Frühgeborenen-­Retinopathie (Retinopathia praematurorum, RPM): Definition

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (18. Februar 2015)

Die Frühgeborenen-Retinopathie (Retinopathia praematurorum, RPM) ist eine Netzhautschädigung bei Frühgeborenen. Ursache ist eine gestörte Blutgefäßentwicklung der Netzhaut (Retina) aufgrund einer Frühgeburt.

Normalerweise wachsen die Blutgefäße der Netzhaut etwa ab der 16. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt in die Netzhaut ein. Solange sich das Kind im Mutterleib befindet, herrscht eine relativ niedrige Sauerstoffkonzentration im Blut des Kindes und damit auch im Auge des Ungeborenen. Dies ist aber nicht ungünstig. Im Gegenteil: Der niedrige Gehalt an Sauerstoff (sog. Hypoxie) sorgt dafür, dass sich das Gefäßnetz am Augenhintergrund intakt ausbildet. Zum normalen Geburtstermin ist die Entwicklung der Blutgefäße in den Augen dann abgeschlossen. Nach der Geburt atmet der Säugling selbstständig und ist einer Umgebung mit höherer Sauerstoffkonzentration ausgesetzt: Die Sauerstoffkonzentration im Blut steigt. Das wirkt sich dann aber nicht negativ auf das "fertige" Blutgefäßnetz aus.

Anders ist es nun bei Frühgeborenen: Kommt das Kind zu früh zur Welt, sind die Blutgefäße am Auge noch nicht vollständig ausgereift. Der höhere Sauerstoffgehalt stört nun die Gefäßbildung. Meist müssen die kleinen Patienten auch beatmet werden, was die Sauerstoffkonzentration weiter erhöht. Experten gehen davon aus, dass das Blutgefäßwachstums dadurch zunächst stoppt. Anschließend reagiert das Auge mit einer überschießenden Gefäßneubildung, wodurch sich die Netzhaut des Kindes stark verändern oder sogar ablösen kann. Wachstumsfördernde Botenstoffe spielen bei diesem komplexen Zusammenspiel von Sauerstoffkonzentration und Gefäßaufbau eine wichtige Rolle.

Liegt eine Frühgeborenen-Retinopathie (Retinopathia praematurorum) vor, kann es zu Sehstörungen bis zur Erblindung kommen. Kinder mit einer Frühgeborenen-Retinopathie benötigen später zum Beispiel häufiger eine Brille oder schielen.

Ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeborenen-Retinopathie haben Kinder, die

  • vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen
  • bei der Geburt weniger als 1.500 g wiegen
  • länger als 3 Tage zusätzlich Sauerstoff erhalten (z.B. im Rahmen einer künstlichen Beatmung) oder
  • weitere Erkrankungen haben.

Häufigkeit

Eine Frühgeborenen-Retinopathie oder Retinopathia praematurorum entwickelt etwa die Hälte der Frühgeborenen, die mit einem Geburtsgewicht von unter 1.000 Gramm zur Welt kommen. Bei frühgeborenen Kindern mit einem Geburtsgewicht unter 1750 Gramm ist etwa jedes zehnte Kind von einer Frühgeborenen-Retinopathie betroffen. Mädchen und Jungen sind gleichermaßen betroffen .Frühgeburten (d. h. Kinder, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden) sind in Deutschland relativ selten: Von 100 lebend geborenen Kindern kommen durchschnittlich etwa 9 Säuglinge zu früh zur Welt. Von frühen Frühgeburten sprechen Ärzte, wenn ein Kind vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wird. Insgesamt sind das circa 8.000 Kinder pro Jahr.

Die Frühgeborenen-Retinopathie tritt weltweit aber nicht mit der gleichen Häufigkeit auf: Kinder afroamerikanischer Herkunft sind zum Beispiel seltener betroffen als hellhäutige Kinder. Die Ursachen für diesen Häufigkeitsunterschied könnten genetisch bedingt sein. Möglicherweise beeinflussen aber auch andere Faktoren wie Ernährung oder soziales Umfeld die Entstehung und damit auch die weltweite Verteilung der Frühgeborenen-Retinopathie.

Die Retinopathia praematurorum kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Eine schwere Frühgeborenen-Retinopathie, bei der die betroffenen Kinder erblinden, ist selten.


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