Dissoziative Identitätsstörung (multiple Persönlichkeitsstörung)

Dissoziative Identitätsstörung (multiple Persönlichkeitsstörung)

Behandlungsphasen

Stand: 30. Dezember 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

Die gegen eine dissoziative Identitätsstörung (multiple Persönlichkeitsstörung) angewendete Therapie besteht aus verschiedenen Behandlungsphasen. Die einzelnen Phasen der Behandlung sind individuell unterschiedlich lang und erfolgen unter Umständen wiederholt:

  • Zunächst steht der Aufbau der therapeutischen Beziehung im Vordergrund, die es den Betroffenen ermöglichen soll, sich auf die Therapie einzulassen. Daneben stellt die Stabilisierung der Betroffenen ein wichtiges erstes Ziel dar: Dazu erarbeiten Therapeut und Betroffene gemeinsam, wie sich der Alltag besser bewältigen lässt. Zusätzliche belastende äußere Umstände (z.B. unzureichende Tagesstruktur, ungünstige Wohnsituation) sind nach Möglichkeit zu verändern.
  • Im zweiten Schritt der Therapie der dissoziativen Identitätsstörung steht die Förderung der Kommunikation und Zusammenarbeit der verschiedenen Teilidentitäten untereinander im Vordergrund. Es geht dabei darum, die verschiedenen Teilpersönlichkeiten (sog. Alters) kennenzulernen, jede einzelne ernst zu nehmen, ihre Beziehungen untereinander zu klären und eine gegenseitige Unterstützung (z.B. im Umgang mit Erinnerungsbildern) aufzubauen.
  • In der anschließenden Phase ist eine schonende Bearbeitung des Traumas empfehlenswert. Dies erfordert ein besonders vorsichtiges Vorgehen, da die Betroffenen Unterstützung darin erhalten sollen, sich den belastenden Erinnerungen zu stellen, ohne zu dissoziieren. Das Ziel besteht darin, das Erlebte als Bestandteil der Vergangenheit anzunehmen, ohne dass alte Auslösereize immer weiter die belastenden Erinnerungsbilder hervorrufen. Eine wirksame Technik zur Traumabearbeitung ist das Eye Movement Desensitization Reprocessing (EMDR): Der Therapeut leitet die Betroffenen an, von dem traumatischen Erlebnis zu berichten, während sie schnelle Augenbewegungen ausführen. Diese Kombination von Augenbewegung und Konfrontation mit dem Trauma erleichtert es, das Erlebte zu verarbeiten: Die Augenbewegung regt das Gehirn so an, dass es gelingt, die Blockaden zu lösen.
  • Ziel der abschließenden Phase der Behandlung der multiplen Persönlichkeitsstörung ist die Integration und Verschmelzung der Teilidentitäten. Die Betroffenen sollen sich wieder als eine einzelne Person erleben können und lernen, ihre Vergangenheit als Teil ihres Lebens zu akzeptieren. Dabei ist zu beachten, ob die Betroffenen diese Integration als Therapieziel anstreben – gegebenenfalls ist ihre Wahl, die Identitätsvielfalt beizubehalten, zu respektieren.

Wenn die dissoziative Identitätsstörung auf rituellen Missbrauch zurückzuführen ist, sind in der Therapie auch Bewusstseins-Kontrolltechniken zu berücksichtigen: Diese kommen zum Beispiel in Kulten zum Einsatz, um Opfer zum Dissoziieren zu programmieren. Ziel der Deprogrammierung ist es, diese Kontrollmuster zu löschen. Bei der gegen die multiple Persönlichkeitsstörung eingesetzten Therapie ist es wichtig, dass immer die individuellen Möglichkeiten und Bedürfnisse der einzelnen Betroffenen im Vordergrund stehen. So kann es im Sinne einer größtmöglichen Stabilisierung beispielsweise sinnvoll sein, auf die Bearbeitung der traumatischen Erlebnisse zu verzichten, wenn die Betroffenen sich dadurch dauerhaft überfordert fühlen.

Weiterlesen: Dissoziative Identitätsstörung (multiple Persönlichkeitsstörung): Verlauf

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