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Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): Leben mit Diabetes

Veröffentlicht von: Dr. med. Fabian Weiland (25. September 2013)

Diabetes und Ernährung

Für alle Menschen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine gesunde Ernährung von großer Bedeutung. Besonders Typ-2-Diabetiker können davon profitieren. Häufig ist Übergewicht eine Ursache der Erkrankung. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung bei Diabetes senken das Körpergewicht, was die Zuckerwerte im Blut verbessert. Viele Diabetiker können auf diese Weise ihren Tabletten- beziehungsweise Insulinbedarf deutlich reduzieren.

Eine für Diabetes angemessene Ernährung entspricht keineswegs automatisch einer strengen Diät. So muss ein Diabetiker nicht zwangsläufig auf Süßigkeiten oder Alkohol verzichten – er muss den Konsum aber unter Kontrolle haben. Eine ausgewogene Ernährung, wie sie für gesunde Menschen empfohlen wird, ist auch bei Diabetes gesund. Um in Beruf und Freizeit leistungsfähig zu sein, benötigt ein Diabetiker genauso wie ein Gesunder eine Kalorienzufuhr, die der körperlichen Tätigkeit angemessen ist.

Wichtig ist, dass die mit der Nahrung zugeführten Kalorien vom Körper auch verwertet werden können und Kohlenhydrate nicht einfach über den Harn wieder ausgeschieden werden. Mehrere kleine Mahlzeiten (fünf bis sechs) am Tag sind besser als wenige große, weil der Insulinbedarf dann geringeren tageszeitlichen Schwankungen unterliegt.

Das Bild zeigt einen Marktstand mit Obst und Gemüse.

Menschen mit Diabetes können mithilfe einer gesunden Ernährung ihre Gesundheit fördern.

Geeignete Nahrungsmittel

Als günstig hat sich bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) eine fettarme Kost in Verbindung mit viel Obst und Gemüse erwiesen. Vollkornprodukte setzen Kohlenhydrate langsamer frei und tragen auf diese Weise dazu bei, einen gleichmäßigeren Blutzuckerspiegel zu gewährleisten.

Nahrungsmittel, die leicht verdauliche Kohlenhydrate wie reine Glukose oder Haushaltszucker (Saccharose) enthalten, sollten Sie dagegen eher meiden, da sie den Blutzuckerspiegel rasch in die Höhe treiben. Allerdings müssen Diabetiker keinesfalls gänzlich darauf verzichten. Süßstoffe wie Saccharin, Cyclamat und Aspartam, sowie Zuckeraustauschstoffe wie Fruktose und Xylit können dabei helfen, den Zuckerkonsum einzuschränken – für eine ausgewogene Diabetes-Ernährung sind sie aber nicht notwendig.

Eiweiß (fettarmes Fleisch, Fisch, pflanzliche Eiweiße) können bei Diabetikern 10 bis 20 Prozent der Gesamtkalorienmenge ausmachen – falls jedoch die Nieren geschädigt sind, sollte man weniger Eiweiß zu sich nehmen.

Der Alkoholkonsum sollte auf ein gelegentliches Glas niedrigprozentigen Alkohol wie Bier oder Wein beschränkt bleiben – Alkohol erhöht die Gefahr einer Unterzuckerung. Daher sollten Sie zu Bier oder Wein immer ein paar Kohlenhydrate zu sich nehmen.

Sport bei Diabetes

Vor allem für Menschen mit Diabetes Typ 2 ist Sport neben einer gesunden Ernährung eine gute Möglichkeit, aktiv etwas gegen ihre Zuckerkrankheit zu tun. Körperliche Aktivität steigert den Energieverbrauch, macht die Zellen empfindlicher für Insulin und senkt so den Blutzucker. Wichtig ist, dass man sich regelmäßig und über eine gewisse Zeit bewegt (mind. 3 Mal in der Woche für 30 Minuten). Um an Gewicht zu verlieren, ist Sport unersetzlich. Allgemein gilt: Jedes Kilo Übergewicht, das man abnimmt, verbessert den Blutzucker, bremst den Diabetes und beugt Spätschäden vor.

Allerdings sollten Sie es mit der körperlichen Betätigung nicht übertreiben. Wenn Sie Diabetes haben und normalerweise eher wenig Sport treiben, dann aber plötzlich körperliche Höchstbelastungen anstreben, können Sie Ihrer Blutzuckereinstellung sogar eher schaden als nutzen. Unter Umständen kann der Gesamtstoffwechsel entgleisen. Am besten besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche sportlichen Aktivitäten und welche Belastungsintensität für Sie gesund sind.

Wenn sich bei Ihnen bereits Folgeschäden des Diabetes mellitus wie koronare Herzkrankheit, Niereninsuffizienz oder ein diabetischer Fuß zeigen, können sich Einschränkungen in der Wahl der Sportart ergeben. Der Marathonlauf mag nicht für jeden Diabetiker das Richtige sein; es findet sich jedoch in aller Regel eine geeignete Sportart.

Wenn Sie Insulin spritzen oder sogenannte Sulfonylharnstoffe einnehmen, haben Sie ein gewisses Risiko für eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) beim Sport. Bei kurz dauerndem Training können Sie der Unterzuckerung mit einer Zwischenmahlzeit vorbeugen. Bei länger dauernden Anstrengungen müssen Sie zusätzlich die Insulindosis anpassen. Sportler kennen durch viele Messungen und Erfahrung die Reaktion ihres Körpers auf Belastungen meist sehr genau – sie können ihren Zuckerstoffwechsel auch unter extremen Bedingungen gut kontrollieren.

