Fettleber: Symptome, Ursachen & Behandlung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (31. Juli 2017)

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Zu viel Fast Food, zu wenig Bewegung, zu viel Alkohol: In den westlichen Industrieländern leben viele Menschen so ungesund, dass ihre Leber verfettet. Anfangs verursacht eine Fettleber keine Symptome. Erst wenn die Krankheit fortschreitet, kann sie starke Beschwerden hervorrufen. Die gute Nachricht: Eine Fettleber lässt sich meist gut behandeln – mit einfachen Maßnahmen.

Pizza, Tiramisu, dazu ein, zwei Gläschen Wein – vieles, was gut schmeckt, beschert der Leber vor allem eines: Arbeit. Denn die Leber ist das fleißigste Organ unseres Stoffwechsels: Sie produziert Galle, welche dem Darm dabei hilft, Fette zu verdauen. Sie nimmt überschüssige Kohlenhydrate auf und wandelt sie in Fett um oder speichert sie in Form von Glykogen, bis der Körper wieder Energie benötigt. Und sie ist auch für den Abbau von Alkohol zuständig.

Eine gesunde Leber ist all diesen Aufgaben durchaus gewachsen. Doch wenn Pizza, Tiramisu und Wein täglich auf dem Speiseplan stehen und man sich obendrein zu wenig bewegt, besteht die Gefahr, dass die Leber verfettet. Ärzte sprechen dann von einer Fettleber.

Was ist eine Fettleber?
Unter einer Fettleber versteht man eine Erkrankung, bei der sich Fett in den Zellen der Leber einlagert. Mediziner nennen diese Krankheit auch Steatosis hepatis (Steatose = Verfettung, griech. hepar = Leber). Je nach Ursache unterscheidet man alkoholische und nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen.

In den westlichen Industrieländern ist die Fettleber mittlerweile die häufigste Lebererkrankung. In Europa sind etwa 20 bis 30 von 100 Menschen der Bevölkerung von der nicht-alkoholischen Form betroffen. An der alkoholischen Fettleber sind in Westeuropa etwa 5 bis 10 von 100 Menschen der Bevölkerung erkrankt.

Nach der medizinischen Definition handelt es sich um eine Fettlebererkrankung, wenn mindestens fünf Prozent der Leberzellen (Hepatozyten) Fettablagerungen aufweisen. Je nach Ausmaß der Verfettung unterteilen Mediziner die Fettleber in unterschiedliche Schweregrade:

  • Grad 1 (leichte / milde Fettleber): Weniger als ein Drittel der Leberzellen ist verfettet.
  • Grad 2 (mäßige Fettleber): Bis zu zwei Drittel der Leberzellen sind verfettet.
  • Grad 3 (starke Fettleber): Mehr als zwei Drittel der Leberzellen sind verfettet.

Fettleber: Oft ohne Symptome

Wer an einer Fettleber erkrankt ist, spürt davon in der Regel zunächst nichts. Manche Betroffene berichten über ein leichtes Druck- oder Völlegefühl im rechten Oberbauch.

Stärkere Beschwerden entstehen erst, wenn sich die Leber entzündet. Das geschieht bei jedem vierten Patienten mit einer nicht-alkoholischen Fettleber sowie bei etwa 10 bis 30 von 100 Menschen mit einer alkoholischen Fettlebererkrankung. Eine solche Entzündung bezeichnen Ärzte auch als Fettleberhepatitis beziehungsweise Steatohepatitis. Sie äußert sich unter anderem durch:

  • heftige Schmerzen auf der rechten Bauchseite
  • gelbe Haut (Ikterus)
  • Fieber
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Gewichtsverlust.

Fettleber: Ursachen

Eine Fettleber entsteht, wenn der Körper mehr Fette bildet oder über die Nahrung zugeführt bekommt, als er abbauen beziehungsweise aus der Leber abtransportieren kann. Dafür kann es verschiedene Ursachen geben.

Wie führt eine ungesunde Ernährung zu einer Fettleber?

