Durchblutungs­störungen: Erstbehandlung und allgemeine Maßnahmen

Veröffentlicht von: Till von Bracht (08. August 2016)

Die gegen Durchblutungsstörungen eingesetzte Therapie hat zwei Ansatzpunkte:

  1. Der Arzt behandelt die jeweiligen Beschwerden (Erstmaßnahmen).
  2. Allgemeine Maßnahmen, die darauf abzielen, die zugrunde liegende Gefäßerkrankung aufzuhalten.

Erstmaßnahmen bei akutem Gefäßverschluss

Wenn bei Durchblutungsstörungen ein akuter Gefäßverschluss auftritt, ist eine schnelle Therapie nötig: Bei Verdacht auf einen akuten Gefäßverschluss in einem Arm oder Bein ist daher sofort ein Arzt zu verständigen. Die weiteren Erstmaßnahmen bei akutem Gefäßverschluss bestehen darin, die betroffene Extremität sofort zu polstern und tief zu lagern, da dies die Durchblutung fördert.

Der Arzt kann zur Therapie schmerzlindernde Medikamente und Heparin einsetzen: Heparin wirkt gegen Durchblutungsstörungen, indem es das Blut verdünnt. Ein schlechter Allgemeinzustand macht zusätzliche Erstmaßnahmen bei akutem Gefäßverschluss nötig: Dann verabreicht der Arzt Flüssigkeit über Infusionen und Sauerstoff. Dann heißt es: ab ins Krankenhaus! Ein akuter Gefäßverschluss ist ein medizinischer Notfall, den man am besten innerhalb kürzester Zeit in einer gefäßchirurgischen Klinik versorgen lässt.

Medikamente

Bei Durchblutungsstörungen können zur Therapie auch Medikamente zum Einsatz kommen. Diese Behandlung wirkt aber nur indirekt. So kann man bei einer gestörten Durchblutung beispielsweise:


Allgemeine Maßnahmen

Bei Durchblutungsstörungen sind zur Therapie verschiedene allgemeine Maßnahmen geeignet, die sich positiv auf die Durchblutung auswirken.

Bewegungstherapie

Ein hilfreiches Mittel gegen Durchblutungsstörungen ist die konsequente Bewegungstherapie: Wenn Sie sich gezielt bewegen, können Sie Ihre Durchblutung verbessern. So trägt zum Beispiel gezieltes Gehtraining zur Therapie bei, wenn Ihre Beine unzureichend durchblutet sind, weil Sie eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder Schaufensterkrankheit haben. Auch aktive Krankengymnastik, Schwimmtraining oder Fahrradtraining (Ergometer) sind bei Durchblutungsstörungen der Beine sehr wirksam.

Physiotherapie durch Bäder

Neben dem Bewegungstraining sind bei Durchblutungsstörungen im Rahmen einer Physiotherapie auch bestimmte Bäder geeignet, da sie sich positiv auf die Durchblutung auswirken: Dazu zählen das Kohlensäurebad und warm aufsteigende Armbäder. Wechselwarme Bäder sind nur gegen arterielle Durchblutungsstörungen im Frühstadium als Therapie geeignet.

Blutverdünnung (Lysetherapie)

Wenn bei Durchblutungsstörungen frische Blutgerinnsel vorliegen, ist in manchen Fällen eine medikamentöse Therapie zur Blutverdünnung (sog. Lysetherapie) geeignet: Hierbei kommen bestimmte blutverdünnende Medikamente zum Einsatz, die das Blutgerinnsel auflösen sollen – sogenannte Fibrinolytika. Der Arzt spritzt das Medikament in eine Vene oder direkt in das betroffene Gefäß. Die Lysetherapie erhöht allerdings die Blutungsgefahr, sodass eine intensive Überwachung der Betroffenen nötig ist.

Medizinische Eingriffe

Je nach Verlauf können bei Durchblutungsstörungen zur Therapie verschiedene medizinische Eingriffe sinnvoll oder gar notwendig sein.

  • Entfernen eines Blutpfropfs (Embolektomie): Falls ein über die Blutbahn verschleppter Blutpfropf (Embolus) für die Durchblutungsstörung verantwortlich ist, besteht die Therapie darin, den Pfropf unter örtlicher Betäubung zu entfernen. Diesen medizinischen Eingriff nennt man auch Embolektomie.
  • Dehnung des Gefäßes (Gefäßdilatation): Vor allem wenn bei Durchblutungsstörungen kurzstreckige Gefäßverschlüsse vorliegen, eignet sich zur Therapie eine Dehnung des betroffenen Gefäßes (sog. Gefäßdilatation) von innen. Bei diesem medizinischen Eingriff kommt ein Ballonkatheter zum Einsatz. Nachdem der Arzt das Gefäß mit dem Ballon aufgedehnt hat, kann er möglicherweise eine Drahthülse (sog. Stent) einsetzen, die das Gefäß langfristig offen hält.
  • Operation: Bei manchen Durchblutungsstörungen ist zur Therapie eine Operation erforderlich. Zu einem wichtigen Operationsverfahren zählt die Ausschälplastik (Desobliteration). Der Operateur legt dabei den jeweiligen Gefäßabschnitt frei und entfernt die Substanzen, die für den Verschluss verantwortlich sind. Nach dem Eingriff verschließt er die Arterie mit einem sogenannten Patch. Außerdem ist es möglich, mit einem Bypass eine "Umleitung" um die verengte Stelle zu bilden.

Ist bei Durchblutungsstörungen im Arm oder Bein eine Extremität durch eine solche Operation nicht mehr zu retten, ist zur Therapie ihre Amputation notwendig.

Durchblutungsstörungen des Darms

Bei Durchblutungsstörungen des Darms gilt: Je schwerer die Symptome sind, umso rascher ist zur Therapie eine Operation nötig, um den Blutfluss wiederherzustellen. Bei einem akuten Gefäßverschluss stirbt das Darmgewebe ab (Darmgangrän), was unbehandelt zum Tod führt. Bei einer Operation ist es zum Beispiel möglich, den geschädigten oder bereits abgestorbenen Darmteil zu entfernen, die Arterie zu rekonstruieren oder beide Techniken zu kombinieren.

Durchblutungsstörungen der Finger oder Zehen (Raynaud-Syndrom)

Bei Durchblutungsstörungen der Finger oder Zehen (Raynaud-Syndrom) ist es ratsam, vor Beginn einer Therapie zunächst festzustellen, ob eine Erkrankung für die schlechte Durchblutung verantwortlich ist – und wenn ja, diese zu behandeln.

Wenn Sie vom Raynaud-Syndrom betroffen sind (wenn sich also z.B. Ihre Finger bei Stress oder Kälte weiß, dann bläulich und später rot verfärben), ist es wichtig, dass Sie Kälte und Nikotin möglichst meiden. Zudem ist es hilfreich, eine Entspannungstechnik zu erlernen, so zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Ist das Raynaud-Syndrom mit schweren Durchblutungsstörungen der Finger oder Zehen verbunden, kann es zur Therapie sinnvoll sein, den Sympathikusnerv operativ zu durchtrennen (sog. transaxilläre, transthorakale Sympathektomie), denn: Der Sympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems und verengt unter anderem Gefäße.


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