Durchblutungs­störungen: Symptome

Veröffentlicht von: Till von Bracht (08. August 2016)

Die mit Durchblutungsstörungen verbundenen Symptome können sehr unterschiedlich sein: Welche Beschwerden auftreten, hängt vom Ort und Ausmaß der Durchblutungsstörung ab.

Akute Durchblutungsstörungen der Arme und Beine

Ein akuter Gefäßverschluss in der Arterie eines Arms oder Beins führt innerhalb weniger Minuten zu heftigsten Arm- beziehungsweise Beinschmerzen. Die typischen Symptome dieser Durchblutungsstörungen der Arme oder Beine nennt man auch nach ihren englischen Bezeichnungen die sechs P:

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Bei Durchblutungsstörungen der Arme und Beine können die Symptome auch schleichend beginnen und chronisch fortbestehen: Dann besteht eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Ihre genauen Symptome hängen vom Stadium der Durchblutungsstörung ab.

Sind die Beine infolge chronischer Durchblutungsstörungen nicht ausreichend mit Blut versorgt, müssen die Betroffenen – bedingt durch die Schmerzen in der unterversorgten Muskulatur – häufig Gehpausen einlegen. Dies kann einem Betrachter wie ein Schaufensterbummel erscheinen, bei dem die Person alle paar Meter halt macht. Der Volksmund spricht deswegen auch von der Schaufensterkrankheit, wenn die pAVK in den Beinen auftritt.

Die pAVK ist auch unter der Bezeichnung chronische arterielle Verschlusskrankheit (AVK) bekannt. Man kann diese chronischen Durchblutungsstörungen in Arm oder Bein anhand der Symptome in vier Stadien unterteilen:

  • Stadium I: Im ersten Stadium der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit bereiten die Gefäßveränderungen keine Beschwerden.
  • Stadium II: Im zweiten Stadium haben die Betroffenen typischerweise Schmerzen bei Belastung, zum Beispiel beim Gehen. In Ruhe lassen die Schmerzen rasch wieder nach. Wer mit den chronischen Durchblutungsstörungen zu Fuß mehr als 200 Meter ohne Schmerzen zurücklegen kann, befindet sich im Stadium IIa. Sind es weniger als 200 Meter, liegt das Stadium IIb vor.
  • Stadium III: Im dritten Stadium ist die Durchblutungsstörung so stark, dass die Schmerzen auch in Ruhe, vor allem beim Hochlagern der Beine oder beim Liegen, auftreten. Im Sitzen ist die Durchblutung der Beine durch die Wirkung der Schwerkraft wieder besser.
  • Stadium IV: Die Durchblutungsstörungen sind im vierten Stadium bereits so schwer, dass Gewebeschäden auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium liegt ein sogenanntes Raucherbein vor. Je nachdem, wo sich der Gefäßverschluss befindet, unterscheidet man drei Typen:
    • Beckentyp
    • Oberschenkeltyp
    • Unterschenkeltyp

Fast immer betreffen chronische Durchblutungsstörungen beide Beine – die Symptome können in einem Bein allerdings schwächer ausgeprägt sein als im anderen. Da im Rahmen von Diabetes mellitus oft die Nerven geschädigt sind, verspüren Diabetiker mit einer pAVK lange Zeit keine Schmerzen. Gerade bei ihnen gelingt es daher oft erst im Stadium IV, die periphere arterielle Verschlusskrankheit zu diagnostizieren.

Durchblutungsstörungen im Darm

Typischerweise verursachen Durchblutungsstörungen im Darm Bauchschmerzen – vor allem nach dem Essen. Da die Schmerzen den Appetit verringern, möchten die Betroffenen nichts essen und verlieren an Gewicht. Diese Anzeichen bezeichnet man auch als Angina intestinalisZu Durchblutungsstörungen im Darm kommt es häufig im Rahmen der sogenannten Viszeralarterien-Insuffizienz: Die versorgenden Arterien des Darms sind hierbei verengt oder verschlossen. 

In seltenen Fällen können (z.B. durch ein Blutgerinnsel, das eine Darmarterie verschließt) akute Durchblutungsstörungen im Darm entstehen. Anhand der Symptome, die ein solcher akuter Verschluss verursacht, unterscheidet man drei Stadien:

  • Stadium I (Initialstadium)
    Ein akuter Verschluss einer Darmarterie ruft zunächst heftige Bauchschmerzen hervor. Die akuten Durchblutungsstörungen können im Stadium I als weitere Symptome Übelkeit und Erbrechen auslösen. Auch Anzeichen für einen Schock sind möglich.
  • Stadium II (stilles Intervall)
    Einige Stunden nach Beginn der akuten Durchblutungsstörungen lassen die Schmerzen nach. Der Allgemeinzustand verschlechtert sich im Stadium II des akuten Verschlusses jedoch langsam.
  • Stadium III (Endstadium)
    Im Stadium III verursachen akute Durchblutungsstörungen im Darm lebensbedrohliche Symptome: Der akute Verschluss einer Arterie führt zu einer Darmlähmung (paralytischer Ileus) und einer Bauchfellentzündung (Peritonitis). Zudem stirbt das Darmgewebe ab (Darmgangrän).

Durchblutungsstörungen des Herzmuskels

Durchblutungsstörung können auch das Herz betreffen: Bei Durchblutungsstörungen des Herzmuskels liegt eine sogenannte koronare Herzkrankheit (KHK) vor. Wenn der Herzmuskel nicht ausreichend durchblutet ist, kann dies Schmerzen in der Brust (sog. Angina pectoris) oder einen Herzinfarkt hervorrufen. Deren wichtigstes Symptom ist ein beengender und angstauslösender Brustschmerz.

Durchblutungsstörungen der Finger

Plötzlich auftretende Durchblutungsstörungen der Finger oder Zehen bezeichnet man als Raynaud-Syndrom. Die Symptome dieser Durchblutungsstörung zeigen sich, wenn die Gefäße einzelner Finger oder Zehen – zum Beispiel durch Stress oder Kälte – verkrampfen: Dann verfärben sich die betroffenen Finger zunächst weiß, danach bläulich und – sobald die Durchblutung wieder einsetzt – rot. Schmerzen treten eher selten auf. Von dieser meist harmlosen Durchblutungsstörung der Finger oder Zehen sind vor allem Frauen betroffen.

Darüber hinaus können Durchblutungsstörungen der Finger aber auch im Rahmen verschiedener Erkrankungen auftreten – dann gehen sie häufig mit Schmerzen und Gewebeschäden einher. Ein Beispiel hierfür ist die progressive systemische Sklerodermie, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem das Bindegewebe angreift.


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