Diabetes bei Kindern

Ein Mädchen mit seiner Mutter beim Arzt.

Kinder mit Diabetes brauchen viel Zuwendung.

Kinder mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) leiden meist an einem Typ-1-Diabetes. Stark übergewichtige Kinder können jedoch auch schon an einem Typ-2-Diabetes erkranken, der eigentlich erst in höherem Alter auftritt. Insbesondere unmittelbar nach der Diagnose müssen sie erst lernen, mit der neuen Situation zurechtzukommen. Viel Zuwendung und Aufmerksamkeit helfen den Kindern, ihre Angst zu verlieren und ein Verständnis für den Diabetes zu entwickeln.

Viele Kinder lehnen sich zunächst gegen die Krankheit auf und reagieren aggressiv oder mit depressiven Verstimmungen. Manche Kinder haben auch Schuldgefühle. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, wenn die Eltern professionellen Rat von einem Kinderpsychologen einholen.

Für eine effektive Therapie ist es unerlässlich, dass das Kind Schritt für Schritt verantwortungsvoll mit der Zuckerkrankheit umgeht. Eltern können die Stoffwechselkontrolle kaum selbst übernehmen und sollten die Verantwortung für den Diabetes so früh – und so behutsam – wie möglich auf das Kind übertragen. Typ-1-Diabetiker, die schon als Kinder erkrankten, haben den Diabetes meist sehr gut in ihr Leben integriert und werden wenig dadurch beeinträchtigt.

Arbeiten mit Diabetes

Eine Frau arbeitet in einem Büro.

Die meisten Diabetiker können problemlos einer Arbeit nachgehen.

Menschen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) können – abgesehen von der notwendigen Therapie – ein normales und beschwerdefreies Leben führen. Arbeiten mit Diabetes ist daher prinzipiell kein Problem. Wegen des Risikos einer plötzlichen Unterzuckerung gibt es lediglich einige Einschränkungen bei Berufen mit hohem Gefahrenpotenzial. Zu den Berufen, die wegen Fremd- oder Eigengefährdung nicht ausgeübt werden dürfen, gehören die berufliche Personenbeförderung, beruflicher Waffengebrauch (Soldaten, Polizisten) und Überwachungsfunktionen mit alleiniger Verantwortung für das Leben anderer (z.B. Fluglotsen).

Außerdem sind solche Arbeiten nicht geeignet, bei denen Diabetiker sich nicht um ihre Stoffwechselkontrolle kümmern können. So könnte bei Arbeiten in schwierigem, unzugänglichem Gelände oder unter großer Hitze oder Kälte die Lagerung des Insulins problematisch sein. Schutzkleidung kann die regelmäßige Insulin-Gabe unmöglich machen (z.B. bei Tauchern oder Gefahrstoffentsorgern).

Wer eine gute Stoffwechselkontrolle nachweisen kann – in Form eines ärztlichen Gutachtens – darf jedoch auch kritische Berufe ausüben. Dazu gehören die Tätigkeit als Taucher, Arbeiten in großer Höhe (z.B. Dachdecker), Arbeiten an gefährlichen Maschinen (z.B. Hochöfen) und Arbeiten im Schicht-, Akkord- oder Nachtdienst.

Wenn Sie Diabetes mellitus haben, sollten Ihre Kollegen darüber Bescheid wissen, um im Notfall die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können. Diabetiker sind berechtigt, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen, der einen besseren Kündigungsschutz, Extra-Urlaub und steuerliche Vergünstigungen ermöglicht.

Krankheit und Diabetes

Ob Durchfall, Fieber oder Erkältung: Wenn Betroffene mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) krank werden, ist eine sorgfältige Blutzuckerkontrolle besonders wichtig. Denn bei Erkrankungen kann der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht geraten. Um dies zu vermeiden, sollten Sie im Krankheitsfall einige Tipps beachten:

  • Testen Sie Ihren Blutzuckerspiegel alle drei bis vier Stunden. Auch die regelmäßige Messung des Ketongehalts im Urin kann sinnvoll sein.
  • Spritzen Sie weiterhin regelmäßig Insulin beziehungsweise nehmen Sie Ihre Medikamente ein.
  • Bei Appetitlosigkeit ist es wichtig, trotzdem etwas Nahrung zu sich zu nehmen, um nicht zu unterzuckern.
  • Gerade bei Fieber, Erbrechen oder Durchfall sollten Sie darauf achten, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um eine Austrocknung (Dehydratation) zu vermeiden. Ideal ist es, wenn Sie stündlich ein Glas zuckerfreie Flüssigkeit wie Wasser oder Tee aufnehmen. Ist der Blutzuckerspiegel zu niedrig, kann dieser durch die Zugabe von 15 Gramm Kohlenhydraten im Getränk angehoben werden. Dies entspricht beispielsweise etwa einem halben Glas Apfelsaft.
  • Suchen Sie im Zweifelsfall Ihren Arzt auf, insbesondere, wenn...
    • ...Sie unter Erbrechen oder Durchfall über mehr als sechs Stunden hinweg leiden.
    • ...Sie länger als einen Tag Fieber haben.
    • ...das Fieber steigt.
    • ...Sie Ihren Blutzuckerspiegel nicht unter Kontrolle haben.
    • ...Sie Bauchschmerzen haben.
    • ...Sie über einen Zeitraum von mehr als zwölf Stunden hinweg Keton im Urin feststellen oder wenn der Ketonspiegel ansteigt.
  • Wenn Sie frei verkäufliche Medikamente einnehmen möchten, fragen Sie vorher Ihren Arzt, da einige Arzneimittel den Blutzuckerspiegel beziehungsweise den Blutdruck erhöhen können.





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