautverletzungen entlang des Haarbalgs oder der Schweißdrüsen in die Haut.

Verschiedene Faktoren können die Entstehung eines Furunkels zusätzlich begünstigen:

  • ein unerkannter oder unzureichend eingestellter Diabetes mellitus,
  • sehr eng anliegende und scheuernde Kleidung oder
  • unzureichendes Desinfizieren der Haut nach der Rasur

Furunkel behandeln mit Salben, Kompressen und Hygiene

Bei einem Furunkel hängt die Behandlung von der Lage und Ausprägung der Infektion ab. Gegen unkomplizierte Furunkel reicht eine örtliche Behandlung, bei der die betroffene Haut desinfiziert wird.

Zudem kann man ein Furunkel mit warmen Kompressen behandeln. Durch die feuchte Wärme entleeren sich Furunkel häufig spontan und heilen dann ab. Auch Zugsalbe kommt oft gegen Furunkel zum Einsatz, um deren Reifung zu beschleunigen (Wirkstoff Ammoniumbituminosulfonat).

Damit keine Keime aus dem aufgeplatzten Furunkel auf andere Körperstellen oder auf Kontaktpersonen übertragen werden, ist auf ausreichende Hygiene zu achten. Eine auf das Furunkel aufgetragene desinfizierende Salbe oder Lösungen mit Wirkstoffen wie Polyvidonjod kann die Heilung unterstützen.

In den meisten Fällen reicht bei einem Furunkel die örtliche und nicht-operative Therapie aus. Wer allerdings starke Schmerzen hat, sollte das Furunkel jedoch von einem Arzt mit einem Skalpell öffnen lassen, um den Eiter zu entfernen. Zusätzlich kann es nötig sein, bei einem Furunkel Antibiotika (Penicillin) einzunehmen: So ist zum Beispiel bei wiederholt auftretenden Furunkeln (Furunkulose) oder bei einem Furunkel im Gesicht eine Antibiotika-Behandlung ratsam. Im Fall einer Penicillin-Unverträglichkeit kann der Wirkstoff Clindamycin zum Einsatz kommen.

Sitzt das Furunkel im Gesicht (z.B. an der Oberlippe oder Nase) oder im Nacken, ist es zur Therapie außerdem wichtig, diese Körperbereiche möglichst wenig zu bewegen: Dies kann bedeuten, Bettruhe einzuhalten, nicht zu sprechen und sich durch weiche Kost zu ernähren, um nicht kauen zu müssen. Auch bei einem großflächigen Karbunkel an anderer Stelle kann es sinnvoll sein, den betroffenen Körperteil vorübergehend ruhig zu halten.

Ganz besonders bei Furunkeln im Gesicht oberhalb der Oberlippe gilt: Hände weg! Auf keinen Fall das Furunkel ausdrücken!

Auf keinen Fall sollte man ein Furunkel mit den Fingern ausdrücken! © iStock

Auf keinen Fall sollte man ein Furunkel mit den Fingern ausdrücken!

Wie Furunkel diagnostiziert werden

Bei einem Furunkel ist eine eindeutige Diagnose meistens schon durch eine einfache Untersuchung der Haut möglich. Um sicherzugehen, dass das Bakterium Staphylococcus aureus für die ursächliche Haarbalgentzündung (sog. Follikulitis) verantwortlich ist, ist jedoch ein Abstrich nötig: Durch eine labormedizinische Untersuchung des Eiters kann der Arzt die Erreger identifizieren lassen.

Da ein unerkannter Diabetes mellitus Furunkel begünstigen kann, ist es bei der Diagnose wichtig, den Blutzucker zu bestimmen, um einen Diabetes auszuschließen. Bestehen neben dem Furunkel Anzeichen für eine Immunschwäche, sollte außerdem abgeklärt werden, ob Erkrankungen wie Krebs oder Aids vorliegen.

Furunkel: Üblicher Verlauf und Komplikationen

Unkomplizierte Furunkel zeigen in der Regel einen günstigen Verlauf: Sie platzen nach einiger Zeit von selbst auf und heilen schließlich ab. Zurück bleibt eine kleine Narbe. Um die Übertragung der Keime aus einem aufgeplatzten Furunkel auf andere Körperregionen oder Kontaktpersonen zu verhindern, ist auf ausreichende Hygiene zu achten.

Furunkel können auch einen schubweisen Verlauf nehmen und wiederholt auftreten: In diesem Fall liegt eine sogenannte Furunkulose vor. Wenn mehrere benachbarte Haarbälge entzündet sind, können sich die einzelnen Furunkel zu einem großen Karbunkel vereinen, der sehr schmerzhaft ist.

Abszess an der Oberlippe © iStock

Besonders schmerzhaft sind Furunkel an der Oberlippe. Dennoch: Finger weg!

Um den Verlauf nicht negativ zu beeinflussen, ist es wichtig, nicht mit den Fingern auf die Entzündungsherde zu drücken (dies gilt v.a. bei einem Furunkel in der Nase oder im Gesicht)!

Komplikationen

Furunkel können im weiteren Verlauf zu verschiedenen Komplikationen führen: Wenn zum Beispiel mehrere Furunkel ein Karbunkel bilden, kann dies mit stärkeren Allgemeinbeschwerden verbunden sein. Möglich sind auch eine Entzündung der Lymphbahnen der Haut (sog. Lymphangitis) mit Lymphknotenschwellung. Dringen die für Furunkel verantwortlichen Bakterien in den Brutkreislauf ein, kann eine Blutvergiftung (Sepsis) entstehen.

Wie kann man Furunkeln vorbeugen?

Grundsätzlich tragen allgemeine Hygienemaßnahmen dazu bei, Infektionen der Haut zu verhindern:

  • häufiges Händewaschen mit desinfizierenden Waschlotionen
  • regelmäßiges Wechseln der Bettwäsche
  • regelmäßiges Wechseln der Handtücher

Einem Furunkel vorzubeugen bedeutet auch, begünstigende Faktoren auszuschalten: Diabetiker sollten darauf achten, dass ihr Blutzuckerspiegel gut eingestellt ist. Ein unzureichend eingestellter Diabetes mellitus kann die Entstehung von Furunkeln begünstigen. Außerdem ist es ratsam, auf sehr eng anliegende, scheuernde Kleidung zu verzichten und die Haut nach einer Rasur zu desinfizieren.

Weitere Informationen

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Furunkel":


Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 15.8.2017)

Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin: www.enzyklopaedie-dermatologie.de (Abrufdatum: 15.8.2017)

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.infektionsschutz.de (Abrufdatum: 15.8.2017)

Robert Koch-Institut: Ratgeber für Ärzte. Staphylokokken-Erkrankungen, insbesondere Infektionen durch MRSA: www.rki.de (Stand: 19.5.2016)

Korenkov, M., Hünermund, J., Purr, J.: Allgemeinchirurgische Patienten in der Hausarztpraxis. Springer Verlag, Heidelberg 2016

Sterry, W.: Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2011

Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Diagnostik und Therapie Staphylococcus aureus bedingter Infektionen der Haut und Schleimhäute. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/038 (Stand: April 2011)

Röcken, M., Strölin, A.: Hautkrankheiten und Diabetes. In Häring et al.: Diabetologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2011

Sterry, W., Burgdorf, W., Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Plettenberg, A., Meigel, W., Schöfer, H.: Infektionskrankheiten der Haut. Thieme, Stuttgart 2010

Aktualisiert am: 15. August 2017

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