Die häufigste Form der Fettleber ist die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (engl. non-alcoholic fatty liver disease, kurz NAFLD). Sie entsteht fast immer (in 90 Prozent der Fälle) als Folge des sogenannten metabolischen Syndroms. Diese Stoffwechselstörung äußert sich unter anderem in Fettleibigkeit, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel. Das metabolische Syndrom wiederum ist in der Regel die Konsequenz einer ungesunden Ernährung und einem Mangel an Bewegung. Wenn der Körper mehr Kalorien zugeführt bekommt, als er verbrennen kann, lagert er die überschüssige Energie in Form von Fett ein – und zwar nicht nur im Fettgewebe unter der Haut, sondern auch in der Leber. Das schadet einerseits der Leber selbst, andererseits dem gesamten Körper. Denn Fetteinlagerungen in der Leber (und den Muskeln) zählen zu den Hauptursachen des Diabetes mellitus vom Typ II. Übrigens sind es keineswegs nur die fettreichen Speisen, die die Leber belasten: Studien legen nahe, dass vor allem eine zuckerreiche Ernährung eine nicht-alkoholbedingte Fettlebererkrankung begünstigen kann.

Wie entsteht eine alkoholische Fettleber?

Auch Menschen, die zu viel Alkohol trinken, können an einer Fettleber erkranken; in diesem Fall sprechen Mediziner von einer alkoholischen Fettlebererkrankung (engl. alcoholic fatty liver disease, kurz AFLD). Ein Großteil des konsumierten Alkohols gelangt in die Leber, wo ihn bestimmte Enzyme abbauen. Dabei entsteht unter anderem das sogenannte Acetyl-Coenzym A, kurz Acetyl-CoA. Aus diesem Stoff können die Zellen (genauer gesagt die Mitochondrien, also die "Kraftwerke" der Zellen) normalerweise Energie gewinnen. Mutet man der Leber jedoch zu viel Alkohol zu, so stört dessen Abbau die Arbeit der Mitochondrien. Diese können dann nur noch einen Teil des Acetyl-CoA verstoffwechseln – aus dem Rest bauen die Zellen neue Fettsäuren auf. Zugleich entsteht beim Alkoholabbau noch eine Substanz, nämlich Acetaldehyd. Sie schädigt die Leberzellen und hindert sie daran, Fette ins Blut abzugeben. Die Fette wandern also nicht zu energiebedürftigen Organen oder dem Fettgewebe, wie es im gesunden Körper geschehen würde, sondern sammeln sich in der Leber.

Warum die Leber Protein braucht

Eine Fettleber kann zudem entstehen, wenn es dem Körper an Eiweiß mangelt (sog. Marasmus oder Kwashiorkor). Wenn man proteinreiche Speisen isst, etwa Fleisch, Fisch, Käse, Ei, Tofu oder Bohnen, zerlegt der Körper die Eiweiße und baut daraus neue Eiweiße auf, die dann wichtige Funktionen im Stoffwechsel übernehmen können. Zu diesen Eiweißen zählen auch Enzyme, die dafür zuständig sind, Fette aus den Leberzellen zu transportieren. Enthält die Nahrung jedoch zu wenig Eiweiß, kann der Körper nicht mehr genügend dieser Enzyme bilden. Die Leberzellen scheiden die Fette dann nicht mehr aus, sondern lagern sie ein. Diese Form der Fettleber ist hierzulande relativ selten. Manchmal entsteht sie als Folge einer Essstörung. Häufiger erkranken daran jedoch Menschen in Entwicklungsländern.

Auch Medikamente können eine Fettleber verursachen

Selten verursachen auch bestimmte Arzneien (z.B. Glukokortikoide, Acetylsalicylsäure, Tetrazykline, Amiodaron, synthetische Östrogene, Tamoxifen, Diltiazem und einige anti-retrovirale Medikamente) oder Gifte (z.B. Phosphor) eine Fettleber. Auch eine Chemotherapie kann die Leber schädigen und ihre Funktion so stark beeinträchtigen, dass sie zu viel Fett einlagert.

Selten erkranken Schwangere an einer Fettleber

Mitunter leiden zudem manche Schwangere an einer Fettleber. Die sogenannte akute Schwangerschaftsfettleber tritt in der Regel nach der 28. Schwangerschaftswoche auf und geht mit einer sehr starken Schädigung der Leber einher. Schuld ist wahrscheinlich ein erblich bedingter Defekt eines bestimmten Enzyms, das am Abbau von Fettsäuren beteiligt ist (der sogenannten 3-Hydroxyacyl-CoA-Dehydrogenase, kurz LCHAD). Diese Krankheit kommt jedoch nicht sehr häufig vor. Die Schätzungen zur Häufigkeit reichen von 1:7.000 bis 1:20.000, das bedeutet: In einer von 7.000 Schwangerschaften (beziehungsweise von 20.000 Schwangerschaften) tritt eine akuten Schwangerschaftsfettleber auf.

