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Forenexperte: Dr. Winfried Keuthage
Forum Diabetes
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Stand: 16. August 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Die beiden Hauptformen von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Diabetes mellitus Typ 1 und Diabetes mellitus Typ 2, haben ganz unterschiedliche Ursachen.
Etwa fünf Prozent der Diabetiker sind Typ-1-Diabetiker. Da Diabetes mellitus Typ 1 in der Regel in einem jugendlichen Alter beginnt, wurde er früher auch als juveniler (jugendlicher) Diabetes bezeichnet. Heute geht man davon aus, dass es sich bei Diabetes mellitus Typ 1 um eine Autoimmunerkrankung handelt, die durch bestimmte Erbfaktoren und Virusinfektionen begünstigt wird.
Bis auf wenige Ausnahmen tragen alle Personen mit Diabetes mellitus Typ 1 spezielle Merkmale auf ihren weißen Blutkörperchen (sog. HLA-Merkmale DR 3 und DR 4). Deshalb nimmt man an, dass es genetische Veranlagungen für Diabetes mellitus Typ 1 als Ursachen eine Rolle spielen. Allerdings gibt es viele Menschen, die diese Erbinformationen tragen und dennoch nicht an der Zuckerkrankheit erkranken.
Die genetische Veranlagung ist also nur ein Faktor, der die Erkrankung begünstigt. Experten gehen davon aus, dass zusätzlich zu den Erbanlagen auch bestimmte Virusinfektionen zum Ausbruch von Diabetes mellitus Typ 1 beitragen können: Als Ursachen kommen Mumps- und Rötelnviren infrage. Neben den Virusinfektionen werden auch Chemikalien oder Giftstoffe als mögliche Zusatzfaktoren diskutiert, die bei genetisch vorbelasteten Menschen dann eine sogenannte Autoimmunreaktion auslösen. Dabei bildet das Abwehrsystem Antikörper gegen körpereigenes Gewebe – in diesem Fall gegen die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse. Diese Inselzellantikörper (ICA) zerstören nach und nach die insulinbildenden Zellen. Beim Diabetes mellitus Typ 1 liegt schließlich ein echter (absoluter) Insulinmangel vor. Die Insulingabe ist die einzige Therapie, die die Beschwerden bessern und Folgeschäden verhindern kann.
Erst nachdem etwa 80 Prozent der insulinbildenden Zellen (Inselzellen) verschwunden sind, macht sich Diabetes mellitus Typ 1 mit seinen typischen Beschwerden bemerkbar. Zwischen dem Beginn der Erkrankung und dem Auftreten der ersten Symptome können Wochen, Monate oder auch Jahre vergehen.
Zu Beginn kann es durch die Behandlung mit Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen (sog. Immunsuppressiva) zu einer zeitweiligen Erholung der Beta-Zellen kommen. Mediziner sprechen von einer Remissionsphase. Diese kurzfristige Regeneration ist jedoch nur vorübergehend: Tatsächlich schreitet der Krankheitsprozess beim Diabetes mellitus Typ 1 fort, bis schließlich alle insulinproduzierenden Inselzellen zerstört sind und kein eigenes Insulin mehr bilden.
Diabetes mellitus Typ 1 wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,5 bis 5 Prozent von der Mutter oder dem Vater auf die nachfolgende Generation vererbt. Sind beide Eltern Typ-1-Diabetiker, steigt das Risiko auf etwa 20 Prozent. Das Erkrankungsrisiko von Geschwister hängt davon ab wie sehr sich die HLA-Merkmale ähneln. Es kann bist zu 18 Prozent hoch oder – bei HLA-verschiedenen Geschwistern – kaum erhöht sein. Bei eineiigen Zwillingen liegt das Risiko für das Geschwisterkind eines Betroffenen bei 35 Prozent, ebenfalls an Diabetes mellitus Typ 1 zu erkranken.
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