Fragiles-X-Syndrom (Martin-Bell-Syndrom): Ursachen

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (20. März 2015)

Ursache für das Fragile-X-Syndrom (Martin-Bell-Syndrom) ist ein verändertes (mutiertes) Gen auf dem X-Chromosom: das FMR1-Gen. Je nach Art der Mutation führt sie dazu, dass ein spezielles Eiweiß, das sogenannte FMR1-Protein, nicht mehr oder zu wenig hergestellt wird. Diese Genveränderung können Eltern an ihre Kinder weitergeben.

Ein Gen besteht immer aus einer spezifischen Abfolge von vier verschiedenen Nukleotiden (Adenin, Thymin, Guanin, Cytosin). Bei einem gesunden FMR1-Gen gibt es einen Sequenzabschnitt, der sich mehrfach wiederholt. Die Abfolge CCG kommen dabei etwa 6- bis 45-mal vor. Das hat jedoch keine Auswirkungen, das FMR1-Protein wird problemlos hergestellt. Bei manchen Menschen kommt diese Sequenz jedoch deutlich häufiger vor – ab etwa 200 Wiederholungen wird das Gen abgeschaltet und kein FMR1-Protein mehr hergestellt. Als Folge entwickelt sich beim Betroffenen das Fragile-X-Syndrom.

Tabelle: Mögliche Häufigkeiten der CCG-Wiederholungen und ihre Auswirkungen

Anzahl CCG-WiederholungenAuswirkung
Normal 6 bis 45 6 bis 45 CCG-Wiederholungen gelten als normal beim FMR1-Gen. Es liegt kein Fragiles-X-Syndrom vor. Nachkommen sind nicht vom Fragilen-X-Syndrom betroffen.
Grauzone / Intermediärbereich 45 bis 55 Es liegt kein Fragiles-X-Syndrom vor. In der Regel bleibt das Gen bei der Übertragung auf die Nachkommen stabil.
Prämutation 55 bis 200 Es liegt kein Fragiles-Syndrom vor. Bei manchen Betroffenen treten jedoch Störungen auf, die mit dem Fragilen-X-Syndrom zusammenhängen können. Die Genveränderung kann an die Nachkommen weitergegeben werden und führt bei ihnen entweder zu einer Prämutation oder einer Vollmutation des FMR1-Gens.

Frauen: Bei betroffenen Frauen besteht mit jeder Schwangerschaft eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass die Prämutation an das Kind weitergegeben wird. Je mehr CCG-Wiederholungen das FMR1-Gen aufweist, desto höher ist das Risiko, dass eine Vollmutation an die Kinder weitergegeben wird.

Männer: Betroffene Männer geben die Prämutation an ihre Töchter weiter. Söhne erben die Prämutation jedoch nicht.
Vollmutation über 200 Bei Betroffenen liegt das Fragile-X-Syndrom vor. Bei betroffenen Frauen besteht mit jeder Schwangerschaft eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass die Vollmutation an das Kind weitergegeben wird.

Bisherige Forschungsergebnisse zufolge spielt das FMR1-Protein eine wichtige Rolle für die Produktion weiterer Eiweiße. Der Ausfall des FMR1-Gens führt anscheinend dazu, dass sich Nervenzellen im Gehirn nicht regelrecht entwickeln können. Als Folge kommt es zu Defiziten im Bereich Lernen und Gedächtnis.

Frauen sind generell seltener oder mit weniger starken Auswirkungen vom Fragilen-X-Syndrom betroffen, da sie über zwei X-Chromosomen (XX) als Geschlechtschromosomen verfügen. Dadurch kann das jeweils nicht veränderte X-Chromosom den Defekt des anderen bis zu einem gewissen Maß ausgleichen. Männer besitzen jedoch nur ein X-Chromosom (XY), weshalb die Mutation bei ihnen voll zur Ausprägung kommt.

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