Eine Fettleber kann auch eine Folge anderer Krankheiten sein

Schließlich gibt es noch eine Reihe von Krankheiten, die eine Fettleber hervorrufen können. Dazu zählen chronisch entzündliche Darmerkrankungen, die Zöliakie, das PCO-Syndrom, sowie das sogenannte Reye-Syndrom (bei Kindern bis zum 15. Lebensjahr).

Fettleber: Diagnose

Der Arzt befragt den Patienten meist zunächst nach seiner Krankengeschichte und bestehenden Beschwerden (sog. Anamnese). Anschließend untersucht er im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) den Zustand der Leber. Eine Fettleber ist daran zu erkennen, dass sie auf dem Ultraschallbild vergrößert und ungewöhnlich hell erscheint. Das liegt daran, dass verfettetes Lebergewebe dichter und somit "echoreicher" ist – das heißt, es reflektiert die Schallwellen stärker. 

In der Regel nimmt der Arzt dem Patienten zudem Blut ab. Enthält dieses eine hohe Menge bestimmter Leberenzyme, der sogenannten Transaminasen, kann dies ebenfalls auf eine Fettleber hindeuten. Zu den Transaminasen zählen die Alanin-Aminotransferase (ALT) und die Aspartat-Aminotransferase (AST). Wenn der Patient unter einer nicht-alkoholischen Fettleberentzündung leidet, so sind seine ALT-Werte stärker erhöht als seine AST-Werte. Bei der alkoholischen Fettleber verhält es sich umgekehrt.

Um die Ursachen und das Ausmaß der Fettleber zu bestimmen, kann der Arzt eine Gewebeprobe aus der Leber untersuchen (sog. Leberbiopsie). Hierzu ist eine Leberpunktion nötig – das bedeutet, der Arzt sticht unter örtlicher Betäubung mit einer speziellen Nadel durch die Haut in die Leber und entnimmt eine Probe.

An der Gewebeprobe ist auch zu erkennen, ob sich die Leber bereits entzündet hat und die Entzündungen das Gewebe bereits beschädigt haben. Wenn sich dieses etwa verhärtet hat und geschrumpft ist, kann es sein, dass die Fettleber schon zu einer sogenannten Leberzirrhose fortgeschritten ist. Von einer Leberzirrhose sprechen Ärzte, wenn die Läppchen- und Gefäßstruktur der Leber vollständig zerstört ist. Das hat in der Regel zur Folge, dass das Organ seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann und versagt.

Fettleber: Was tun?

Bislang gibt es keine Medikamente, die gegen eine Fettleber helfen. Doch der Patient kann sich selbst behandeln, indem er seinen Alkoholkonsum einschränkt, seine Lebensgewohnheiten ändert und seine Ernährung umstellt. Wenn sich die Leber noch nicht entzündet hat, lässt sich eine Fettlebererkrankung auf diese Weise sogar häufig heilen.

Was tun bei einer Fettleber?
Wer an einer alkoholischen Fettleber erkrankt ist, sollte vollständig auf Alkohol verzichten. Übergewichtige Menschen, bei denen eine nicht-alkoholische Fettleber diagnostiziert wird, sollten in erster Linie versuchen, ihr Körpergewicht zu normalisieren. Optimal ist es, wenn sie mithilfe einer Diät und Sport ungefähr ein halbes bis ganzes Kilogramm pro Woche abbauen. Um ein Kilogramm Körperfett abzubauen, muss man etwa 7.000 Kilokalorien weniger Kalorien über die Nahrung zu sich nehmen, als der Körper im Laufe des Tages verbrennt. Wer pro Woche die besagte Menge an Körperfett verlieren möchte, muss täglich also 500 bis 1.000 Kilokalorien einsparen.

Fettleber: Verlauf

Wie sich die Erkrankung entwickelt und wie gut die Heilungschancen sind, hängt vom Alter, vom Geschlecht sowie von den genetischen Voraussetzungen des Patienten ab – vor allem aber von der Ursache der Verfettung.

Gute Heilungschancen haben Menschen, die aufgrund einer unausgewogenen Ernährung an einer Fettleber erkrankt sind. Wenn sie ihre Lebensgewohnheiten verbessern und ein gesundes Körpergewicht erreichen, verschwinden die krankhaften Fettansammlungen in der Regel wieder. Bei etwa einem Viertel der Patienten mit einer nicht-alkoholischen Fettleber schreitet die Erkrankung hingegen so weit fort, dass sich die Leber entzündet. Innerhalb dieser Gruppe erleiden wiederum weniger als 5 von 100 eine Leberzirrhose.

Auch eine alkoholbedingte Fettleber kann sich wieder zurückbilden. Voraussetzung hierfür ist, dass die Betroffenen auf Alkohol verzichten. Trinken sie weiterhin Alkohol, so entzündet sich die Leber. Das geschieht bei etwa 10 bis 30 von 100 Betroffenen. Die alkoholische Fettleberentzündung führt deutlich häufiger zu einer Leberzirrhose als die nicht-alkoholische Leberentzündung. In den Industrieländern lässt sich mehr als die Hälfte aller Leberzirrhosen auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückführen. 

Menschen, die an einer alkoholischen Leberzirrhose erkrankt sind, fühlen sich abgeschlagen, verlieren ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, neigen zu Blutungen und lagern Wasser in den Beinen ein. Zu den Folgen der Leberzirrhose zählen darüber hinaus:

  • Blutarmut (Anämie),
  • Gelbsucht,
  • Muskelschwund,
  • verschiedene Hautveränderungen,
  • Erkrankung der Nerven (Polyneuropathie),
  • Erkrankung des Gehirns mit Bewusstseinstrübung, Störung der Bewegungskoordination und Augenmuskellähmungen (Wernicke-Enzephalopathie) und extreme Auszehrung (Kachexie).

Die Zerstörungsprozesse in der Leber lassen sich manchmal noch durch einen vollständigen Alkoholentzug aufhalten. Wenn das Organ zu stark beschädigt ist, kann dies jedoch auch zum Tod führen. Um die Überlebenschancen abschätzen zu können, teilen Mediziner die Leberzirrhose anhand bestimmter Kriterien (der sogenannten Child-Pugh-Kriterien) in drei Schweregrade (Child A bis C) ein:

  • Von den Menschen mit Child A, der mildesten Form der Leberzirrhose, überleben innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnose alle.
  • Von den Patienten mit Child B überleben 85 von 100.
  • Von den Betroffenen mit Child C überleben 35 von 100.

Fettleber: Vorbeugen mit gesunder Ernährung

Einer ernährungsbedingten, nicht-alkoholischen Fettleber lässt sich mit einer gesunden Ernährungsweise und ausreichend Bewegung vorbeugen. Diabetiker können eine Fettleber verhindern, indem sie ihren Blutzucker gut einstellen (lassen).

Einer alkoholischen Fettlebererkrankung können Sie vorbeugen, indem Sie Alkohol meiden beziehungsweise nur in Maßen trinken. Die Leber gesunder Frauen scheint täglich etwa 12 Gramm reinen Alkohol zu verkraften, Männer sollten nicht mehr als 24 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen. Als Beispiel: 0,33 Liter Bier entsprechen etwa 13 Gramm Alkohol, 0,2 Liter Wein etwa 18 Gramm Alkohol. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass diese Dosis nicht exakt definiert ist, sondern auf Schätzungen beruht und im Einzelfall höher oder niedriger sein kann. Menschen mit vorgeschädigter Leber sollten ganz auf Alkohol verzichten.

Fettleber: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Fettleber (Steatosis hepatis)":

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 16.06.2017)

Siegmund-Schultze, N.: Nicht alkoholische Fettlebererkrankung: Erweiterter Fettleber-Index verbessert Vorhersagekraft. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 114, Nr. 8, S. A373 (Februar 2017)

Rassow, J., et al.: Duale Reihe Biochemie. Thieme, Stuttgart 2016

Erckenbrecht, J. F., et al.: Viszeralmedizin: Interdisziplinäres Facharztwissen Gastroenterologie und Viszeralchirurgie. Springer, Berlin Heidelberg 2015

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS): Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/025 (Stand: Februar 2015)

Weiß, J., et al.: Nichtalkoholische Fettlebererkrankung. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 111, Nr. 26, S. 447-52 (Juni 2014)

Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Nseir, W., et al.: Soft drinks consumption and nonalcoholic fatty liver disease. World journal of gastroenteorologie, Jg.16, Nr. 21, S. 2579-88 (Juni 2010)

Aktualisiert am: 31. Juli 2017

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